Die Reallöhne sind seit 2010 gesunken!

 

So lauten die Schlagzeilen nach der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung von Statistik Austria.

http://derstandard.at/2000041946653/Loehne-in-Oesterreich-seit-2010-im-Sinkflug

So weit – so schlecht!

 

Die Wahrheit ist nur noch sehr viel schlimmer.

Betrachtet man nämlich nicht nur die letzten vier Jahre, sondern den Zeitraum seit 1998, offenbart sich, dass es seit knapp 20 Jahren Reallohnverluste gibt.

So lag im Jahr 1998 das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen bei € 14.686,- und 2013 bei € 19.057,- (Gemessen an der Steigerung des BIP müsste dieses Einkommen bei knapp über € 21.000,- liegen.)

Inflationsbereinigt bedeutet das einen Rückgang von 4 Prozentpunkten.

http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/_jahre/2014/berichte/einkommensberichte/Einkommensbericht_2014.pdf

Laut einem im Jahr 2014 veröffentlichten Artikel des ORF sanken die Einkommen in den letzten 15 Jahren sogar um 14 %

http://oesterreich.orf.at/stories/2685757/

 

Für den Grossteil der arbeitenden Menschen ist aber auch das nur ein Teil der bitteren Wahrheit.

Neben der ohnehin bekannten und oft dokumentierten wachsenden Ungleichheit bei den Vermögen, offenbart sich auch innerhalb der unselbständigen Einkommensempfänger*innen eine immer grössere Schere der Ungleicheit.

So betrug 1976 der Anteil der 20 % Bestverdiener am Gesamteinkommen 40 %. 2012 betrug dieser Anteil bereits 48 % und es ist anzunehmen, dass der Anteil dieser Gruppe bis zum heutigen Tag bereits auf die Hälfte angestiegen ist.

https://www.volkshilfe.at/images/content/files/04_Faktensammlung-Verteilung_20_02_15.pdf

 

Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Lohnquote von 76 % im Jahr 1976 auf knapp 67 % im Jahr 2014 gesunken ist.

Dementsprechend dazu ist die Gewinnquote (Unternehmens- und Kapitalerträge) gestiegen.

Eine sinkende Lohnquote bedeutet, dass Fortschritte in der Arbeitsproduktivität nicht, wie lange Jahre davor üblich, an die Beschäftigten weitergegeben werden, sondern verstärkt in Unternehmens- und Vermögenserträgen münden.

 

Signifikant für diese Entwicklung ist die Anzahl von Millionären (hier wird absichtlich nicht gegendert, da Reichtum in überwiegendem Ausmass männlich ist) in Österreich.

Diese Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht.

2005 lag diese bei 68.000 und stieg bis 2014 auf 114.100. Bis 2025 sollen es 140.100 sein.

Das kleine Österreich liegt im weltweiten Millionärsranking damit auf dem „hervorragenden“ 23. Platz.

 

Diese Situation ist aber keineswegs „gottgegeben“, sondern Ausdruck österreichischer (aber auch EU- und weltweiter) neoliberaler Steuerpolitik.

Betrachtet man die Entwicklung der Lohnsteuern und der Gewinnsteuern (Einkommenssteuer und Körperschaftsteuer) seit dem Jahr 2000, zeigt sich, dass das Aufkommen der Lohnsteuer um 67 % angestiegen ist, wohingegen das Aufkommen aus Gewinnsteuern im selben Zeitraum nur um 43 % angestiegen ist. Das, obwohl im Vergleichszeitraum die Gewinne deutlich stärker gestiegen sind als die Löhne und Gehälter.

 

Der detaillierte Blick auf die unterschiedlichen Steuereinnahmen zeigt ein gleiches Bild.

Das Aufkommen der Einkommens- und vermögensbezogenen Steuern betrug im Jahr 2013 38,7 Mrd €, das bedeutet einen Zuwachs von 8,6 % gegenüber dem Vorjahr. Den größten Anteil nimmt dabei die Lohnsteuer mit 24,6 Mrd € ein. Auf die Körperschaftsteuer entfallen 6 Mrd €, auf die veranlagte Einkommensteuer 3,1 Mrd € und auf die Kapitalertragssteuer 2,6 Mrd €. Das Aufkommen der vermögensbezogenen Steuern mit 46 Mio € nimmt nur eine untergeordnete Rolle ein.

https://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/oeffentliche_finanzen_und_steuern/oeffentliche_finanzen/steuereinnahmen/019086.html

 

Soweit die (belegten) Fakten.

 

Jetzt müsste man eigentlich annehmen, dass auf Grund dieser Tatsachen ein österreichweiter Aufschrei seitens der arbeitenden Menschen oder deren Vertreter*innen erfolgt.

Aber: Nix, Nada, Niente!

Weder die Gewerkschaften, die Grünen, die SPÖ (wo bleibt da der neue Messias Kern?) oder die selbsternannte nationale Arbeiterpartei rührt auch nur ein Ohrwaschl.

 

Da ist es durchaus angebracht, sich die Frage nach dem Warum zu stellen.

 

Dass seitens der ÖVP, die seit dem Jahr 2000 mit der Regierung Schüssel – mit dem unsäglichen zu gscheiten, zu schönen KHG – und ab 2007 auch den Finanzminister stellt und damit die Hauptverantwortung für diese Entwicklung trägt stillschweigen herrscht, ist zu erwarten.

 

Auch das Credo des WKO-Präsidenten Leitl: „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut“ ist durch die angeführten Zahlen ganz offensichtlich ad absurdum geführt.

Zeigt sich doch vielmehr, dass es einigen Wenigen mehr als gut geht, der grosse Teil der Österreicher*innen aber real mit immer weniger das Auskommen finden müssen.

 

Statt dessen wird von der Partei der „Leistungsträger“ und der inkompetenten Partei des „kleinen Mannes“ die Höhe der Mindestsicherung thematisiert um damit weiter Druck auf die Löhne und Gehälter auszuüben.

 

Es zeigt sich also einmal mehr, dass die aktuell agierenden Parteien inklusive Gewerkschaft  ausschliesslich Politik für ihre Klientel betreiben.

 

Arme, Arbeitslose, Working Poor, prekär Beschäftigte, EPUs, Mindestrentner*innen, Alleinerzieher*innen und vor allem Frauen sind von dieser Situation betroffen.

Es wäre höchst an der Zeit, Politik für alle Menschen zu machen und für gerechten gesellschaftlichen Ausgleich zu sorgen.

Ideen dazu gibt es zur Genüge – wie zb. den von Wien Anders geforderten Mindestlohn in angemessener Höhe oder die Studie des ISW von Mag. Schratzenstaller betreffend österreichische Steuerpolitik.

http://www.isw-linz.at/themen/dbdocs/LF_Schratzenstaller_1_15.pdf

 

Zum Schluss noch ein Zitat von Erich Kästner für das Stammbuch von Kern & Co:

„Es gibt nichts gutes, ausser man tut es“

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

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