De(s/r) geht ma am Oasch

hat Steffi Krisper, Fraktionsführerin der Neos im Ibiza-Untersuchungsausschuss, angeblich gesagt.

Angeblich, weil wirklich gesagt hat sie:

„Geh`n mir am Oasch, alle.“

Das jedenfalls ist dem Protokoll der Stenographischen Protokolle des Ibiza-UA zu entnehmen.

Der Ausschussvorsitzende, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, nahm das zum Anlass um den Entrüstenden zu mimen:

„Ich bin der Überzeugung, dass es für die auf das schärfste zurückzuweisende Äußerung einer Fraktionsführerin, die u.a. der Grund für den Rücktritt von Ilse Huber (Verfahrensrichterin im IbizaUA) war, keine Umdeutung, sondern eine klare Entschuldigung braucht. Der Anstand kennt keine Immunität.“

Nach der „fälligen“ Entrüstung durch die gewöhnlichen Verdächtigen erklärt Krisper ihre „Unmutsäußerung“ …

.. sie bedauere, dass diese Äußerung zu hören war, das habe sie nicht gewollt. Stefanie Krisper erklärt zudem, sie habe ihre Äußerung sicher nicht auf die ehemalige Verfahrensrichterin bezogen, das habe sie Ilse Huber auch schon persönlich gesagt. Sie habe außerdem im Plural geredet und sie auf die Umstände im Ausschuss gemünzt. Und, so die Fraktionsführerin der Neos, Sobotka habe seine ungerechtfertigten Vorwürfe gegen sie, Krisper, aber aufrecht erhalten. Er agiere parteiisch und sollte die Vorsitzführung abgeben. Die Neos fordern die Öffentlichkeit von Ausschüssen.

Hätte sich doch nur „widerwärtiges Luder“ gesagt, dann hätte sich der Sobotka nicht so aufregen müssen. Das ist ja in der ÖVP und Kreisen der Grünen eine durchaus akzeptable Bezeichnung für unliebsame Widerrede.

Jedenfalls in Tirol.

In Wien dagegen ist „Oasch“ eine durchaus übliche und traditionsreiche, in vielen Zusammenhängen verwendete, umgangssprachliche Redewendung, die nicht nur einen Körperteil lokalisiert, sondern auch sonst Allerhand (Personen, Zustände, Umstände, Gegenstände). Gebräuchlich nicht nur als Haupt-, sondern auch als Eigenschafts- oder Beiwort, das tagtäglich in Verwendung steht.

Und Frau Krisper hat mit ihrer emotionalen Beschreibung der Verhältnisse im Untersuchungsausschuss diese durchaus auf den Punkt gebracht.

Wie einem überhaupt grad vieles „am Oasch“ gehen kann.

Der Virus, der uns das Leben so allgemein grad so ein bissl versaut.

Das Wetter, auf das man sich grad so überhaupt nicht verlassen kann.

Die grauen Wölfe und ihre faschistische und gewaltbereite Gesinnung sowieso – und olle enare Hawara, wuaschd, woher de kumman.

Der Strache und sein Luxusurlaub – wobei der schon so bedeutungslos ist, er ohnehin hoffentlich bald im Häfen landet und damit eh scho wuaschd is.

Gar nicht egal sind allerdings so einige andere Offenbarungen aus dem Untersuchungsausschuss.

Da wären z.B. das Alois-Mock-Institut, wiederum der Sobotka und auch Sebastian Kurz.

Da ist von der Novomatic (zahlt alle) Geld an diesen ÖVP-Verein geflossen. Und nachdem Sobotka dort auch Präsident ist, wird jetzt auch Sobotka als Zeuge in den Ausschuss geladen. Was für ihn natürlich noch immer kein Grund ist, den Vorsitz zurückzulegen und sich für befangen zu erklären.

Ganz besonder interessant ist aber, was Sebastian Kurz im UAusschuss zu diesem Verein gesagt hat:

„Ich erlebe das Alois-Mock-Institut nicht sonderlich. Dort, wo ich es erlebt habe …, ich glaube, die haben einmal ein Buch herausgegeben, und ich glaube, sie haben schon einmal eine Veranstaltung durchgeführt.“

Da kann er sich ganz offensichtlich wieder einmal an etwas nicht erinnern.

Hat er doch aus Aussenminister die Schirmherrschaft für das Komitee des Alois Mock Institut übernommen.

Erinnerungslücken zeigt auch Norbert Hofer im Laufe der Befragung.

Da werden Erinnerungen an Kurz und Blümel geweckt – weil ich kann mich erinnern.

Befragt zu Handy oder Laptop sagt der FPÖ-Obmann:

„Das Handy gibts nicht mehr, Laptop hatte ich nie einen…“

Kaum gesagt, Google befragt und jede Menge Bilder von Hofer mit Laptop.

