varoufakisbge

Offenbar hat Economiesuisse kein Problem damit, wenn sich beispielsweise Kinder reicher Fabrikanten und Manager dank ihres ererbten Vermögens dem «Dolcefarniente» zuwenden. Sie arbeiten nicht, um zu überleben, sondern um sich selbst zu verwirklichen. Zum Beispiel, indem sie sich in Stiftungen engagieren, Projekten nachgehen oder sich an erstklassigen Schulen weiterbilden. Warum sollte man Kindern aus weniger privilegierten Verhältnissen nicht einen Bruchteil dieser Chancen ermöglichen? Weniger Konkurrenzkampf und Existenzangst wird die Menschen kreativer machen und so neuen Wohlstand schaffen.

 

http://www.grundeinkommen.ch/schweiz-ist-ideal-fuer-experimente-mit-dem-grundeinkommen/

 

ein ganz wichtiger aspekt des bedingungslosen grundeinkommens (BGE) ist in diesem interview von varoufakis enthalten, erscheint mir aber viel zu oft unterzugehen.

Warum sollte man Kindern aus weniger privilegierten Verhältnissen nicht einen Bruchteil dieser Chancen ermöglichen?

darauf wird wohl niemand eine vernünftige ablehnende antwort bereithalten.

 

wie eröffnen wir also auch unterprivilegierten kindern, jugendlichen und jungen erwachsenen ein mehr an chancengleichheit?

 

darüber habe ich mir habe ich mir auch im zuge der arbeit am bge-modell für die piraten ausgiebig gedanken gemacht und möchte meinen heutigen blog ganz diesem thema widmen.

 

ein wesentlicher teil dieser chancenungleichheit liegt meines erachtens im bereich bildung und betreuung und in weiterer folge auch in den finanziellen ungleichheiten beim „start ins erwachsenenleben“.

 

jetzt ist vorauszusehen, dass eine systemumstellung auf das BGE auch in diesem bereich vieles zum besseren verändern wird.

allein, das erscheint mir noch nicht ausreichend.

ein grossteil des startvorteils privilegierter kinder wird weiter bestehen bleiben.

hauptsächlich wegen der finanziellen unterstützung durch wohlhabende eltern.

 

also was tun?

 

vorausschicken möchte ich auch noch, dass in sehr vielen modellen des bge der auszahlungsbetrag für kinder und jugendliche geringer ist als für erwachsene (zb modell schweiz – erwachsene 2.500,- franken und kinder 625,-/attac erwachsene € 1.167,- und kinder € 934,-).

 

ein oft gehörtes argument gegen die gleiche höhe für kinder ist, dass erziehungsberechtigte bzw. unterhaltspflichtige die mittel nicht im sinne der bezugsberechtigten kinder verwenden könnten.

ebenso wie argumentiert wird, dass ein 2 jähriges kind andere finanzielle kosten verursacht als etwa ein 16 jähriges (diesem umstand wird etwa auch durch gerichte bei unterhaltsverpflichtungen durch unterschiedliche ansprüche rechnung getragen).

 

jetzt will ich hier den aspekt der höhe und der möglichen finanzierung eines BGE einmal aussen vor lassen, möchte aber festhalten, dass unterschiedliche auszahlungsbeträge dem grundgedanken einer gleichbehandlung aller menschen und der bedingungslosigkeit widersprechen.

wenn das argument des alters, des missbrauchs durch verantwortliche (dieses argument wäre zb auch bei sachbewalteten personen möglich) bzw der geringeren bedürfnisse der kinder platz greift, könnten ebenso andere kriterien – etwa wohnort, gesundheitszustand oder vermögen – angeführt werden.

 

aber auch die gleiche anspruchsberechtigung für kinder und jugendliche führt in weiterer folge noch nicht direkt zu mehr chancengleichheit.

