Was bin ich doch gescholten worden für den Header: Es fing nicht mit Gaskammern an!

 

Ein unbotmässiger Vergleich sei das.

Eine Verharmlosung des Holocaust usw.

Ich hab zwar nirgends geschrieben, dass schon neue Gaskammern gebaut werden, aber wen interessierts.

Das war vor einer Woche.

 

Fassen wir zusammen:

Den Betroffenen werden Kommunikationsmittel entzogen

Lager am Stadtrand sollen errichtet werden.

Ausgangssperren werden gefordert.

Eine Parallelität zu den Ereignissen vor vielen Jahren.

Mit der Aussicht auf weitere Ähnlichkeiten.

 

In der Zwischenzeit hat nämlich unser neuer Innenminister die Eskalationsspirale wieder ein Stück weiter gedreht.

FPÖ-Innenminister Herbert Kickl hat sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz dafür ausgesprochen, Asylwerber künftig „konzentriert“ in Grundversorgungszentren unterzubringen. Dass er dieses Wort bewusst (wegen des Anklangs an die NS-Konzentrationslager) gewählt habe, wies er auf Nachfrage zurück.

 

Die BBC – nicht gerade der unseriöseste Sender und unverdächtig als Rotfunk zu gelten – titelt:

Far-right Austria minister’s ‚Nazi language‘ causes anger

 

Vom „Spiegel“ bis zur „Washington Post“: Auf das internationale Echo nach seinen Aussagen bei der Asylstatistik-Pressekonferenz will der Innenminister nicht näher eingehen.

 

Jetzt ist der Kickl ja nicht irgendwer.

Er wird auch als das Gehirn von Strache bezeichnet.

Er war jahrelang Kommunikationschef und Sprücheerfinder (Daham statt Islam, Mehr Mut zu Wiener Blut, Unser Geld für unsere Leut) der FPÖ und weiss sehr genau, welche Worte er wählt. Da passiert nichts „zufällig“.

 

In einer Presseaussendung legt er aber auf folgendes Wert:

Das Wort ‚Lager’ wurde von mir überhaupt nicht verwendet.

Braucht er auch nicht.

Das hat schon Gudenus gesagt.

 

Das entspricht auch der gängigen FPÖ-Strategie: Ganz bewusst, ganz bestimmte Wörter verwenden um bei der Kernwählerschaft zu punkten, nachher re­la­ti­vie­ren und so tun als wären die andern die Bösen.

Ein Spiel, dass Kickl perfekt beherrscht.

Zuletzt deutlich gemacht mit der Wahl der Blume im Knopfloch bei der Konstituierung des neuen Parlaments.

Edelweiss statt Kornblume.

 

Der nächste Schritt der Eskalation wäre dann wohl das Thema Abtransport.

Wohin auch immer.

Züge sind ja sowas von aus dem vorigen Jahrhundert.

Da wird dann wohl eine alte Idee von Strache zum Einsatz kommen:

„Für was haben wir militärische Transportflugzeuge wie die Hercules?“

Und Strache zu den Asylwerbern weiter: „Da können sie dann schreien und sich an-urinieren. Da störts dann niemanden.“

 

Kickl tut also, was die FPÖ seit Jahren perfektioniert hat: mit jeder Äußerung von ungeheuerlichen Dingen wird die Latte für das nächste Mal ein wenig runter gelegt, bis die verrohte Sprache der Rechten Mainstream wird.

 

Da mag es dann wenig verwunderlich sein und passt ins zu zeichnende Bild, dass es in Österreich immer mehr Verstösse gegen das Verbotsgesetz und dementsprechende Verurteilungen gibt.

Bis 31. Oktober des Vorjahres gab es 93 Verurteilungen. Im Jahr 2016 waren es 82, 2015 74 und 2014 nur 51 Verurteilungen.

 

In der Zwischenzeit wird abseits der Öffentlichkeit dort, wo die FPÖ Posten zu vergeben hat, an der Übernahme der Republik durch die Burschenschafter gearbeitet.

 

Das der neue Klubobmann der Regierungspartei, Gudenus, an einem verfassungswidrigen Nationalfeiertag in Banja Luka teilnimmt oder das Regierungsmitglied Hofer Südtiroler Separatisten empfängt, ist nur ein weiterer Baustein in diesem Umbau Richtung 3. Republik.

 

Und was macht Strache währenddessen?

Er inszeniert sich als GRÖVAZ (Grösster Vizekanzler Aller Zeiten)

 

(Originalvideo von Arno Cinelli auf Facebook)

Welche Assoziationen wohl diese Bilder wecken?

Die Anleihen an ewiggestrige Inszenierungen sind wohl auch nicht nur zufällig!

 

Allerorts hört man von „gemässigten“ Menschen, lasst die Regierung doch erst einmal in Ruhe arbeiten. Es soll doch nicht alles so „überzeichnet“ werden.

Das weckt bei mir dann immer Assoziationen zu Neville Chamberlain und seiner Appeasement-Politik.

Zurückhaltung, Beschwichtigung. Zugeständnisse und Entgegenkommen.

Mit dem Ziel Konflikte zu vermeiden.

So meinte Chamberlain nach dem Münchner Abkommen:

„Nun gehen Sie nach Hause und schlafen Sie ruhig und gut.“

So wie die Beschwichtiger angesichts oben geschilderter Tatsachen immer noch damit argumentieren: es wird schon nicht so schlimm werden.

 

Wie wir wissen, wurde es viel viel schlimmer!

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

 

P.S.: Was macht eigentlich unser Bundeskanzler angesichts der Vorkommnisse? Er schweigt!

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