Wenn man täglich die Zeitung aufschlägt, oder in Radio und Fernsehen Nachrichten verfolgt, müsste man eigentlich glauben, die ganze Welt besteht nur aus Verbrechen. Mord und Totschlag bestimmt unser aller Leben.

Und wenn man den Meldungen unserer Regierung Glauben schenkt, ist gerade Wien der Mittel- und Ausgangspunkt des Grauens an sich.

Eine Zunahme an Straftaten wäre in Wien schon allein auf Grund der stark gestiegenen Bevölkerungszahl statistische Normalität.

 

Tatsache aber ist, dass die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten seit eineinhalb Jahrzehnten zurück geht. Trotz wachsender Bevölkerung.

Die Kriminalitätsrate sinkt!

Gleichzeitig steigt die Aufklärungsquote

Von 27 % im Jahr 2002 auf 38 % im Jahr 2016.

 

Eine weitere Tatsache:

Das österreichische Strafgesetzbuch unterscheidet Delikte im Hinblick auf ihre Schwere nach „Verbrechen“ und „Vergehen“ (§ 17 StGB): Verbrechen sind jene vorsätzlichen Handlungen, die mit lebenslanger oder mit mehr als dreijähriger Freiheitsstrafe bedroht sind. Alle anderen Tatbestände sind Vergehen

Der Anteil der Verbrechen ist nach dem Inkrafttreten der Strafrechtsreform 2016 auf 10 % aller Straftaten gesunken. Dieser Rückgang an „Verbrechen“ zeigt, wie sehr Kriminalität „Definitionssache“ und abhängig von gesellschaftlichen Verabredungen ist.

 

Noch ein interessates Detail:

Ein knappes Drittel (32 %) aller Straftaten erfolgt nach dem Suchmittelgesetz. Mit einer Aufklärunsquote von 91 %.

Mehr als 2/3 dieser Delikte betreffen Cannabis (!).

D.h. mehr als 20 % aller Straftaten auf dem „Suchtmittel“ Cannabis.

Da sollte man sich dann doch ernsthaft fragen, ob die Prioritäten in Gesetzgebung und Strafverfolgung vielleicht falsch sind.

 

Das Thema Kriminalität lässt sich natürlich nicht abhandeln, ohne auch die Frage nach nichtösterreichischen Straftäter*innen zu stellen.

Es zeigt sich, dass die „Tatverdächtigenrate“ seit dem Jahr 2002 sowohl bei In- als auch Ausländern nahezu unverändert ist.

Allerdings liegt die Rate der Nicht-ÖsterreicherInnen deutlich über der der InländerInnen: Sie ist 2016 um den Faktor 2,6 erhöht. Die überproportionale bevölkerungsrelative Zahl an nichtösterreichischen Tatverdächtigen ist somit nichts Neues. Sie hat sich in den letzten Jahren trotz Zuwanderung weder vergrößert noch verkleinert. Dennoch ist sie erklärungsbedürftig. Zumindest teilweise hat sie banale Gründe, die nichts über „kriminelle Neigungen“ aussagen.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor dabei ist, dass in der Bevölkerungsstatistik nur Menschen erfasst sind, die auch hier wohnen. In der Kriminalstatistik allerdings alle ausländischen Straftäter, also auch „Kriminalitätstouristen“ erfasst sind. Es wäre verzerrend, Straftaten bloß vorübergehend in Wien anwesender Personen nicht-österreichischer Nationalität der ausländischen Wohnbevölkerung anzurechnen.

Noch zwei Details:

Aufgrund der kriminalstatistischen Zählregeln können kleine Gruppen von intensiv strafrechtlich auffälligen bzw. häufig kontrollierten Personen, die innerhalb eines Jahres mehrfach (z.B. wegen Suchtmitteldelikten) angezeigt und daher auch mehrfach gezählt werden, die Tatverdächtigenrate ihrer jeweiligen Bevölkerungsgruppe drastisch nach oben treiben.

Und:

Delikte des Fremdenpolizeigesetzes (FPG) werden begreiflicherweise überwiegend von Personen begangen, die nicht dem Staat angehören, in den sie einzuwandern versuchen.

