Oder wie es neuerdings heisst: die Post bringt allen was.

Viele von uns haben in den nun bereits 9 Wochen ShutDown etwaig benötigte Produkte online bestellt. Und damit auch Erfahrungen mit den unterschiedlichen Zustelldiensten gemacht.

Z.B. mit der Post.

Manche von uns haben speziell die österreichische Post AG als Zusteller ausgesucht. Trotz der mit Abstand schlechtesten Lieferverfolgungs-App ever. Da kommts schon vor, dass eine Lieferung bereits zugestellt wurde und diese in der Lieferverfolgung für den nächsten Tag angekündigt wird. Oder aber, was ja noch ärgerlicher ist, die Lieferung für einen bestimmten Zeitpunkt angekündigt wird, aber dann erst 3 Tage später zugestellt wird. Das „Trari Trara die Post ist da“ war noch deutlich hilfreicher.

Angemerkt muss werden, dass die Zusteller*innen selbst aber immer freundlich und hilfsbereit sind.

Den Ärger mit unnötiger Warterei wegen falscher Lieferangaben nimmt man doch gerne in Kauf, wenn dafür ein österreichisches Unternehmen beschäftigt wird und dass damit seine Dienstnehmer*innen zu ordentlichen Bedingungen ordentlich beschäftigen kann. Noch dazu, wo wir ohnehin alle daheim sitzen und nur auf die Zustellung warten.

Oder?

Aber statt der „Christl von der Post“ kommt dann „Ercan, der Paketbote“, der sich seine „Postlerjacke“ um € 70,- selbst kaufen muss und eine Strafpauschale von € 50,- zahlen muss, wenn er seine „Uniform“ nicht anhat.

Die österreichische Post AG ist ein gut florierendes Unternehmen mit ausgezeichneten wirtschaftlichen Kennzahlen, einem operativen Gewinn von € 200 Mio im Jahr 2019 und einer Dividendenausschüttung an die Eigentümer von mehr als € 130 Mio. Mehrheitseigentümer mit 52,8 % ist die ÖBAG, also die Republik Österreich.

Im Sommer 2019 wurde das neue, um € 50 Mio errichtete Paketzentrum in Hagenbrunn mit einer Sortierleistung von bis zu 13.500 Paketen pro Stunde in Betrieb genommen. Etwa 300 Mitarbeiter*innen werden dort beschäftigt.

Zwar keine „PostBeamten“ mehr, aber immerhin mit einer fixen Anstellung, guten Arbeitsbedingungen und gut bezahlt.

Hat man halt geglaubt.

Aber dann ist doch tatsächlich was passiert.

Der Coronavirus hat zugeschlagen.

Und da stellt sich heraus, dass 50 Prozent der Belegschaft in den Verteilzentren Leiharbeiter waren und sind.

Ein Gewerkschafter ärgert sich:

„Bis zu den Corona-Vorfall wussten wir in der Belegschaft nicht einmal, dass 50 Prozent der Kollegen in Hagenbrunn und Inzersdorf von Leasingfirmen kommen. Es gab im Betrieb immer das Einverständnis: Leiharbeit darf nur die Ausnahme sein.“

In der Geschäftsführung begründete man den Umstand damit, das man schwer Personal fände – und es ohnehin nur für den Start gedacht war. Warum man es dann den Arbeitnehmervertreter verheimlicht hatte, bleibt unklar.

Die Argumentation, keine Arbeitnehmer*innen zu finden, erscheint angesichts der explodierten Arbeitslosigkeit eher nicht nachvollziehbar. Klingt eher klassisch nach „Ausrede“.

Das wirkliche Motiv dürfte da schon eher im Bereich Gewinnmaxmierung liegen.

Für die Post AG, aber auch für die persönlichen Einkommen der Personen in der Chefetage.

Die Post bezahlt pro Monat rd. € 1.300,- pro Beschäftigten an eine Leiharbeitsfirma. Wieviel davon den Arbeitnehmer*innen verbleiben ist unbekannt. Man muss sich in diesem Zusammenhang auch fragen, ob es sich bei all diesen Leiharbeiter*innen um legale Arbeitsverhältnisse handelt und wer das kontrolliert.

Das ist jedenfalls ein deutlicher Unterschied gegenüber ganz normalen Anstellungsverhältnissen, auch wenn diese nur nach Kollektivvertrag abgerechnet werden.

Ein Unterschied, der sich natürlich beim Gewinn des Unternehmens bemerkbar macht. Und in weiterer Folge natürlich auch beim aktienbasierten Vergütungsprogramm des Postvorstandes.

2019 erhielten die drei Vorstände der Post AG € 3,4 Mio an Vorstandsbezügen. Plus 3,6 Millionen Euro Bonus auf den Aktienkurs bezogen.

Da kann man dann schon einmal darüber klagen, dass man für diese Jobs keine Arbeitskräfte mehr findet.

Man findet ja ebenfalls keine Erntehelfer oder 24-Stunden-Pfleger*innen.

Das sind die Segnungen der neoliberalen Maxime: Mehr privat, weniger Staat!

