Dieses Marx-Zitat (Karl und nicht Groucho – von dem ist das vielleicht ebenfalls passende Zitat: Ich will keinem Verein angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde.) ist in vielerlei Hinsicht sehr aktuell.

Religion(en) werden zunehmend wieder verstärkt genutzt um Menschen zu manipulieren. Für die einen dient Religion um „das Volk“ zu befrieden und ruhig zu stellen, für andere ist Religion das bevorzugte Mittel ihrer Wahl um zu separieren, Unfrieden zu stiften und hetzen.

Und das gilt ausnahmslos für alle monotheistischen Religionen.

Da gibt’s die orthodoxen Juden, die durch ihre Siedlungspolitik eine vernünftige Lösung des Nahost-Konflikts verhindern, polnische Radikal-Katholen, die mit ihrem Gesellschaftsbild hinter die Aufklärung, womöglich bis zur Hexenverbrennung zurück wollen und hirnverbrannte Djihadisten, die mordend Schrecken verbreiten und auf 27 Jungfrauen als Belohnung dafür warten.

Historische Zusammenhänge hab ich hier ganz bewusst weggelassen. Falls jemand dieses Bedürfnis hat, kann er das hier filmisch befriedigen.

 

Aber schauen wir uns erst einmal an, was genau Marx schreibt:

Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Societät. Dieser Staat, diese Societät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr encyklopädisches Compendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammerthales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“

– Karl Marx: Einleitung zu Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie; 1844

 

Das hier soll jedenfalls keine philosophische Abhandlung darüber werden, ob es Gott gibt, ob er oder sie tot ist und wie lange noch?

(Böse Stimmen behaupten, Gott ist tot – zumindest noch bis morgen – aber angeblich vertschüsst er sich nach der Auferstehung aber auch gleich auf Nimmerwiedersehen.)

 

Gott (bzw. Religion) ist nichts weiter, als ein Nebenprodukt meiner Gehirntätigkeit.

Oder, wie der dänische Neurobiologe Lone Frank sagt: Das Heilige liegt zwischen den Ohren. Und A.Newberg schreibt: „Der gedachte Gott

 

Religion und die dazugehörigen Regeln werden dementsprechend also immer von Menschenhand geschaffen. Nach zeitlichen, kulturellen, regionalen, wirtschaftlichen und machtpolitischen  Bedürfnissen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung.

 

Wie zb die 10 Gebote, durch deren „göttliche Anordnung“ die Legitimation und Durchsetzung erreicht werden sollte und auch wurde.

Und das scheint vor vielen tausend Jahren ebenso zu funktionieren wie heute. Eine fiktive, höhere, belohnende oder strafende Gottheit wird von Vertretern des „Bodenpersonals“ dargestellt, um eigene machtpolitische und oft auch finanziellen Interesse zu legitimieren und durchzusetzen. Sehr oft mit dem gewünschten Ergebnis.

Besondere Aufmerksamkeit sollten dabei die sogenannten buch- und regelhörigen bekommen.

Also jene, die die „heiligen Schriften“ (Tora, Bibel, Koran) auf Beistrich und Punkt wortwörtlich ohne Hinterfragen für bare Münze nehmen.

 

Ein Beispiel dafür ist z.B. das „Schweinefleischverbot“ im Judentum und im Islam.

Wieso die Tora und der Koran ausgerechnet das Schwein verbieten, wissen sogar die meisten Gläubigen nicht.

Als Allesfresser konkurriert das Schwein in Zeiten der Not mit dem Menschen um Nahrung. Weil es außerdem keine Milch geben, keinen Pflug ziehen und niemand auf ihm reiten kann, nützt das Schwein wenig. Laut dem amerikanischen Anthropologen Marvin Harris verzichteten die Israeliten im Altertum deshalb schon vor dem Verbot auf die Schweinezucht.

Nur wenige gläubige Menschen kennen den Hintergrund oder die Entstehung ihres Nahrungsgebots. Aise Aikova von der Islamischen Gesellschaft Milli Görüs erklärt, dass „es ein eindeutiges Verbot im Koran ist und deswegen die Hintergründe auch nicht groß hinterfragt werden. Das ist auch Sinn und Zweck der Religiosität.“ Ähnlich sieht das der Münchener Judaist Korbinian Spann: „Den Ursprung der Nahrungsgebote kennt keiner so genau. Im Prinzip befolgt man sie, weil es einfach so ist.“

Es gibt also keinen vernünftigen Grund mehr für das Verbot von Schweinefleisch. Ausser, eben dem Gebot der Religion Folge zu leisten.