 

Es zeigt sich: die Unterschiede in den Tatverdächtigenraten werden deutlich geringer, wenn mobile fremde Tatverdächtige, die aufgrund ihres Aufenthalts- und Meldestatus nicht zur Wiener Wohnpopulation zu zählen sind, von der Berechnung der „Kriminalitätsbelastung“ der jeweiligen Bevölkerungsteile ausgeschlossen werden.

 

Es stellt sich die Frage, wie die dennoch verbleibende ungleiche Verteilung an tatverdächtigen Personen pro Bevölkerung erklärt werden kann.

Aufgrund der Studienergebnisse liegt es nahe, dass zwischen den Merkmalen Erwerbstätigkeit und Bildung einerseits sowie den Tatverdächtigenraten andererseits ein enger Zusammenhang besteht. Auch wenn die Gründe für kriminelle Verhaltensweisen und das Anzeigen solcher Geschehnisse individuell äußerst vielfältig und komplex sein können, sprechen die Ergebnisse dennoch eine eindeutige Sprache: In Bezug auf die Bevölkerungsteile, die durch die unterschiedlichen Nationalitätengruppen repräsentiert werden, stellen Arbeitslosigkeit und geringere formale Bildung deutliche Risikofaktoren dafür dar, wegen einer Straftat angezeigt zu werden.

 

Aus all diesen Fakten ergibt sich, dass die in der Öffentlichkeit dargestellte „subjektive“ Sicherheit mit der „objektiven“ Sicherheit nicht übereinstimmt.

Interessanterweise dürfte dies auch Innenminister Kickl bewusst sein, sagt er doch in einem Interview nach seinem Amtsantritt:

Ich möchte die Lücke, die es gibt zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl und der objektiven Sicherheit in diesem Land, schließen.

 

Diesbezüglich kommt die Studie zu folgendem Schluss:

Das subjektive Sicherheitsempfinden der Wienerinnen und Wiener hat sich hingegen in der jüngsten Vergangenheit im Vergleich zu einer ungünstigeren Situation gegen Ende der 2010er Jahre verbessert. Im europäischen Vergleich hängt das Ausmaß des Unsicherheitsempfindens nicht von einem objektivierbaren Ausmaß an „Kriminalität“, sondern vom Ausbaugrad des Wohlfahrtsstaates und dem Niveau an Verteilungsgerechtigkeit ab:  

Soziale Sicherheit schützt vor Kriminalitätsfurcht

 

Zurückkommed auf die bereits angeführte Tatsache „Arbeitslosigkeit und geringere formale Bildung stellen deutliche Risikofaktoren dafür dar, wegen einer Straftat angezeigt zu werden“, ist der Schluss angebracht, dass soziale Sicherheit nicht nur vor der Furcht vor Kriminalität, sondern ganz generell die beste Prävention gegen Kriminalität ist.

 

Soziale Sicherheit schützt vor Kriminalität

 

Jene soziale Sicherheit, die von unserer derzeitigen Regierung leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.

Nicht Polizeipferde, Überwachungskameras oder Polizisten in Panzern, sondern der Ausbau eines gerechten, sozialen Staates machen für uns alle das Leben sicherer und lebenswerter.

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

nachtrag mit einigen persönlichen gedanken.

mit der absicherung des wirtschaftsstandortes österreich werden uns allerhand grauslichkeiten aufs auge gedrückt. die 3. piste am flughafen, der lobautunnel oder dubiose steuererleichterungen für unternehmen. auch die notwendigkeit eines schlanken staates gehört da dazu.

jetzt stellt sich mir die frage, ob dies wirklich jene anreize sind, die für in- oder ausländische investoren (arbeitgeber/unternehmer) die entscheidenden faktoren sind. oder ob nicht die öffentliche und soziale sicherheit in österreich das grösste asset in unserem land sind.

hohe lebensqualität, niederige kriminalität, geringe streikstunden, also sogenannte soft facts, spielen dabei meines erachtens eine entscheidende rolle.

vor allem „in a long run“.

 

die derzeitige „reformregierung“ handelt also nicht nur unsozial, sondern auch wirtschaftlich falsch um kurzfristig lorbeeren zu ernten.

ausbaden werden diese fehler wir alle.

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