heut in der früh ist wieder einmal was passiert.

(schön langsam frag ich mich wirklich, warum mir hauptsächlich in der früh die eigenartigen sachen passieren)

da steh ich in der filiale einer bäckereikette, um mein obligates frühstückssemmerl zu holen und die einzig anwesende verkaufskraft ist damit beschäftigt den backofen ein- und auszuräumen. vor mir sind schon ein paar leut gestanden und haben gewartet.

und die verkäuferin rührt kein ohrwaschl, kümmert sich um ihre vorbereitungen und die leut warten und warten.

na hab ich also auch eine zeitlang gewartet.

und wie wir da alle so warten, ist es bei den leuten halt immer unruhiger geworden, weil´s nix gekriegt haben.

und dann is es mir halt zu blöd geworden und ich hab zur verkäuferin gemeint, ob sie nicht ganz gschwind da ein paar semmeln hergeben kann, damit wir wartenden uns wieder unserem tagesablauf widmen können. ich wollt ja heim frühstücken und zeitung lesen.

und die wartende in der zwischenzeit auf eine menge angewachsene personengruppe hat miteingestimmt.

na mehr hamma aber nicht gebraucht.

da is es dann herausgebrochen aus der semmelüberreicherin.

wie wir uns dass denn vorstellen? weil das zeugs gehört in den backofen, sonst wirds schlecht. und ausserdem – seit fünf ist sie schon mit dem zeugs beschäftigt. und sie kann ja nicht alles auf einmal machen und sich zersprageln.

und weil da dann natürlich ein wort das andere ergibt, hat das zum schluss damit geendet, dass die verkäuferin in tränen ausgebrochen ist und sowas wie: „ruft´s halt an in der zentrale und beschwert´s euch. ich mag eh nimmer“ gemurmelt hat.

und wie aus gewöhnlich gut informierten kreisen zu erfahren war, trägt sich ähnliches in anderen filiale ebenfalls nahezu deckungsgleich zu.

 

jetzt mag es durchaus sein, dass sich besagte verkäuferin ungeschickt verhalten hat und bei ein bisserl mehr stressresistenz die sachlage in den griff bekommen hätte können.

aber mir hat sie dann echt leid getan.

weil, was kriegt die schon bezahlt für ihren job?

und dafür muss sie dann zu einer zeit aufstehen, wo unsereiner seinen gottgegebenen grant rauslasst, wenn er einmal im jahr zum flughafen muss um so eine zeit.

und die soll dann aber noch ein freundliches lächeln auf den lippen haben und mein grantiges gsicht vertragen.

 

und ganz generell denk ich mir da, dass das ein symptom unserer zeit ist.

der druck auf die kleinen, wehrlosen wird allerorts immer grösser. die müssen mehr leisten und kriegen weniger geld dafür. die müssen für ein paar hundert euro im monat buckeln, damit der gewinn der beteiligten konzerne ein bisserl grösser ist und sich ein paar pensionierte kuponschneider in florida die sonne auf den fetten bauch scheinen lassen können.

und da ist das geld für eine zweite verkäuferin nicht da?

und in anderen branchen ist es genau so!

da wird dem einzelnen immer mehr aufgebürdet und gespart wo´s geht.

und eine zeitlang geht das ja auch.

in manchen bereichen ähnelt ein arbeitsverhältnis immer mehr der modernen sklaverei. und dabei gehts uns noch gut und gewisse soziale mindeststandards werden zumindest ansatzweise eingehalten. was sich woanders auf dieser weiten welt da noch alles abspielt, wollen wir alle miteinander meistens gar nicht wissen.

 

und die moral von dieser gschicht?

gar keine – oder?

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