Vorhang auf.

Ort der Handlung ist nicht der Kreml, sondern die private Residenz von Putin.

Der österreichische Bundeskanzler gibt dem russischen Präsidenten einen festen Händegriff und klopft ihm dabei auf die Schulter:

„Уважаемый Президент Путин, спасибо, что приняли меня.“

(Uvazhayemyy Prezident Putin, spasibo, chto prinyali menya/Sehr verehrter Herr Präsident Putin, danke, dass Sie mich empfangen.)

„Grüss dich, mit mir kannst du deutsch sprechen. Sag Vladi zu mir.“

„Gern. Ich bin der Karl“

„Karl ist gut. Das merk ich mir leicht. Ich kenn da ja noch so einen Karl aus den Alpen. Kannst du auch so gut skifahren wie der Schranz Karli?“

„Leider nein, ich üb noch. Ich hab mich erst unlängst mit ein paar Skilehrern am Katschberg getroffen.“

„Das ist aber schade für dich. Da wirst du wohl nicht mit einem Autokorso und von den Menschenmengen am Heldenplatz empfangen. Der Heldenplatz hat doch bei euch Tradition wenn ein Kanzler heimkommt und vom Balkon winkt. Und ich meine jetzt nicht den Leopold, weil der war ja beim Bellvedere, sondern den Anderen, den vorher. Du weisst schon, den, der sich dann bei Stalingrad eine blutige Nase geholt hat.“

Betretenes Schweigen.

„Also gut Karl, warum bist du überhaupt da. Was willst du von mir?“

„Ich soll dich von der Frau Kneissl schön grüssen lassen.“

„Kneissl? Wer?“

„Du warst auf ihrer Hochzeit

„Stimmt. Ich erinner mich. Da war was. Du kannst ihr ausrichten, sie darf sich die Ohrringe behalten. Willst du mich auch auf deine Hochzeit einladen?“

„Ich bin doch schon verheiratet und hab auch zwei Kinder.“

„Aha. Und trotzdem bist du jetzt da und soweit weg von Zuhause? Ich hab gehört, dass sich bei euch in Österreich Kanzler normalerweise aus der Politik zurückziehen, weil sie mehr Zeit mit der Familie verbringen möchten.“

„Meine Kinder sind ja schon gross. Und ausserdem hab ich ja die hervorragenden Personenschützer von der Cobra, die auf Frau und Kinder aufpassen und sich um alles kümmern. Die bringens zum Reiten und zum Klettern, holen Sachen aus der Reinigung und die feiern sogar miteinander.“

„Feiern ist gut. Soll ich Wodka bringen lassen?“.

„Nur, wenn dann die Leibwächter nicht mehr autofahren müssen.“

Der Wodka wird gebracht.

„ваше здоровье (vashe zdorov’ye/nastrovje)

„Prost“

Die Gläser werden geleert.

„Jetzt weiss ich noch immer nicht, warum du eigentlich hier bist? Willst du vielleicht den Sputnik-Impfstoff abholen, den dein Vorgänger bestellt hat?“

„Vorvorgänger. Dazwischen war ja der ehemalige und nunmehrige Aussenminister von und zu Schallenberg.“

„Schallenberg? Wer?“

„Aber nein Danke. Wir haben eh jede Menge Impfstoff, aber keine Leut mehr, die sich impfen lassen wollen. Und die Impfpflicht haben wir auch komplett vergeigt und jetzt haben wir halt Corona. Bald alle.“

Die Gläser werden gefüllt.

„ваше здоровье“

„Prost“

Die Gläser werden geleert.

„Also Karl, jetzt sag endlich, warum du wirklich da bist!“

„Weisst Vladi, bei uns ist es immer noch kalt. Nicht so kalt wie in Sibirien aber eben kalt. Die Menschen die in Österreich leben müssen einheizen. Da brauchen wir dein Gas.“

„Na siehst, geht doch. Warum nicht gleich.“

„Ich hab mir gedacht, du könntest vielleicht trotz der Sanktionen …“

„Kein Problem Karl. Wir machen das schon. Ihr habt da sicher ein paar fähige Investoren die mit einem von meinen Freunden auch gut Freund sind und gern Geschäfte machen. So ein Offshore-Konto ist ja schnell eröffnet.“

Die Gläser werden gefüllt.

Ein Mann in schwarz mit Knopf im Ohr nähert sich dem Präsidenten und flüstert ihm etwas zu.

Die Miene des Präsidenten verfinstert sich.

In einem deutlich strengeren Ton:

„Du Karl, ich höre da gerade, dass dein Aussenminister Schallenberg, dein Vorgänger, gesagt hat: good to tell putin face to face he has lost this war. Was genau meint er denn damit?“

Nehammer wird blasser.

 „Prost“

„ваше здоровье“

Die Gläser werden geleert.

Schweigen.

Räuspern.

„Also der Schalli … der Schallenberg, sagt ja viel, wenn der Tag lang ist. Der hat uns ja auch die Impfpflicht eingebrockt. Und dann lässt er Videos mit Atombomben auf Wien produzieren. Du weisst ja, wie kauzig so Adelige manchmal sein können…“

Die Gläser werden gefüllt.

„… und ich war da ja unlängst mit Freunden beim Wolodymyr in Kiew und …“

Putins Miene verfinstert sich weiter er steht erbost auf.

„Kein Wort von diesem Nazi … diesem Clown … diesem Kriegsverbrecher … ich lass die alle einsperren und schick sie nach Sibierien … und dann gibt’s auch kein Gas mehr …“

Nehammer nimmt sein Glas.

„ХОРОШО (Khorosho/OK) – Prost“

„ваше здоровье“

Die Gläser werden geleert.

„Jetzt setz dich wieder her da Vladi. Ich hab dir da eine Kiste Riesling mitgebracht. Ich glaub, jetzt ist der richtige Moment, dass wir da ein Flascherl aufmachen und wir miteinander d`Reblaus singen.

Vorhang.

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1 thought on “wenn einer eine reise tut …

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