Die FPÖ hat sich ein Privatdenkmal geleistet.

Voll der Ungereimtheiten und Peinlichkeiten.

Doch dazu später.

 

Schauen wir uns doch erst an, wer da mit einem Denkmal geehrt wird.

Die Trümmerfrauen

 

Selbstlos und tatkräftig räumten die Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg den Schutt weg und bauten die deutschen Städte wieder auf – so will es diese Urban Legend.

 

Richtig ist:

Frauen räumten nur einen Bruchteil der Trümmer, den Großteil erledigten Männer und Maschinen. Die Frauen machten das nicht freiwillig, und es waren auch nur sehr wenige von ihnen, vor allem in Berlin und in der sowjetischen Besatzungszone damit beschäftigt.

Trümmerräumung war eine hoch stigmatisierte Arbeit, eine Strafarbeit, denn in der NS-Zeit waren Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge dazu gezwungen worden, und nach dem Krieg hatten deutsche Stadtverwaltungen und alliierte Besatzungsmächte dieses System der Trümmerräumung als Strafarbeit zunächst nahtlos übernommen. Es wurden NSDAP-Mitglieder und deutsche Kriegsgefangene eingesetzt. Später suchte man Freiwillige – Männer und wenige Frauen – und verpflichtete Arbeitslose zum Einsatz. Sie erhielten bessere Lebensmittelkarten. Sie wurden nur regional begrenzt und in einem kurzen Zeitraum 1945/46 eingesetzt. 

 

Ein besonders pikantes Detail ist, angesichts des Frauenbildes der denkmalstiftenden FPÖ, der eigentliche Ursprung des Mythos.

Das Bild der Trümmerfrau wurde rasch für politische Zwecke genutzt. Von Anfang an wurde die Trümmerfrau in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) zu einer positiven Identifikationsfigur des sich im Aufbau befindlichen sozialistischen Staates stilisiert: Sie wurde zu einer Vorreiterin der Gleichberechtigung, zu einem Prototyp der neuen sozialistischen Frau. Ihr vermeintlich freiwilliges Anpacken bei der Trümmerbeseitigung wurde als emanzipatorische Tat gedeutet, die wiederum ihre Leidenschaft für die Lohnarbeit, ganz besonders aber für die Arbeit auf dem Bau geweckt hätte. Ganz selbstverständlich – so suggeriert es die Berichterstattung – ließ sich die ungelernte Bauhilfsarbeiterin daher zur vollwertigen Bauhandwerkerin umschulen. Das in der SBZ bereits früh verfolgte Ziel, Frauen in klassische Männerberufe einzugliedern, um so den Arbeitskräftemangel in diesen Berufen auszugleichen, ließ sich über die Figur der Trümmerfrau perfekt transportieren.

Dieses, bereits Ende der 1940er Jahre entworfene Bild, das konform mit der Frauenpolitik in der SBZ beziehungsweise DDR entwickelt wurde, beeinflusste die Erinnerung in der DDR nachhaltig. Das Narrativ von der Trümmerfrau, die den Grundstein für die Gleichberechtigung der Frau legte und aus der die neue sozialistische Frau hervorging, wurde gerade in den 1950er Jahren gebetsmühlenartig wiederholt. Dies ist insofern wenig verwunderlich, da in diesem Jahrzehnt die frauenpolitischen Weichen in der DDR gestellt wurden. Die Frauen mussten auf die ihnen nun zugedachte Rolle der Erwerbstätigen eingestimmt werden. Positive Identitätsfiguren wie die Trümmerfrau waren dafür nur allzu hilfreich. 

In der DDR war die Trümmerfrau als Vorbild für die neue sozialistische Frau und ihre unbändige Arbeitsmoral von Anfang an positiv aufgeladen worden. Der Topos von der Grundsteinlegerin für die Gleichberechtigung blieb bis in die 1980er Jahre ein elementarer Bestandteil der Nachkriegserinnerung. Dieses Bild wurde über die Jahre weiter ausgestaltet und ausgeschmückt, sodass sie ab den 1960er Jahren auch zur Erbauerin des Sozialismus wurde.

 

Was bei all dem ausblieb, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Mütter- und Großmüttergeneration und deren Rolle im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit. Die deutsche Frau wird einerseits als Opfer des Krieges und andererseits als Heldin des Wiederaufbaus dargestellt. Eine kritische Verortung der Frauen im NS-System fand und findet hingegen nicht statt.

 

Unbestritten ist aber, dass es hauptsächlich Frauen waren, die im Nachkriegsösterreich das Überleben der meisten Familien sicherte. Zwangsläufig.

Nach Kriegsende waren 61 Prozent der Einwohner Wiens Frauen und nur 39 Prozent Männer. Frauen haben „die Überlebensarbeit gemacht“ – aber dabei ging es mehr um den Schwarzmarkt und um Tauschhandel.