 

wenn wir, wie in vielen studien nachgewiesen, davon ausgehen, dass ein wesentlicher teil für gleiche chancen in besserer betreuung und besserer bildung besteht, liegt auf der hand, dass für diesen bereich zusätzliche mittel erforderlich sind und bereitgestellt werden müssen.

 

ein weiterer wichtiger aspekt für mehr chancengleichheit ist die zurverfügungstellung von startkapital in nennenswerter höhe beim übergang vom jugendlichen zum erwachsenen.

finanzielle mittel, die in ausbildung, (auslands-)studium, aufbau eines selbstverantwortlichen lebens (zb schaffung von wohnraum) oder auch zum gründen einer zukunftssicheren existenz zb in form eines eigenen unternehmens benötigt werden.

derartige finanzielle mitteln fördern auch die eigenständigkeit und eigenverantwortung junger menschen.

 

es muss uns aber in diesem zusammenhang klar sein, dass die finanzierbarkeit von forderungen wie zb nach mehr geld für bildung bzw. notwendigkeiten nicht unendlich möglich ist.

die einführung eines bge wird ausserdem ebenfalls nicht mit den derzeitigen staastseinnahmen zu finanzieren sein und zusätzliche steuereinnahmen bzw. eine andere verteilung erfordern.

 

wenn wir jetzt also davon ausgehen, dass kinder und jugendliche tatsächlich unmittelbar weniger finanzbedarf haben als erwachsene, aber ein anspruch auf die gleiche höhe besteht, bietet sich raum für neue ideen.

 

und an dieser stelle könnte die idee betreffend mehr chancengleichheit greifen.

 

in meinem modell ist vorgesehen, dass die den minderjährigen zustehende summe (und jetzt geh ich der einfachheit halber von einer höhe von 1.000,-/mtl/12xjährlich aus) drittelt.

 

insgesamt handelt es sich dabei um eine gesamtsumme von etwa 17 milliarden euro/jährlich.

 

das erste drittel (333,-) wird wie bisher an die jeweils erziehungsberechtigten ausbezahlt.

dieser betrag ist dann, durch die derzeitige staffelung nach alter, 2 bis 3 mal so hoch als die bisherige familienbeihilfe.

 

das zweite drittel, also knapp 6 milliarden, wird verpflichtend für kinder- und jugendbetreuungseinrichtungen bzw. für bildung inkl. der hochschulen gewidmet.

inkl. kindergärten, schulen und unis (personal- und strukturaufwand) betrug das gesamtbudget 2014 etwa 18 milliarden.

der zusätzliche betrag von 6 mia bedeutet also eine erhöhung um rund 33 %, stellt somit eine signifikante erhöhung dieser mittel dar und sollte gewährleisten, dass sich die betreuungs- und bildungssituation deutlich verbessert. also zb zusätzliche kindergrippen und –gärten. zusätzliche lehrkräfte, bessere infrastruktur usw.

 

das letzte drittel wird angespart und die gesamtsumme (wertgesichert) dem berechtigten bei erreichen der volljährigkeit ausbezahlt.

mit heutigem stand wäre das ein betrag von ca € 70.000,-.

eine namhafte summe, die der betreffenden person diverseste möglichkeiten eröffnen und den „start ins leben“ auf unterschiedliche weise erleichtern.

es schafft mit sicherheit mehr chancengleichheit für unterprivilegierte gegenüber jenen die derzeit unterstützung woher auch immer bekommen.

 

in diese richtung gehen zb auch radikale ideen, wie die des ökonomen guy kirsch.

er fordert gleiches erbe für alle.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/guy-kirsch-oekonom-fordert-prozent-erbschaftsteuer-1.2835005

 

jeder leser möge sich bitte einmal vorstellen, was er mit einem startkapital in dieser höhe angefangen hätte und wie das sein leben beeinflusst hätte.

oder wie sich das für die eigenen kinder auswirken würde.

 

in diesem sinne:

bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

 

 

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