ich hab selten soviel dummes zeugs über sport und sportler gelesen, wie nach dem ausscheiden der deutschen nationalmannschaft bei der aktuellen fussballweltmeisterschaft.

 

das ausscheiden der amtierenden weltmeister in der vorrunde war in den letzten jahren nicht die grosse ausnahme, sondern sozusagen die regel.

2002 erwischte es frankreich

2010 italien und

2014 spanien.

nur brasilien schaffte es im jahr 2006 als weltmeister ins viertelfinale.

 

hier wird also etwas zur sensation hochgeschauckelt, was gar keine ist, sondern normalität.

 

der oftmalige weltmeister italien hat es nicht einmal bis zur wm geschafft. ebenso die traditionsreiche fussballnation niederlande.

 

von den über 80 mio deutschen fühlen sich mindestens 60 mio zum teamchef berufen. bei uns in österreich ist das verhältnis ähnlich. der unterschied liegt auch nur in der erwartungshaltung.

die häme, die jetzt von journalisten und enttäuschten fans angesichts der „blamage“ über spieler und trainer ausgeschüttet werden, ist nicht enden wollend.

vor vier jahren noch die unbezwingbaren deutschen helden sind die spieler heute landesverräter.

 

das verhältnis der österreicher zur deutschen fussballnationalmannschaft ist ohnehin ein ganz besonderes. zurückzuführen auf die niederlage als favorisierte mannschaft gegen den damaligen „underdog“ im halbfinale 1954. cordoba ist dafür nur eine sehr magere entschädigung.

und natürlich spielt da der david-goliath-effekt auch eine rolle.

österreichs fussballfans scheinen sich über eine niederlage deutschlands mehr zu freuen, als über die eigene siegreiche mannschaft.

 

aber es geht ohnehin in keiner weise um fachliche analyse oder kompetenz.

wie auch.

wirklich auskennen tun sich die wenigsten.

 

von der couch aus mit dem bier in der hand und der schüssel chips vor der nase lässt es sich eben leicht gscheid und supergut sein.

da lässt sich jeder sprint gegen den gegenspieler ganz locker gewinnen, bei jeder grätsche wird perfekt der ball gespielt und jeder schuss landet natürlich im kreuzeck.

 

dabei gibt es durchaus viel zu kritisieren am modern fussball. die undurchsichtige geschäftemacherei von FIFA und UEFA. die korruption bei der vergabe von grossen turnieren. die eigenartige praxis grosser europäischer vereine im umgang mit dem nachwuchs. und und und

fussball hat die rolle der gladiatorenkämpfe des alten rom übernommen.

 

davon sind natürlich auch spieler und trainer betroffen.

und ja, es ist unanständig viel geld auch bei spielern „im spiel“.

222 millionen euro für einen spieler zu bezahlen (noch dazu für einen, der so leicht umfällt wie kaum ein anderer) ist angesichts verhungernder kinder zynisch.

 

den spielern selbst ist dabei aber wohl der geringste vorwurf zu machen.

ich kenne zwar keinen der aktuellen stars persönlich, trau mich aber zu behaupten, dass keiner von diesen spielern wegen des geldes fussball spielt.

der finanzielle anreiz allein macht ganz sicher aus einem talent keinen grossartigen sportler.

um im heutigen fussball zu bestehen, bedarf es neben vorhandenem talent viel disziplin und hartes training.

diesen spielern wird ein psychischer und physischer einsatz abverlangt, den sich der fan nicht im entferntesten vorstellen kann. und den er auch nicht für das viele geld bereit wäre zu leisten.

und schon gar nicht jene, die übergewichtig im trainingsanzug vor dem fernseher lümmeln und sich bei einem fehlpass mit beschimpfungen lautstark luft verschaffen.

keiner dieser spieler verliert gerne oder gar absichtlich.

auch kein özil, hummels oder gar neuer.

 

richtig peinlich wird es allerdings, wenn dann zum normalen „fantum“ auch noch der überhöhte nationalstolz dazu kommt. wenn politische motive oder fehlende leidenschaft kritisiert werden. wenn das mitsingen bei der nationalhymne als fehlende motivation angekreidet wird. oder wenn gar – wie gelesen – die fehlenden nationalfarben am trikot als grund für die niederlage angeführt wird. viel dümmer geht es wirklich nicht. und es ist auch faktisch falsch.

die nationalfarben schwarz-rot-gold gab weder am trikot der weltmeister 2014, noch am trikot 1974.

und jetzt plötzlich soll das ein grund für das ausscheiden sein?

da werden aus dem ausscheiden der deutschen nationalmannschaft krudeste verschwörungstheorien gebastelt.

da wird dann auch, weil das jetzt „die mannschaft“ heisst (im übrigen werden nationalmannschaften in fast allen ländern  nicht als nationalmannschaft betitelt, sondern heissen zb squadra azzurra, three lions oder furia roja) als grund für das ausscheiden vermutet. oder es wird gar eine anordnung der EU vermutet, um den „vereinigten staaten von europa“ vorschub zu leisten.

 

dabei gibt es durchaus auch positive beispiele. die fankultur der iren ist legendär. die isländer haben vorgemacht, wie man auch mit anstand die eigene mannschaft unterstützen kann.

 

ganz besonders peinlich ist es, wenn es österreicher sind, die sich darüber aufregen, dass die deutsche mannschaft nicht mit ausreichend nationalstolz gesegnet ist. österreicher, die sich als bessere deutsche fühlen? hatten wir das nicht schon einmal?

 

zum schluss noch eine persönliche bemerkung.

ich weiss es zwar nicht genau, aber ich vermute, dass keiner dieser kritiker auch nur im entferntesten je in die lage gekommen ist, ein trikot einer nationalmannschaft zu tragen. zu wissen, wie sich das anfühlt den bundesadler auf der brust zu tragen, hinter der fahne zu gehen und die bundeshymne zu hören oder mitzusingen.

da braucht es dann keine extraportion nationalbewusstsein, um eine extraportion motivation zu fühlen. eine nominierung in eine nationalmannschaft ist immer das höchste ziel eines sportlers. eine anerkennung der eigenen erbrachten sportlichen leistung. man darf sich zu den besten zählen. und da spielt auch geld keine wie immer geartete rolle.

aus eigener erfahrung weiss ich, wie sich das anfühlt. bei zwei weltmeisterschaften und einigen europameisterschaften. als trainer sogar für österreich und eine andere nation.

schlechte leistungen bei grossen wettkämpfen können unterschiedlichste gründe haben.

ich würde mir nie anmassen, von aussen, ohne nähere informationen, zu beurteilen, was schief gegangen ist.

aber eines weiss ich ganz genau – politik spielt da mit sicherheit keine rolle. aber so überhaupt nicht!

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