Wir haben alle geklatscht!

Für die Pfleger*innen, die Mitarbeiter*innen im Lebensmittelhandel, die Zusteller*innen, die Reinigungskräfte – für die sogenannten „Systemerhalter*innen“.

Diese Menschen haben in den schwersten Zeiten der Krise aussergewöhnliches geleistet. Sie waren – und sind – die Leistungsträger unserer Gesellschaft.

Da waren sich alle einig.

Und sie werden für diese Leistungen nicht ausreichend bezahlt.

Vom Applaus kann man keine Miete, Energie oder den notwendigen Erholungsurlaub bezahlen.

Am 21.4. forderte der ÖGB einen Corona-Tausender für alle Beschäftigten, die das Land am Laufen halten.

Diesen Corona-Tausender sollen alle bekommen, die während der Corona-Krise das Haus verlassen müssen, um zu arbeiten und damit einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind bzw. waren. Steuerfrei im Rahmen des Corona-Hilfspakets der Bundesregierung. Den HeldInnen der Krise steht dieser Corona-Tausender jetzt als Bonus zu – auch die Welle der Solidarität unter der Bevölkerung zeigt, dass sie diese Anerkennung verdient haben.

Bundeskanzler Kurz am 27.4.:

„Wir haben in der aktuellen Krise wieder gesehen, dass die Menschen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, nicht immer auch die sind, die den größten Bonus ausbezahlt bekommen. Egal ob Pflegepersonal, Sicherheitskräfte, Supermarktmitarbeiter oder viele andere – wer hart arbeitet, soll künftig mehr zum Leben haben. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“

Und am 5.5. verlautbarte Vizekanzler Kogler, „dass die Regierung an dem von der Gewerkschaft geforderten Corona-Tausender tüftle“.

Was bisher geschah:

Die Mitarbeiter*innen in den grossen Lebensmittelketten hatten schon im März einen Bonus in Form einer Einkaufsgutschrift erhalten.

Die Angestellten des REWE-Konzerns in der Höhe von € 200,- und jene des Spar-Konzerns (welcher im Jahr 2019 einen Rekordgewinn verzeichnete) in der Höhe von € 100,-.

Immerhin! (Ironie off)

Für rund 120.000 Beschäftigte in der Sozialwirtschaft Österreich wurde im Zuge des neuen SWÖ-Kollektivvertrags 2020 – 2022 für das ausserordentliche Engagement der Mitarbeiter*innen im Zuge der Corona-Krise eine einmalige Prämie in Höhe von Euro 500 vereinbart.

Die Bundesländer gehen bei den Bonus-Zahlungen unterschiedliche Wege.

Als erstes hatte Oberösterreich einen Betrag von 1000 Euro pro Monat genannt. Geworden sind es dann 500,-

Die volle Prämie in der Höhe von 500 Euro erhalten alle Vollzeitkräfte, die in der Zeit vom 16. März bis 30. Juni im Einsatz waren. 

Die rund 13.700 in Niederösterreich im Sozialbereich Beschäftigten werden mit einem einmaligen Corona-Bonus von bis zu € 500,- bedacht.

Die Prämie soll einmalig an Mitarbeiter der privaten Pflegeheime, der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie der sozialmedizinischen Dienste ausbezahlt werden.

Seitens der Stadt Wien wurde eine Corona-Prämie für das Gesundheitspersonal in Aussicht gestellt, eine dementsprechende Beschlussfassung im Gemeinderat wurde aber auf die lange Bank geschoben.

In Frankreich bekommen jene, die mit Covid-19-PatientInnen arbeiten eine Einmalzahlung von 1.500 Euro, andere Beschäftigte im Gesundheitswesen erhalten 500 Euro Bonus. Außerdem entschied sich Frankreich für einen „Kaufkraft-Sonderbonus“ zwischen 1.000 und 2.000 Euro für MitarbeiterInnen in systemrelevanten Dienstleistungsbranchen.  

In Deutschland wurde erreicht, dass MitarbeiterInnen in der Langzeit- und häuslichen Pflege einen Bonus von 1.500 Euro bekommen.

In Tschechien sollen rund 7000 Mitarbeiter der Rettungskräfte für den Zeitraum März bis Mai monatlich umgerechnet knapp 1500 Euro erhalten. Auch Pflegekräften, die sich um Coronavirus-Patienten kümmern, soll diese Summe zustehen.

In Litauen bekommt das medizinische Personal eine vorübergehende Lohnerhöhung zwischen 60 und 100 Prozent.

Und in Österreich?

Der Corona-Tausender ist „bei uns kein Thema“.

Weder das Bundeskanzleramt noch das Gesundheitsministerium geben Auskunft. „Das ist bei uns kein Thema“, lässt das Büro von Finanzminister Gernot Blümel wissen. 

Dafür sind offensichtlich keine finanziellen Mittel vorgesehen.

Wofür es aber sehr wohl finanzielle Mittel gibt, ist ein Engagements der exklusiven Beratungsfirma McKinsey. Wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen zu vernehmen ist, wurde ein Honorar von rund 200.000 Euro wöchentlich (!) vereinbart.

Regieren besteht im Festsetzen von Prioritäten.

Harald Wilson 1964-70 und 1974-76 Britischer Premierminister

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