Und hier kommt die ÖVP ins Spiel.

Mit einem ganz besonders perfiden Spin.

Weil es sich bei Teilen der Infizierten Leiharbeiter um Asylberechtigte handelte, die in einer Unterkunft in Erdberg in beengten Wohnverhältnissen untergebracht und daher besonders gefährdet sind, sucht Innenminister Karl Nehammer die Schuld bei Wien. (Ohne irgendeine Bestätigung für seine Behauptungen.)

Er hätte Wien am Sonntag erneut die Unterstützung der Polizei beim sogenannten Tracing, also dem Verfolgen der Fälle, angeboten. Ihm gehe es um die Information der Infizierten und Verdachtsfälle sowie die Überwachung der Quarantänemaßnahmen etwa bei Flüchtlingen, sagte er. 

Oder auch:

„Arbeiten wir zusammen“ meint er in Bezug auf die „besorgniserregenden“ Infektionszahlen in Wien und jetzt bräuchte es ein „Miteinander“ und kein „Gegeneinander“. Sprachs und fordert im selben Atemzug von der Stadt Wien bessere Kooperation ein und spricht eine Mahnung aus.

Als Antwort auf eine Nachfrage, warum er das Gegenteil von Anschober sagt: „Das glaube ich nicht.“

Ein Posting auf Twitter fasst zusammen:

Sklaven des 21.Jahrhunderts müssen in Leiharbeitsverhältnissen hackln (wo sie bei Krankheit kein Geld bekommen), zuständig dafür ist das Arbeitsministerium, Aschbacher, ÖVP.
Unter diesen Arbeitern befinden sich Asylwerber, die in Einrichtungen wohnen, in denen sie sich schwer vor Ansteckung schützen können, zuständig ist das BMI Nehammer, ÖVP.
Eingesetzt werden sie bei der Post (zuständig ist das BMF, Blümel, ÖVP, ) im Land Niederösterreich (Mickl-Leitner, ÖVP)

Nach etlichen Ansteckungen werden BH-Soldaten eingesetzt, die unter widrigsten Umständen untergebracht sind, zB nur 4 Duschen für 250 Personen ( BMLVS, Tanner, ÖVP)


Und der Herr Nehammer e r m a h n t Wien!

„Ich finde es bedenklich, wenn man mit dem Schicksal von Menschen Politik macht.“ sagte der Innenminister vor kurzem in der ZIB2.

Noch Fragen?

Was das Bundesheer mit all dem zu tun hat?

Die Post hatte offiziell um diese „Unterstützungsleistung“ angefragt.

Mittwoch übernahm das Bundesheer den Betrieb im Logistikzentrum Hagenbrunn in Niederösterreich, am Donnerstag auch im Verteilzentrum Inzersdorf im Süden Wiens. Wie viel die Österreichische Post der Corona-Einsatz des Bundesheeres kosten wird, ist noch offen. berechnet wird im Nachhinein, je nachdem wie viele Arbeitsstunden angefallen sind, auf Basis von Leistungskatalogen. Grundwehrdienern wird der Einsatz übrigens nicht extra abgegolten, sie erhalten ihre reguläre Vergütung.

Als Grundwehrdiener erhält man pro Monat € 346,62. Dieser Betrag setzt sich aus Grundvergütung (€ 118,77) und Monatsgeld (€ 227,85) zusammen. Pro Tag also rd. € 11,-.

Ebenfalls erwähnt werden müssen die absonderlichen Umstände des nun „notwenidgen“ Bundesheereinsatzes in besagten Postverteilungszentren.

Die Unterbringung dieser Grundwehrdiener im Einsatz bei der Post sind ein komplettes Desaster.

Fotos zeigen Klappbetten auf dem nackten Beton einer Halle, die über dicke Schläuche mit Warmluft von einem Dieselaggregat geheizt wird. Sanitäreinrichtungen befinden sich in verdreckten Containern. Für alle 250 Soldaten stehen vier Duschen zur Verfügung. Das Wasser in den Duschen ist kalt.

Ein Grundwehrdiener postet im Standard:

Unser aller Krisenmanager wird natürlich andere Sorgen haben.

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Passt´s auf eich auf und wehrt´s eich!

Ergänzung vom 22.5. 14.00 Uhr

Im Post-Logistikzentrum Hagenbrunn in Niederösterreich sind nach Angaben des Bundesheers vom Freitag zwei Soldaten positiv auf Covid-19 getestet worden. Die Arbeiten im Postverteilerzentrum werden planmäßig fortgesetzt“, teilte das ABC-Abwehrzentrum mit.

Die Gesundheitsbehörde beabsichtige, in der kommenden Woche alle in Hagenbrunn eingesetzten Soldaten und Bediensteten auf Covid-19 zu testen.

Da fragt man sich schon, warum nicht sofort getestet wird sondern erst in der kommenden Woche. Wie gross ist die Gefahr weiterer Ansteckungen?

Die Regierung hat – um den Tourismus halbwegs zu retten – viel mehr Tests durchzuführen. Warum passiert das nicht bei Grundwehrdienern?

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