Nach einem Wahlsonntag wie diesem einen „left comment“ zu verfassen, ohne auf den Erfolg der KPÖ Graz einzugehen, geht eigentlich gar nicht.

Was aber soll man nach knapp einer Woche dazu noch schreiben, da ja ohnehin schon JedeR alles gesagt oder geschrieben hat. Vieles Gscheites, aber auch vieles Dummes wurde da in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit breitgetreten.

Jetzt bleibt abzuwarten, wie sich die Parteien-Gespräche entwickeln und ob die Grünen bereit sind den Wählerwillen zu folgen, Elke Kahr zur Bürgermeisterin wählen oder wieder einmal umfallen?

Also von ganzem Herzen: Gratulation nach Graz an die Partei und ihre Protagonistinnen.

Aber ich kann wieder einmal schreiben: I told you so …

Am 6. September, nachdem die ÖVP wieder ganz besonders untergriffig und dumm vor der „roten Gefahr“ warnte, schrieb ich:

„wir alle kennen die fabel vom schäfer und vom wolf
so wirds dieses mal dem nagel gehen mit seinen gschichtln
elke kahr for bürgermeister“

Ich geb ja zu, da war der Wunsch Vater des Gedankens. Aber man wird sich ja noch was wünschen dürfen.

Es wurde an diesem Wochenende aber nicht nur in Graz abgestimmt.

In Linz und in anderen Teilen Oberösterreichs konnte die KPÖ ebenfalls, wenn auch bescheidenere, Erfolge feiern.

Auch da meine Gratulation.

Im Gegensatz zu unserem Kanzler, der ja das Ergebnis in Graz „bedenklich“ findet (die Frau Edtstadler hat das auch prompt nachgeplappert) ist es wirklich bedenklich, dass in Oberösterreich knapp 2/3 der Stimmen an rechtspopulistische bis rechtsextreme Parteien gingen. Inklusive der eigenartigen bis gefährlichen Aluhuttruppe MFG, die jetzt auch noch eine Menge Steuergeld an Parteienfinanzierung für die nächsten 6 Jahre lukrieren.

Auch in Deutschland wurde gewählt. Objektiv gesehen natürlich die wichtigere Wahl. Da gilt es zu vermerken, dass es zumindest eine Bewegung zu links der Mitte gibt. Aber auch, dass „Die Linke“ ziemlich schlecht abgeschnitten hat. Leider.

Insgesamt ist festzustellen, dass von Wien über die USA bis nach Norwegen der Trend sich wieder mehr in Richtung Mitte links verschiebt. Und in Island wars schon fast soweit, dass mehr Frauen als Männer im Parlament sitzen.

Es wurde aber nicht nur gewählt, sondern auch „das Volk“ befragt.

Die Schweizer*nnen stimmten für die „Ehe für Alle“ aber gegen mehr Steuern für Reiche. Und nein, ich stell in diesem Zusammenhang keine unzulässigen Assoziationen über die Schweiz her.

In San Marino wurde für Ende des Abtreibungsverbots abgestimmt. 77 Prozent der Wahlberechtigten stimmten bei einem Referendum am Sonntag für die Abschaffung des Verbots des Schwangerschaftsabbruchs.

Auch in Berlin wurde abgestimmt.

Dort ist dann wirklich der Kommunismus ausgebrochen.

Eine Mehrheit der Berliner*innen hat beim Volksentscheid für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne gestimmt. 56,4 Prozent stimmten dafür, 39,0 Prozent dagegen. 

Man stelle sich vor, die KPÖ würde in Österreich eine derartige Abstimmung initiieren.

Der Kurz würde sich im Waldviertel auf dem Truppenübungsplatz verkriechen. Der Nehammer würde dem Kickl wieder das Du-Wort anbieten und dann würden sie Seite an Seite gegen gegen die Rote Armee in den Sonnenuntergang reiten.

Die NEOS würden beim Satteln helfen und Rendi-Wagner würde einmal schauen, ob die Richtung stimmt. Nur der Doskozil wär ganz beleidigt, weil er nicht mitreiten darf.

Aber ein kleines bissl muss ich die gerade stattfindende Party doch auch crashen.

Was mir aktuell so gar nicht gefällt ist das:

KPÖ-Landtagsabgeordneten Werner Murgg im Staatsfernsehen in Belarus, in dem er unter anderem die Sanktionen gegen Belarus in Frage stellt. Er redet von Stabilität und Ordnung im Land, und spricht der westlichen Berichterstattung über die Zustände in Belarus damit faktisch den Wahrheitsgehalt ab.

Aber so ganz ohne „schwarzes Schaf“ geht es wohl auch bei der KPÖ nicht.

Wobei man schon auch dazusagen muss, dass ja Murgg nicht der prominenteste Besucher in Minsk war.

Nachtrag: ich möchte aber schon auch festhalten, dass die partnerpartei der kpö – in der gemeinsamen „europäischen linken“ – die „weissrussische vereinigte linkspartei“ ist. eine der grösseren anti-lukaschenko-parteien. die kpö nimmt seit 2005 nicht mehr an treffen der vereinigung „internationaler kommunistischer arbeiterparteien“ – die lukaschenko unterstützt, teil.

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