In der Nachkriegsgesellschaft trug die weibliche Arbeits­leistung entscheidend zum raschen Wieder­aufbau der österreichischen Wirtschaft bei. Frauen hatten einen maßgeblichen Anteil am Gelingen der Inves­titions­politik des European Recovery Program (bekannt als Marshall-Plan). Diese Politik setzte die unbe­zahlte Haus- und Familien­arbeit, die sparsame Haus­halts­führung und die billige Erwerb­sarbeit, die Frauen leis­teten, voraus.

Nachdem die Männer aus dem Krieg beziehungs­­weise der Kriegs­­gefangen­­schaft heim­­gekehrt waren, wurden die Frauen wieder in ihre traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter zurückgedrängt. Im Jahr 1951 lag der Anteil der arbeitenden Frauen etwa bei 35 Prozent.

Statt zu einer breiten Gesell­schafts­veränderung und tatsäch­lichen Gesellschaftsveränderung kam es zu einer Wieder­her­stellung der gesell­schaft­lichen Verhält­nisse und konservativer Geschlechtervorstellungen, in denen die Frau eine untergeordnete Rolle einnahm.

 

Womit wir wieder bei der Realität und dem aktuellen Weltbild der FPÖ angekommen wären

Abgesehen davon, dass mit diesem Denkmal ein nicht der Realität entsprechender Mythos gepflogen wird, soll hier wieder emotionalisiert und in Richtung Blut, Boden, Vaterland und Ehre heroisiert werden.

Dem Geschichtsbild der FPÖ entspreched bekommen zu Aufräumarbeiten zwangsverpflichtede Nazifrauen ein Denkmal, Wehrdienstverweigerer wie Jägerstätter werden als Verräter gebrandmarkt und KZ-Insassen als Landplage bezeichnet.

 

Bald wird wohl auch ein Denkmal für Mutterkreuz-Inhaberinnen eingefordert werden.

 

Schon fordern auch die Grazer Blauen ein „Trümmerfrauen-Denkmal“.

Der zuständige Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) lässt die Blauen im Gespräch mit dem STANDARD abblitzen: „Ich bin zwar grundsätzlich erfreut, wenn Landtagsfraktionen kulturpolitische Initiativen setzen, aber bevor man daran denkt, ein Denkmal für sogenannte Trümmerfrauen vorzuschlagen, muss es zuvor eine eingehende wissenschaftlich-historische Bewertung geben. So ein Denkmal ist, wenn, dann nur in einem historischen Kontext möglich und sollte nicht von einer Partei vereinnahmt werden.“ Und wenn, dann werde ein Denkmal international ausgeschrieben und nicht freihändig vergeben.

 

Doch jetzt zum Denkmal selbst und den eigenartigen und peinlichen Details.

 „Das Denkmal thront auf einem Grünstreifen an der Rampe der Bastei und gehört zu einem Grundstück, das 2008 vom Wiener Stadterweiterungsfond weit unter Wert verkauft wurde. „Um skandalöse 15 Euro pro Quadratmeter“, ruft die Liste Pilz aktuell in Erinnerung. Als Verkäufer habe eine vom damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) „installierte Truppe“ fungiert, und namens des Käufers war der Sohn eines ÖVP-Abgeordneten als Treuhänder involviert. Dieser Deal ist seit 2013 Gegenstand von Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dem ein kritischer Prüfbericht des Rechnungshofes vorausging.“

 

Man frag sich auch: Warum eigentlich ist diese Frau halbnackt? Und wieso sitzt sie, anstatt zu arbeiten?

Im Netz tauchte rasch die Antwort auf: Der Künstler Magnus Angermeier nahm nämlich Anleihe an einem seiner älteren Werke. Auf seiner Website findet man eine bereits vor längerer Zeit kreierte Skulptur, die der „blauen“ Trümmerfrau absolut gleicht. Ihr Name: „Die Badende“.

Angeblich hat Strache dafür € 60.000,- an den Künstler gezahlt – oder wer auch immer der grosszügige „Spender“ war.

Und die Musi spielt dazu!

Befremdend dabei ist, dass es die Bundesheer-Gardemusik war, die diese Musik lieferte.

In einer parlamentarischen Anfrage an Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) wollen die NEOS jetzt unter anderem wissen, ob es üblich ist, „dass die Gardemusik bei privaten Veranstaltungen auftritt“.

Außerdem will der anfragestellende NEOS-Abgeordnete Hoyos-Trauttmansdorff wissen, unter welchen Umständen die Gardemusik für Privatveranstaltungen bestellt werden kann und wie viele Gardemusiker bei der Enthüllung des Denkmals vor Ort waren. Außerdem fragt er nach der Höhe der Kosten und wer für diese aufkomme.

Wenn das Schule macht und erschwinglich ist, überleg ich mir, dass ich zu meinem nächsten runden  Geburtstag die Gardemusik engagiere und mir ein Ständchen bringe lass.

Vielleicht die „Internationale“

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

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