Auch, wenn sich jeder vernünftige Grund dafür schon seit Jahrhunderten erübrigt hat.

 

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie einengend Religion ist, wenn verlangt wird, dass Handlungen die vor vielen Jahrhunderten oder -tausenden sinnvoll waren, heutzutage aber nur mehr bedingungsloser Gehorsam sind.

 

Jetzt ist es ja so, dass seit der Aufklärung die Zahl jener Menschen, die unhinterfragt und bedingungslos glauben, in unseren Breitegraden kontinuierlich geringer wird.

Aktuell glauben an Gottes Allmacht noch 39 Prozent, an die Auferstehung Christi, die zu Ostern gefeiert wird, glaubt nur jeder Fünfte.

Gleichzeitig glauben aber immerhin 72 % an gutes Karma.

Da ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn sich ein derartiger Wandel auch bei Politikern vollzogen hat.

So ist zb unsere neue Wirtschaftsministerin (und besonders pikant auch Wissenschaftsministerin)  Humanenergetikerin (da sind unter anderem Anwendungen mit Lichtquellen, Aromastoffen, Edelsteinen oder auch Interpretation der Aura aufgelistet) und der stellvertretende ÖVP-Obmann „Lebensraum-Consulter“. In energetischen „Fachkreisen“ versteht man darunter eine „lebensraumbezogene Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen beziehungsweise energetischen Ausgewogenheit“. Die sogenannte Radiästhesie soll wiederum die Wahrnehmung von Strahlungen natürlichen oder technischen Ursprungs sein, als Werkzeug dazu dienen Wünschelruten oder Pendel.

 

Dass unser GRÖVAZ einer „Mystikerin“ vertraut, überrascht dann da nicht mehr sonderlich.

Magierin aus Niederösterreich sollte Schutz und Hilfe im In- und Ausland gewähren.

 

Umso überraschender ist dann die riesengrosse Aufregung um die Auftragsvergabe an einen „Bewusstseinsforscher“ zur „Verlegung eines Schutzrings, der verhindert, dass negative Energien des Umfelds Einfluss auf das Haus und die Menschen nehmen“ um das KH Nord.

Ganz offensichtlich gibt es also beim Bekanntwerden von „Energetischen Einflüssen und Esoterik“ auf staatliche Ausgaben doch erhebliche Bedenken.

Diese gibt es ganz offensichtlich nicht (in diesem Ausmass), wenn es sich um eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft handelt.

So kosten dem Steuerzahler z.B. Förderungen und Steuernachlässe an die röm.kath. Kirche jährlich etwa 1 Milliarde Euro.

Das im Jahr 1934 unter Herrschaft des Austrofaschismus geschlossene Konkordat hat immer noch Gültigkeit und sichert der vom Vatikan vertretenen Kirche eine Unmenge an (ungerechtfertigten!)  Privilegien.

 

Die angebliche Trennung von Staat und Kirche ist in Österreich bei weitem weniger vollzogen, als in anderen europäischen Ländern.

Ein, wenn auch nicht wirklich wichtiges, Beispiel für diese unheilige Verquickung zwischen Gesellschaft und Religion sind die unterschiedlichsten, abstrusen Veranstaltungsvorschriften am Karfreitag und zu Ostern. So sind etwa Kinoaufführungen  verboten, aber Peep-Shows erlaubt.

Übrigens gilt das auch für Deutschland, wie ein von der Partei aufgezeigtes skurilles Beispiel zeigt:

„Wir danken Stadt wie Kirche, dass sie dadurch aufzeigen, dass wir immer noch in Zeiten leben, in denen Christen ihren nicht-christlichen Mitmenschen ihren Willen aufzwingen können statt den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen“, sagen der PARTEI-Landesvorsitzende Sebastian Evelyn Beuth sowie PARTEI-Kreisvorsitzender Stefan Butz.

 

Wesentlich bedenklicher wird es, wenn sich geistliche Würdenträger wie Kardinal Schönborn in Realpolitische Entscheidungen einmischen (wie seine Unterstützung der Steuerpolitik von Schwarz/Blau) oder wenn der Boulevard „christliche Werte“ verbreitet, wie geschehen in der Krone Bunt bei einem Interview des „Theologen und Mediziners“ Johannes Huber und dem Schmieranten und Möchte-Gern-Verfassungsrichtes Tassiolo Wallentin.

