konstantin wecker outet sich „im zentrum“ als linker.

die aufregung auf social media ist gross.

die fanschaft wird ihm aufgekündigt.

als ob sein engagment gegen faschismus, nazis und rechts etwas neues wäre.

dabei ist sein vor 40 (!) jahren veröffentlicher „willy“ ein einziges fanal.

warum da einige plötzlich jetzt erst draufkommen, dass das ein „linker“ ist, versteh ich nicht ganz.

ein grund mehr für mich, nach meiner unpolitischen beschäftigung mit musik, mich dem thema politik in der musik, hintergründe und auch missverständnissen bei interpretation zu widmen.

 

es muss ja nicht gleich die „internationale“ sein.

wobei die hier präsentierte variante durchaus interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

widmen wir uns zuerst den eindeutigen „protestsongs“.

eine kleine (persönliche) auswahl alter und neuer songs.

 

beeindruckend in ihrer performance und in ihrer strikten haltung gegen die unmenschlichkeit des naziregimes marlene dietrich – eine diva im besten sinn des wortes.

we shall overcome – hier in einer version von pete seeger – für mich persönlich ein ganz wichtiger song. war das doch bei den „brigittenauer spatzen“ bei denen ich trotz meiner fehlenden gesangstalente mitsingen durfte/musste (ich transoformierte infolge fehlenden talents vom sängerknaben zum triangelspieler), das einzige englischsprachige lied, dass wir neben mamatschi, dem donauwalzer, dem unvermeidlichen mama für muttertagskonzerte und ähnlichem im programm hatten.

protestsongs ohne his „bobness“ geht eigentlich gar nicht.

weil aber die klassischen varianten zb jene von joan baez, ohnehin jeder kennt, eine relativ neue version.

“I wear the black for the poor and the beaten down, Livin‘ in the hopeless, hungry side of town, I wear it for the prisoner who has long paid for his crime, But is there because he’s a victim of the times.”

no more words to say

noch einer von den ganz grossen und auch ganz eindeutig in seiner botschaft über das recht und die pflicht zur selbstverteidigung – konkret gegen die deutsche besatzung in frankreich – leonard cohen

da passt dann gleich die eher als unpolitisch geltende älteste rockband der welt dazu

und weil wir schon bei den dinosauriern der rockgeschichte sind.

die rockmusik der 70er war alles andere als unpolitisch.

ein musterbeispiel dafür: the who und we won´t get fooled again

We’ll be fighting in the streets 
With our children at our feet 
And the morals that they worship will be gone 
And the men who spurred us on 
Sit in judgment of all wrong 
They decide and the shotgun sings the song 
I’ll tip my hat to the new constitution
Take a bow for the new revolution 
Smile and grin at the change all around 
Pick up my guitar and play 
Just like yesterday 
Then I’ll get on my knees and pray 
We don’t get fooled again 
The change, it had to come 
We knew it all along 
We were liberated from the fold, that’s all 
And the world looks just the same 
And history ain’t changed 
‚Cause the banners, they are flown in the next war
I’ll tip my hat to the new constitution 
Take a bow for the new revolution 

 

pink floyd – hochgelobt und verehrt – reihen sich ebenso ein in den protest gegen autoritäten

das schafft den übergang zur neuzeit.

pink floyd mastermind, roger waters, lieferte auf seiner letzten tourne einen sehr eindeutigen beweis seines politischen standpunkts.

auch die derzeit beste band der welt positioniert sich auf seiten der verfolgten und gegen die überhand nehmende unmenschlichkeit

und ganz aktuell und in der in GB stattgefunden wahl schaffte es der protestsong „liar liar“ sogar auf platz 4 der single-charts.

musikalischen politischen protest gibt es aber selbstverständlich auch im deutschsprachigen bereich.

allen voran die ärzte.

aus dem jahr 1993 und leider aktueller denn je

heiter, lockig flockig aber hintersinnig – und ein hinweis darauf, dass jeder von uns seinen kleinen persönlichen beitrag leisten sollte – wir müssen nur noch kurz die welt retten

einen beitrag über protestsongs in österreich zu schreiben, ohne sigi maron zu erwähnen geht irgendwie gar nicht.

und was spricht den meisten von uns mehr aus der seele als der refrain in der ballade von ana hoaten wochn

die ikone des wiener untergrunds – drahdiwaberl. die band schaffte es 1991 sogar in new york für einen skandal zu sorgen. der live-mitschnitt des legendären konzertes wurde in deutschland sogar verboten.

aber drahdiwaberl führt unmittelbar zu falco.

