um diese zeit sind meistens nur ganz wenige menschen auf den strassen. da und dort einer der die übriggebliebenen reste der letzten nacht beseitigt.

manchmal sind diese menschen, so wie zu hause, deutlich sichtbar in orange gekleidet. dieser hier aber in vornehmes dunkelblau. ganz langsam, so langsam, wie das tageslicht besitz von der stadt ergreift, kehrt er mit seinem besen die abfälle auf einen haufen. nahezu akribisch widmet er sich auch dem kleinsten stück papier.

auf der anderen seite der strasse ein park. eine spaziergängerin, die ihrem hund die möglichkeit eröffnet seine verrichtungen zu vollführen. ganz vereinzelt ziehen läufer im dahinter liegenden grün ihre runden.

ich geh weiter richtung zentrum.

der geruch von frischem gebäck.

bei einer kleinen bäckerei werden gerade die rollläden hochgeschoben.

schön langsam wird es immer heller und der verkehr wird dichter.

die menschen auf den strassen werden immer mehr und die gemächlichkeit entschwindet wie das morgengrauen.

ich such mir eine kleine bar abseits der hauptstrasse.

die möblage stammt noch aus den siebzigern. die kaffeemaschine auch.

hinter der bar steht ein etwa siebzigjähriger mit grauen haaren, scharf geschnittenem gesicht und hackennase.

ausser mir sitzen noch zwei männer in der bar. mindestens genau so alt, wie der hinter der bar.

ich liebe es einer stadt beim erwachen zuzusehen.

mindestens genau so sehr, wie einer frau nach einer schönen nacht.

diese augenblicke vom seeligen, unschuldigen schlummern bis zum wirklichen wach sein, üben einen besonderen reiz auf mich aus.

ich bestelle mir einen cordado.

ich sitze in barcelona.

 

so könnte ein reisebericht von mir aus barcelona anfangen.

weil da war ich unlängst.

und ich muss euch sagen, spanien ist in ordnung.

da kann ich mit dem euro bezahlen.

die fahren auf der richtigen seite.

das essen ist geniessbar ohne danach eine dusche nehmen zu müssen.

der kaffee – in dem fall ein cordado – ist ausgezeichnet.

im fernsehen läuft fussball statt cricket.

und die frauen sind ein durchaus erfreulicher anblick.

 

natürlich hab ich auch den touristischen teil hinter mich gebracht.

ich war im hafen, hab die kathedrale gesehen, die familia sagrala und bin die ramblas raufgeschoben worden. weil von gehen oder gar schlendern kann keine rede sein. touristen vor mir, hinter mir, neben mir, nur ober mir grad nicht. bei unter mir bin ich mir da schon wieder nicht so sicher. kaum ein spanisches wort.

war sozusagen die kulturelle pflichtübung.

und im cafe zürich – angeblich der hotspot of town – bin ich auch gesessen. bei sonnenschein und angenehmen temperaturen.

da sitzen sie dann alle. die schönen, die reichen, die schicki-mickis, die adabeis.

und vorm cafe spucken die subwaystationen die leute aus. hektik pur.

eine zeitlang halt ich das ja aus.

aber halt nur eine zeitlang.

bin ich schon zu alt für sowas?

jedenfalls hab ich mich dann wieder in einen ruhigeren stadtteil zurückgezogen. nur spanier. ausser dem kellner in dem von mir bevorzugten strassencafe. der war aus polen.

und da sitz ich dann, schlürf einen oder mehrere kaffees, rauch eine oder mehrere zigaretten und schau den spaniern beim leben zu.

und da leb ich dann auch.

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