Da wird dann schon einmal historische Geschichtsklitterung betrieben und bedauert, dass die Regierenden der EU nicht einsehen, dass wir Europäer dem Christentum extrem viel zu verdanken haben. Das mag ja sein, aber dafür die fehlende historische Kompetenz als Argument anzuführen erscheint eigenartig. Zur Erinnerung: da wären die Kreuzzüge, der 30jährige Krieg, die Hexenverbrennungen, die Inquisition usw. usw.

Das ist übrigens jener Mediziner, der ernsthaft behauptet: Wer als Frau häufig den Sexualpartner wechselt, geht ein gesundheitliches Risiko ein. Das schreibt der Gynäkologe Johannes Huber  –  Jede weitere Diskussion erscheint danach überflüssig.

 

Vorherrschend in der öffentlichen Diskussion ist aber nicht diese versuchte und auch oft stattfindende Missionierung und Beeinflussung durch die Katholen, sondern die Angst vor der Islamisierung unserer Gesellschaft. Einhergehend mit der Forderung, religiöse islamische Symbole, muslimische Kindergärten oder andere Bildungseinrichtungen zu verbieten usw.

 

Grosse Teile unserer Gesellschaft wären also bereit die Religionsfreiheit einzuschränken.

Aber nicht generell, sondern nur für den Islam. Allen Vorurteilen gerecht werdend.

 

Jetzt ist Österreich kein laizistischer Staat. Da ist das Konkordat vor. Man könnte den feinen aber entscheidenden Unterschied in der Säkularisierung der österreichischen Gesellschaft sehen.

 

Ein erster Schritt zu mehr Laizismus muss und sollte in den Bildungseinrichtungen erfolgen.

Eine immer wieder geführte Diskussion geht um den Religionsunterricht in Schulen. Im Jahr 2012 legte die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied ein Konzept vor. Der Streit schwillt aber schon länger und kommt auch immer wieder zum Vorschein.

Vor allem NEOS und Grüne setzen sich für eine Ablösung des Religionsunterrichts durch einen Ethikunterricht ein. Der NEOS-Chef vertritt die radikalste Position: „Wir brauchen in einer immer fragmentierteren Gesellschaft, in der zunehmend auch die Aufklärung in Gefahr ist, das Fach ‚Ethik und Religionen‘ für alle verpflichtend, und zwar ab der ersten Klasse. Das ist kein Luxusfach, sondern essenziell. Der kritisch-hinterfragende Geist muss auch geschult werden.“ Und was passiert mit dem Religionsunterricht? Ist eine „Privatsache“ wie Religion an sich, sagt Strolz, der seine „Wertschätzung für Religionen“ betont, aber: „Die Trennung von Kirche und Staat ist wichtig. Die Schulen sollen Infrastruktur zur Verfügung stellen für Religionsunterricht, aber der Staat soll das nicht zahlen. Das ist Aufgabe der Religionsgemeinschaften, die müssen selbst zahlen“.

 

Einen Schritt weiter gehen bereits die Schweden.

So fordern die schwedischen Sozialdemokraten nicht nur eine Abkehr vom Religionsunterricht, sondern generell ein Verbot religiöser Schulen.

Schwedens Bildungsministerin: „In unseren Schulen sollten Lehrer und Direktoren die Entscheidungen treffen, nicht Priester und Imame“

 

Ich vermute, den Teil mit den Imamen würde der Grossteil der österreichischen Bevölkerung unterschreiben und unterstützen. Den mit den Priester wahrscheinlich sehr viel weniger.

 

Damit wiederholt sich hier am Ende dieses Blogs, was ganz am Anfang steht. Religion dient auch dazu zu spalten und Unfrieden zu stiften.

Und das hat überhaupt nichts mit der Frage ob Gott tot ist, ob er eine Frau oder ein Mann ist, ob er schwarz oder weiss ist, oder ob es ihn/sie überhaupt gibt, zu tun.

 

Religion ist ein von Menschen geschaffens Konstrukt, dass auch ganz gut ohne Gott auskommt.

2 thoughts on “Religion – das Opium des Volkes

  1. Sehr kluger Beitrag – bravo! In diese Richtung publiziert auch Victoria Rationi – „Religionsparabel“ – „Religiophobia“ … nur so als Tipp

    Georg

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