In einem Interview mit der Zeitschrift Woman sagt er wortwörtlich:

„Wenn ich ins Büro komme, mache ich den Laptop auf.“

Als Zusatz bei der Befragung sagt Hofer noch:

„und was das Schlimmste ist: Ich kann nicht einmal Schnapsen“

Was bei derartigen Gedächtnisleistungen nicht verwundert.

Derartige Gedächtnislücken geh´n ma ordentlich am Oasch.

Dokumentiert das doch, dass hier ganz plump gelogen wird. Und zwar auf eine Art und Weise, dass ma in Wien sagen tät: de vaoaschen uns.

Hier werden Beweise zum Untersuchungsgegenstand zurückgehalten.

Hier wird vertuscht.

Des greift a Blinda mim Steckn.

Das ist so eindeutig wie ganz offen zugegeben wird, dass sich Türkis/Blau die Republik Österreich im Verhältnis 2 : 1 aufgeteilt hat.

Dabei find ich bemerkenswert, dass das Wahlergebnis eigentlich ein Verhältnis von 1,2 : 1 ergeben müsste. Hat die ÖVP die FPÖ vielleicht gar über den Tisch gezogen?

Da tät mich jetzt interessieren, nach welchem Verteilungsschlüssel zwischen Türkis und Grün aufgeteilt wird. Das Wahlergebnis ergäbe ja ein 2,7 : 1.  

Nach den bisherigen Erfahrungen könnte man zum Schluss kommen, die Aufteilung lautet 5 : 1.

Und jeder einzelne Posten (z.B. die Bestellung für den Verfassungsgerichtshof) wird von den Grünen als grossartiger Erfolg abgefeiert.

Es gibt aber auch abseits des Ibiza-Untersuchungsausschusses ein paar Sachen, die mir ordentlich am Oasch gehen.

Nicht nur zufällig hat auch da einiges mit der ÖVP zu tun.

Die Regierung weigert sich im Verkehrsausschuss den Nationalrates den Vertrag mit der AUA offenzulegen. Wird vertuscht, was denn nun genau bei der Standortgarantie oder zum Schutz der Arbeitsplätze vereinbart wurde?

Haben wir nicht alle ein Recht zu wissen, was da für unser vieles Geld ausgemacht wurde? Schliesslich geht es nicht nur um die schon bekannten € 600 Mio die an die Lufthansa gehen, sondern noch um eine weitere Milliarde Euro für die Kosten der Kurzarbeit der AUA-Beschäftigten.

Oder:

Der „Best Buddy“ von Kanzler Kurz, Martin Ho, verrechnet schon Wochen vor dem entsprechenden Gesetz zur Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie, in seinen Restaurant „Dots“, den verringerten Steuersatz von nur 5 %. Ist da jemand schon wieder gleicher als gleich?

Nun muss der ebenfalls gute Freund und zuständige Minister Gernot Blümel prüfen lassen, ob Steuern auch korrekt bezahlt werden.

Im März versprachen Kanzler Kurz und Minister Anschober, dass die Zahl der Coronatest auf 15.000 pro Tag erhöht werde.

Am 2. Juli dann die Ankündigung, dass es 30.000 zusätzliche Tests pro Woche geben wird.

Getestet wurden seither im Schnitt zwischen 4.000 und 6.000 täglich.

Vielleicht kennt ja in der Zwischenzeit schon jeder jemanden, der zumindest getestet wurde.

Noch was, was mir „am Oasch geht“, hat nur indirekt mit der ÖVP zu tun.

Der „Markt“.

Und der vergrössert grad sowohl die Zahl der Arbeitslosen, als auch das Vermögen der Reichen und Superreichen.

Aber letztendlich betreibt genau diese türkise ÖVP jene Art von neoliberaler Politik auch in Österreich die zu folgenden Zuständen führt.

Innerhalb von nur 5 Minuten gingen 2 Meldungen über CNBC raus.

Nahezu die Hälfte der US-Bevölkerung hat keinen Job.

Die amerikanischen Milliardäre sind während der Pandemie um $ 434 Milliarden reicher geworden.

Der „Oasch“ hat auch seine Verewigung in manchen Lieder gefunden.

So haben Heller und Qualtinger gesungen:

 “Bei mir sad’s olle im Oasch daham”

und Sigi Maron hat in seiner „Ballade von ana hoatn Wochn“ das literarisch hochwertige Götz-Zitat seinem wienerischen Zungenschlag angepasst:

Leckt´s mi am Oasch

Zum Schluss noch eine sehr wienerische Bezeichnung für einen Menschen, den man nicht mag und die ihr jemanden zuordnen könnt, der euch dabei grad in den Sinn kommt:

Oasch mit Urn

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Passt´s auf eich auf und wehrt´s eich!

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1 thought on “oasch

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