tag der arbeit.

wobei ich mich ja als kleiner bub immer drüber gewundert hab, dass grad am tag der arbeit nicht gearbeitet wird.

schon damals hab ich einige dinge nicht ganz verstanden.

daran hat sich bis heute wenig geändert.

aber das mit dem 1. mai und dem nichtarbeiten versteh ich jetzt.

 

also 1. mai.

ein wichtiger tag für die arbeiterbewegung.

ein historischer tag mit vielen geschichten.

auch vielen persönlichen.

die historischen lass ich hier weg (die sind ganz leicht woanders nachzulesen) und berichte meine kleine geschichte.

 

der 1. mai war was besonderes.

ganz zeitig in der früh aufstehen und das fahrradl schmücken.

mit rotem krepppapier in den speichen.

fahnen mit den drei pfeilen.

und mit roten nelken.

und dann vom brigittaplatz mit ganz vielen leuten in richtung rathausplatz pilgern.

mit der blasmusik der strassenbahner vorneweg.

und während des marsches sind das immer mehr leut geworden.

aus allen richtungen sind grössere und kleinere gruppen gekommen und haben sich angeschlossen.

für mich als kind war das ein ziemlich weiter weg und es hat ewig gedauert, bis wir dann endlich an der riesigen tribüne unter „freundschaft, freundschaft-rufen“ vorbei defilieren konnten.

da sind dann drauf noch der jonas und der marek gestanden, die rote nelke im knopflich und haben mit roten tüchel gewunken.

 

ein ebenso weiter weg wie vom brigittaplatz bis zum rathausplatz für den kleinen buben, ist es für den 1. mai von marek und jonas bis zu kern und doskozil.

sogar die strassenbahnen werden am sonntag so fast ganz normal fahren.

und der grossteil der wiener wird sich nicht für den maiaufmarsch interessieren.

so ein kleiner kurzurlaub in der toscana ist da durchaus möglich.

 

also das mit der toscana betrifft natürlich nicht die mehrheit der wiener.

eher so die bobo-sozis.

die am naschmarkt, karmelitermarkt, yppenmarkt oder kutschkermarkt mit den grünen beim späten frühstück sitzen.

seit gusenbauer in der toscana-fraktion vereint.

(ok – ich geb schon zu, dass ich mich auch gern einmal auf dem yppenmarkt mit einem kaffee in die sonne setz und dass ich die toscana leiwand find.)

 

die mindestsicherungsbezieher, die arbeitslosen, die vielen vielen kleinst- und  mindestpensionisten, die alleinerzieher, die prekär beschäftigten, schlicht all jene die weder zeit noch geld fürs „dolce far niente“ haben, interessiert die rituelle verglorifizierung der verbliebenen reste der einst grossen „arbeiterbewegung“ spö nur mehr am rande. die sorgen um die notwendige marie für die miete, strom und einen vollen eiskasten werden da in keiner weise kleiner.

 

also da täts schon auch noch andere geben, die geld dafür hätten, aber glauben, dass sie keine zeit dafür haben. das sind zwar meist auch arme schweine, aber deren leid ist selbstgewählt, daher zwar auch in gewisser weise gesellschaftlich relevant, aber doch eher nicht im sinne des 1. mai.

 

die frage ist nun, warum die grosse mehrheit jener, die zwar zeit, aber kein geld fürs „süsse nichtstun“ haben, sich nimmer für den 1. mai und die veranstaltung am rathausplatz interessieren.

 

antworten gibts auch da in grosser anzahl und von vielen gscheiten leuten geschrieben.

die werden wohl alle auch damit irgendwie recht haben.

das schauspiel, dass häupl und konsorten um den chefsessel am futtertrog abliefern ist erbärmlich und nur ein weiterer grund für dieses desinteresse.

 

dabei wär eigentlich grad der tag der arbeit eine möglichkeit sich mit den vielen fragen betreffend strukturelle erwerbsarbeit und die sich ändernden bedingungen dieser zu beschäftigen und nach antworten zu suchen.

die arbeitende bevölkerung (und ich schreib jetzt ganz absichtlich nicht arbeiterInnen, denn dieses rollenbild ist angesichts der vielen unterschiedlichen erwerbstätigkeiten längst überholt) erwartet sich mit recht antworten.

und solange von den „angeblich konstruktiven“ regierungsparteien nichts kommt, nämlich auch nicht einmal der versuch einer antwort, dürfen die sich nicht wundern, wenn die einfachen aber grauslichen antworten der hetzer mangels alternativen von teilen dieser menschen als bare münze genommen werden.

 

das einzig positive an dieser entwicklung, ist das entstehende bewusstsein abseits von bestehenden machtstrukturen, dass änderungen in vielerlei hinsicht (demokratie, verteilungsgerechtigkeit, bürgerrechte um nur die wichtigsten zu nennen) notwendig sind.

und so entstehen immer mehr initiativen an diesen änderungen zu arbeiten.

der aufbruch und diem25 zb sind dafür beispiele.

internationale vorbilder von syriza über podemos oder corbyn bis sanders gibts auch.

 

es ist nur zu hoffen, dass der alte spruch:

„es muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird“

nicht stimmt.

es warad eigentlich schon schlimm genug.

 

zwei sachen noch.

der 1. mai ist nicht nur tag der arbeit, sondern auch der tag des bedingungslosen grundeinkommens.

eine der möglichen antworten auf die offenen fragen.

 

und

ich als arbeiterkind mit einer spö-beitrag kassierenden mutter, kreiskyprofiteur, ehemaliger lif- und grünwähler und gestrandeter pirat schliesse mich der kpö an.

ich werd von der albertina zum parlament ziehen.

und dann werd ich mit begeisterung die internationale singen.

z´fleiss sozusagen!

 

in diesem sinne

bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

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