Ein Gastbeitrag von Elisa Ludwig

Ich war bissl laufen am Freitag. Und wäh, wie ich es zZt hasse, dieses Laufen! Diesmal waren’s jedenfalls 7. Sieben Männer, die mir in 30min zuflüsterten, nachschrieen oder entgegen knallten, wie sie mich gerne vergewaltigen, ficken oder ablecken würden.

Man ist als Mädchen* oder Frau* richtig tapfer, bei so ’nem Lauf durch die Stadt. Nicht wegen den „mühsam erarbeiteten“ Schweißperlen, sondern wegen dem tatsächlich hunde-mühsam erarbeiteten Durchhalten derartiger Penysterien*! Tja, so ist das nunmal: Im Patriarchat werden sie halt niemals müde, sich uns trotz aller sog. „Emanzipation“ in ihrer zweifelhaften Herr(sch)lichkeit zu präsentieren.

Auf dem Heimweg – kurz bevor ich in eine tiefe, ebenso konditions- wie sexismusbedingte Ohnmacht fallen sollte – packte ich mein Handy aus, blickte auf die Facebook-Timeline und bemerkte Folgendes: Da wird doch tatsächlich ein richtig (!!) mieser SPÖ-Typ von einem Grünen dabei verteidigt, sein Recht auf Sexismus öffentlich ausleben zu dürfen!

(Götz Schrage muss man wissen, der SPÖ-Typ, der von dem Grünen Volker Plass verteidigt wurde, ist deshalb besonders mies, weil er meine Kolleginnen aus der Sexarbeit auf seiner Facebook-Seite outet. Ganz offensichtlich macht er das, um seine eigene Männlichkeit damit aufzupolieren. Scheinbar fehlt’s da bei ihm selbst irgendwo. Deshalb schmückt er seine Person mit dem hart erarbeiteten sexuellen Kapital meiner Kolleginnen, die sich – ebensowenig wie er – das Publikum seiner Fotos aussuchen können. Dass das extrem gefährlich ist und für Sexarbeiterinnen immer wieder tödlich endet, brauche ich nicht weiter zu erläutern. Und deshalb gibt es kein Pardon für diesen Menschen. Er hat, solange er Frauen dermaßen gefährdet, in so einer Funktion nichts verloren.)

Zurück zu meinem Freitag, der eigentlich so wunderbar begonnen hatte! Noch bevor ich aus dem Haus ging war ich glücklich, die Sonne schien, das Wochenende nahte …

Doch dann: Sieben.
Plus die Scheisse vom Götz.
Plus dem zur Macho-Hilfe eilenden Plass.
Und das, während ich an dem Tag ausnahmsweise mal so schön verdrängt hatte, in einer von Männern dominierten Welt zu leben …

Wütend von den Sieben plus Götz plus Plass geh ich also heim und reiß mir die bescheuerten Lauf-Kleider vom Leib, glücklich darüber, endlich in meiner Ruhezone angekommen zu sein. Doch dann … schon wieder: BÄÄÄMMM

Ein Blick aus dem Fenster und ich sehe ihn. Meinen Nachbarn von Vis-a-Vis, mit einer Kamera in der Hand die auf mich zielt, während er von seinem Fenster aus in meine Wohnung stiert. Mein Nachbar von Vis-a-Vis, der mich seit Wochen (oder Monaten? Oder Jahren?) filmt und gegen den die Polizei „nichts machen kann“, wie sie sagt, weil ja „noch nichts passiert“ sei. Da stehe ich also, zitternd vor Zorn und Verzweiflung, nackt und den Tränen nahe, wehr- und fassungslos. Währenddessen filmt mich ein Fremder. Nichts kann ich machen in diesem Augenblick, nur mich in meiner eigenen Wohnung verstecken, diesen Zustand irgendwie ertragen und hoffen, dass diese Gesellschaft endlich mal aus ihrem Fiebertraum erwacht. Und dabei erinnere ich mich, wie frei ich mich noch fühlte, bevor ich Laufen gegangen bin. Und wie trügerisch diese scheinbare Freiheit war. Denn echt war sie nicht, war sie noch nie, das wird mir spätestens jetzt wieder bewusst.

Tatsächlich – und möge die Eine oder Andere von uns noch so gern in der Verblendung stecken bleiben: Für uns Mädchen* und Frauen* gibt es keine echte Freiheit, keine echte Ruhe vom Patriarchat, keine Auszeit. Wir werden permanent von der Gesellschaft degradiert, von Männern vergewaltigt und von sog. Partnern ermordet, wegen dieses Patriarchats. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Deshalb gibt es für uns, die wir verstanden haben in was für einer Scheisse wir stecken, nur die Verdrängung. Aber – und das ist mir das Wichtigste an diesem Post: Es gibt auch die Kraft, die wir inmitten dieses Wahnsinns aufbringen können, um für unsere Freiheit und gegen unsere Unterdrückung zu kämpfen.

Wie? Zum Beispiel so: Informiert euch über und spendet für das Frauenvolksbegehren. Weil dieser himmelschreiende Irrsinn so einfach nicht mehr weitergehen darf.

*Die PENYSTERIE beschreibt eine neurotische Störung von (Cis-)Männern, die durch labile Affektivität, Impulsivität, mitunter Aggression und immer von einem pathologischen Geltungsdrang charakterisiert ist. Zumeist äußert sie sich durch das wahnhafte Bewerten, Bedrängen und/oder Herabsetzen von (den Männern unbekannten) Mädchen*, Frauen*, Transpersonen und anderen als „schwächer“ stilisierten Personengruppen im öffentlichen Raum.

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