Was die Ordnung anbelangt,
Hat sich alles, Gott sei Dank,
Fast wie ganz von Selbst ergeben,
Denn die starke Hand siegt eben.
Hält die Märchenwelt zusammen
Und die Räuber sind gefangen, aha.

Und für die Zukunft sei gesagt,
Sicher kommt ‚mal wer und fragt,
Was die Jungwähler so denken.
Über Kräfte, die sie lenken,
Schwere Wolken, Donnerschlag
Und wer sieht sich da jetzt
Auf der Flucht,

und ein ganz aktueller österreichbezug.

die botschaft von conchita beim song-contest

bis hierher alles ziemlich eindeutig.

 

spannend wird’s bei den nun kommenden titeln.

da gibt’s fehlinterpretationen und missverständnisse.

 

ein gutes – deutsches – beispiel für ein solches missverständnis bzw eine fehlinterpretation sind geier sturzflug.

wenn man wollte, konnte man das „bruttosozialprodukt“ leicht als hymne der „leistungsträger“ verstehen, auch wenn das im gegenteil eher als zynische abrechnung mit deutschen tugenden gemeint war.

ein noch prominenterer fall für die vereinnahmung eines als protest verstanden songs durch das establishment ist „born in the usa“ vom „boss“.

springsteen prangert in dem song den vietnamkrieg und das verhalten der usa, speziell den umgang mit vietnam-veteranen an. präsident reagan hat das offensichtlich nicht verstanden und wollte born in the usa als campaign-song für seine wiederwahl einsetzen, worauf springsteen persönlich die verwendung untersagte.

nein frau, weine nicht!

was diesen song so besonders macht, ist – speziell im deutschsprachigen bereich – die titelzeile, die immer wieder vollkommen falsch übersetzt und interpretiert wird.

Es muss ein wehmütiger Abend gewesen sein in Trenchtown, dem Viertel der jamaikanischen Hauptstadt Kingston, das als die Geburtsstätte des Reggae gilt – und das viele Touristen bis heute eher meiden, weil es im Ruf steht, dass dort zwielichtige Gestalten verkehren. Damals, irgendwann Ende der 60er Jahre, saßen der junge Bob Marley und sein Freund Vincent Ford in Trenchtown irgendwo in einem Hof vor einer Suppenküche, in der es kostenloses Essen für hungrige Jugendliche gab. Eigentlich wollten die beiden nur chillen. Aber das, was sie dort dann zu hören bekamen, sollte später zu einem Welthit und einem der bekanntesten Songs des Reggae-Genres überhaupt werden. In einem Haus in der Nähe hatte nämlich ein Paar einen über die Maßen heftigen und lautstarken Streit – der in herzzerreißendem Weinen der Frau endete. Und das wiederum war bis in den Hof hinein zu hören.

So zumindest geht die Legende. Und so war es wohl auch wirklich. Wie auch immer: Marley und Vincent waren davon so bewegt, dass sie noch in derselben Nacht in der Suppenküche – wo Bob Marley angeblich auch das Gitarrespiel gelernt haben soll – für die bemitleidenswerte Frau ein Lied komponierten: „No Woman, No Cry“. 

noch viel bitterer ist der hintergrund des regelmässig zum wochenstart gespielten songs „I don´t like mondays“.  das ist kein unbeschwerter song gegen den wochenanfang mit dem und dem hinweis, dass das nächste wochenende wieder kommt.

dieser song thematisiert den amoklauf der amerikanischen schülerin brenda ann spencer am montag, dem 29. januar 1979. an diesem tag töte die 16jährige in san diego den direktor und den hausmeister einer schule und verletzte einen polizisten und 8 schüler.

auf die frage nach dem warum sagte sie lapidar:

„I don’t like Mondays. This livens up the day.“

zum abschluss dieser liste etwas unpolitisches – aber doch mit einem politisch prägenden bezug.

ein song aus „easy rider“.

gesehen erstmals als 15jähriger in einem kino im wiener prater.

lange rätselte ich um die bedeutung des songtitels von „don´t bogart that joint my friend“

bis nach langer zeit endlich ein waschechter ami meine bildungslücke beseitigen konnte.

It means „don’t let it hang in the corner of your mouth in a humphrey bogart style“

wobei – eine frage bleibt zum schluss noch offen.

gibt es eigentlich abseits vom horst-wessel-lied nennenswerte prononciert rechte musik?

mir fallen da auf die schnelle nur die rednacks von lynyrd skynyrd ein.

 

zum nachlesen:

rock is dead

rock and more

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.