sieben uhr und vier minuten:

 

dunkelheit umhüllt den raum, schützend wie ein warmer fäustling die finger vor dem erfrieren in eisiger kälte. die stille gleicht der vorstellung von der unendlichkeit des weltalls. nur die, in dem raum befindlichen lebewesen vermögen mit ihrem atem dieser vereinigung von nicht vorhandenem licht und ausbleibenden geräuschen einen hauch des irdischen verleihen.

 

 

sieben uhr und fünf minuten:

 

donnernder lärm bricht aus dem nichts in diese idylle des friedens. wie ein orkan erhebt sich ein sturm von bohrenden und hämmernden geräuschen und versetzt die, diesem lärm ausgesetzten, in panik und schrecken. der eindruck des nahenden weltunterganges läßt sich nicht vermeiden. die häßlichen reiter der apokalypse nehmen gestalt an und donnern auf überdimensionalen rössern durch die schlafstatt des anwesenden menschen.

 

 

sieben uhr fünf minuten und fünf sekunden:

 

zwischen nahendem wahnsinn und spärlich vorhandener realität erkennt dieser mensch mit zunehmendem bewußtsein den ihn umgebenden dunklen raum als den teil seiner behausung, der von ihm gemeinhin zum ruhen und schlafen nutzung findet. trotz rasendem herzschlag und ihn blitzartig überkommenden schweißattacken nimmt er dann doch wahr, dass das schlachtfeld des vermeintlich ihn überfallenden vaters aller kriege, nichts weiter als die schlafstätte ist, an der er allabendlich sein haupt zur ruhe bettet.

 

 

sieben uhr fünf minuten und zehn sekunden:

 

ganz langsam beginnt der körper des, durch diesen lärm an den jüngsten tag gemahnten, in angst und schrecken versetzten lebewesens, seine normalen lebenserhaltenden tätigkeiten wieder in geregelte bahnen zu lenken und es so dem dazugehörigen denkapparat zu ermöglichen die ursachen der auf ihn hereinbrechenden schallwellen, die nicht nur die dafür vorgesehnen sinnesorgane überbeanspruchen, sondern seine ganzheit in ein zittern versetzen, zu orten.

 

 

sieben uhr fünf minuten und elf sekunden:

 

die ohrenbetäubende geräuschkulisse tobt hinter dem, ihn von der aussenwelt trennenden gemäuer, das seinen lebensraum umgrenzt und schutz vor wind und wetter bildet. die überirdische dimension der lärmentwicklung läßt ausser der assoziation zum jüngsten gericht nur noch den schluss zu, dass bewohner ferner galaxien der durch übereifrige wissenschaften ausgesprochenen einladung zum besuch unseres planeten nachgekommen sind und genau in diesem augenblick auf der erde landen.

 

 

sieben uhr fünf minuten und fünfzehn sekunden:

 

das durch die gehirntätigkeit einsetzende erinnerungsvermögen ermöglicht in weiterer folge eine realistische bestandaufnahme der ablaufenden ereignisse und einen blick auf die tatsache, dass nicht extraterrastrische gelandet sind, sondern ganz banal im angrenzenden gebäude arbeitende menschen ihr tageswerk aufgenommen haben. dieses besteht seit einiger zeit aus der renovierung dieses alten biedermaierhauses und bedarf des manchen auch des einsatzes schwerer maschinen, die dann zwangsläufig töne über zimmerlautstärke verursachen.

 

 

sieben uhr fünf minuten und zwanzig sekunden:

 

in einer kaum erwarteten unterbrechung des vermeintlich neben ihm im bett stehenden bauarbeiters mit dem presslufthammer, sammelt der gepeinigte mensch nun alle, ihm nach diesem phopie verursachenden horrorszenarios, zur verfügung stehenden verbliebenen kräfte, erhebt sich und verläßt den, vormals dem paradies gleichenden, ort seines nächtlichen schlafes und nimmt demütig die weiteren mühen und pein des alltäglichen lebensablaufes auf sich.

 

und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er noch heute.

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