Ich geb zu, das ist ein bissl provokativ.

Es geht um den neuen Rekordüberschuss der deutschen Handelsbilanz.

Und der ist ja dem Donald ein Dorn im Auge.

Aber wie so oft, oder eh immer, stimmt an dem was er sagt etwas nicht.

Er, bzw. seine Berater, führen das ja darauf zurück, dass der Euro deutlich unterbewertet ist und sich die Deutschen damit unfaire Vorteile erschleichen.

Aber wenn es der Euro wär, dann müssten ja auch wir Österreicher, die Franzosen, die Spanier oder sogar Griechen grosse Handelsbilanzüberschüsse haben.

Haben sie aber nicht.

 

Es muss also andere Gründe für diesen Rekordwert geben.

Die gibt es.

Und die sind ein echtes Problem.

Zwar nicht für den Trump, aber für die arbeitenden Menschen vor allem innerhalb der EU.

Aber auch in Deutschland (das klingt an dieser Stelle vielleicht eigenartig – Erklärung folgt weiter unten).

 

Ganz vereinfacht dargestellt heisst nämlich dieser Handelsbilanzüberschuss, dass Deutschland um diese 253 Milliarden mehr eingenommen als ausgegeben hat.

Und das Rekordhoch beruht hauptsächlich auf dem Handel innerhalb der EU.

So wuchs das Geschäft mit den EU-Ländern um 2,2 Prozent, während das mit dem Rest der Welt um 0,2 Prozent schrumpfte.

Diese Milliarden fehlen natürlich woanders.

(Wenn Jemand viel einnimmt, muss jemand Anderer viel ausgeben.)

Z.B. bei den Griechen.

 

Überhaupt wird das deutsche Wirtschaftsmodell ja grad allerorts gepriesen.

Neben dem Exportboom gibt es ja auch ein Rekordtief an Arbeitslosen.

 

Aber machen wir einen Rückblick.

Im Jahr 2005 titelte der Stern noch:

Ist Österreich das bessere Deutschland?“

Mit starkem Wirtschaftswachstum, moderater Arbeitslosenquote und geringer Neuverschuldung habe Österreich das geschafft, wovon Deutschland träume. Denn ökonomisch haben die Österreicher die Deutschen längst überflügelt.

 

Etwas mehr als 10 Jahre später ist Österreichs Wirtschaft angeblich „abgesandelt“.

Real jedenfalls ist das Rekordhoch bei den Arbeitslosenzahlen.

Und das betrifft besonders sowohl jüngere als auch ältere Arbeitssuchende.

 

 

Nicht ganz zufällig beginnt dieser Paradigmenwechsel in Deutschland im zitierten Jahr 2005.

War das doch das Jahr des Inkrafttretens von Hartz IV.

Die negativen Folgen sind bekannt.

Deutschland hat inzwischen den größten europäischen Niedriglohnsektor (20 %) und setzt damit auch die Nachbarländer unter Druck.

So steigt zb auch in Österreich seit 2000 die Anzahl der „geringfügigen Jobs“ um 75 % ebenso, wie die Zahl anderer atypischer Beschäftigter („neue“ Selbständige) oder Leiharbeiter.

 

Zur Erinnerung: Hartz IV wurde vom „Sozialdemokraten“ Schröder eingeführt.

Schon für ihn galt das Primat der Wirtschaft als Heilslehre.

 

Auch der in Deutschland geltende Mindestlohn (seit 2017 € 8,84/Std – entspricht in etwa dem vom Kanzler Kern geforderten Mindestlohn von € 1.500,-/Monat) ändert an dieser Situation nichts.

Und eine Studie zeigt, dass ca. die Hälfte der Unternehmen nicht einmal dieses Minimum bezahlt.

 

Kurzum:

Der nun gefeierte wirtschaftliche Erfolg Deutschlands basiert auf einer Ausbeutung einer Vielzahl von Menschen und bedeutet darüber hinaus auch eine grosse Gefahr für die vielen Arbeitnehmer*innen und vor allem kleinen Unternehmen im Rest Europas.

Lohndumping – und nicht anders muss diese Politik genannt werden – ist ebenso schändlich und schädlich wie Steuerdumping.

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

 

P.S.:

Sarah Wagenknecht hat diesen Rekordüberschuss ebenfalls – auf Facebook – kommentiert:

253 Milliarden Euro beträgt der neuste Rekordüberschuss in der deutschen Handelsbilanz. Die Mainstream-Medien übersetzen das mit: unsere Wirtschaft boomt! Ich übersetze es mit: die große Mehrheit der Menschen in unserem Land hat zu wenig Geld in der Tasche! Denn das Problem ist ganz sicher nicht, dass Deutschland international gefragte Autos und Maschinen baut. Das ist gut so. Aber das Problem ist, dass unsere Lohnentwicklung weit hinter der vergleichbarer Länder zurückbleibt und wir eines der schlechtesten Rentensysteme haben, das immer mehr Altersarmut produziert. Deshalb können die Menschen sich viel weniger kaufen, als sie gern würden, und deshalb bleiben unsere Importe so weit hinter den Exporten zurück. Richtig wäre daher statt Privatisierungspolitik, Lohndumping und Rentenklau: Mehr öffentliche Investitionen sowie ein höherer Mindestlohn, ein Austrocknen des riesigen Niedriglohnsektors und höhere Renten!

 

In aller Bescheidenheit – aber ich denk, sie liegt in ihrer Kritk ebenso falsch wie Trump.

Es geht nicht darum, dass die Deutschen mehr importieren.

Mehr Importe bedeuten letztendlich auch weiteres hemmungsloses Wachstum.

Zum Schaden der Umwelt und der angestrebten Nachhaltigkeit bei Energie und Produktion.

Es geht darum, dass es EU-weit (und in weiterer Folge weltweit) faire vergleichbare Wettbewerbsbedingungen gibt. Ohne Lohndumping, ohne Steuerdumping und mit fairen Löhnen für die arbeitenden Menschen.

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