schon seit längerer zeit werden an jedem monatsersten neue, höhere arbeitslosenzahlen veröffentlicht und rundum beklagt.

und niemand rechnet wohl noch ernsthaft damit, dass sich diese entwicklung demnächst wieder umkehrt und ausreichend arbeitsplätze für alle vorhanden sind.

 

das hat sich auch bis zum kanzler herumgesprochen:

„Die Politik müsse Antworten finden auf den Umstand, dass alte Unternehmen und Branchen durch neue ersetzt werden, die zum Teil mit weniger als der Hälfte der Beschäftigten ein Vielfaches an Wert erwirtschafteten.“

und:

„Die Verkäuferin an der Supermarkt-Kasse werde es in Zeiten der Scanner-Kassen bald nicht mehr geben, griff Kern ein Beispiel heraus. Aber auch dieser Verkäuferin müsse man eine Perspektive geben, und aus ihr werde kein Raketenbauer und kein Computeringeneur werden.“

jetzt gibt es aber auch stimmen die das anders sehen.

zb aus der industriellenvereinigung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt – Stichwort Industrie 4.0 oder das „Internet der Dinge“ – schafft Arbeitsplätze, bringt aber auch große Veränderungen mit sich, bei denen Bildung und Weiterbildung der Schlüssel sind, gibt die Industriellenvereinigung (IV) zu bedenken. Bestehende Berufe würden nicht obsolet, aber sie würden sich von Routine- zu Nicht-Routine-Tätigkeiten verschieben.

oder von Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer Robotik + Automation im Maschinenbauverband VDMA

„Unter dem Strich sei die Digitalisierung aber kein Jobkiller. Es gibt vieles, was der Roboter nicht kann, zum Beispiel Produktionsabläufe kreativ umstellen oder Tätigkeiten ausführen, die besonderes Feingefühl verlangen.“

„An der Gesamtzahl der Arbeitsplätze wird sich durch die digitale Transformation wenig ändern, Verschiebungen zwischen den Berufen sind hingegen nicht ausgeschlossen“, meint dagegen Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

oft wird auch, mit dem verweis auf die industrielle revolution, argumentiert, dass in der vergangenheit modernisierungen und produktivitätsfortschritte immer dazu geführt haben, dass neue und vor allem mehr arbeitsplätze entstanden sind.

 

dabei wird aber nicht erwähnt, dass damit auch immer arbeitszeitverkürzungen einhergingen.

im 19. jhdt waren täglichen arbeitszeiten bis auf 16 stunden gestiegen.

im jahr 1885 galt in österreich für fabriksarbeiter ein elfstundenarbeitstag.

erst 1918 wurde der achtstundentag gesetzlich verankert. 6 tage pro woche.

im jahr 1959 wurde die wochenarbeitszeit auf 45 stunden verkürzt und 1975 die 40-stunden-woche beschlossen.

1985 wurde für einzelne Branchen auch kürzere arbeitszeiten (38 stunden) vereinbart.

 

interessant in diesem zusammenhang auch die entwicklung der unselbständig erwerbstätitigkeit.

so hat sich die anzahl der erwerbstätigen seit 1945 (1,75 mio) bis heute verdoppelt (2015: 3,609.200)

 

dabei hat sich seit dem jahr 1994 die anzahl der vollzeitarbeitsplätze von 2,737.800 bis zum jahr 2015 auf 2,589.900 verringert.

gleichzeitig ist die zahl der teilzeitbeschäftigten von 403.300 auf 1,019.300 gestiegen.

also anteilig von 12,8 % auf 28,2 %

überspitzt ausgedrückt zeigt das, dass faktisch eine unfreiwillige (kalte) arbeitszeitverkürzung OHNE lohnausgleich bereits in vollem gang ist.

 

paradoxerweise befindet sich aber die „wirtschaftskompetente“ ÖVP und mit ihr vizekanzler und wirtschaftminister mitterlehner am weg vorwärts in die vergangenheit und fordert eine tägliche höchstarbeitszeit von 12 stunden

 

teile des koalitionspartners spö, konkret die spö-wien, dagegen, hat am letzten parteitag einen antrag zur einführungt der generellen 35-stunden-woche angenommen.

bzw. weiterführend die stufenweise und ehestmögliche Einführung der 30 Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich!

 

mancherorts gibt es diese arbeitszeitverkürzung bereits bzw. versuche, studien über deren auswirkung.

mit unterschiedlichen interpretationen.

„Im Büro von Maria Rydén liegen nun die Studienergebnisse des Sechsstundenprojekts auf dem kleinen Holztisch. Für sie sind es 39 doppelt bedruckte Seiten purer Genugtuung: Die Studie zeigt, dass 17 neue Pflegekräfte eingestellt wurden, um die Stundenreduzierung aufzufangen. Das kostet die Stadt 13,2 Millionen schwedische Kronen, umgerechnet etwa 1,4 Millionen Euro. Die Krankenrate des Personals ist gerade mal um 0,6 Prozent gesunken. Viele andere Ergebnisse der Studie sind fragwürdig.“

diametral anders dagegen folgende stellungnahme:

„Jahrelang wurde uns gesagt, das ein Acht-Stunden-Tag optimal sei“, fasst der Geschäftsführer des Krankenhauses, Anders Hyltander, seine Erkenntnisse aus dem Experiment zusammen. „Aber ich glaube, wir sollten diese Ansicht hinterfragen und sagen ‚Ja, so ist es jetzt, aber wenn wir die Produktivität erhöhen wollen, sollten wir offen für neue Ideen sein.‘“

Das Toyota-Werk in Göteborg hat ein ähnliches Modell schon vor 13 Jahren umgesetzt und auch beim örtlichen Internet-Startup Brath arbeiten die Angestellten seit 2013 nur noch 30 Stunden pro Woche. Bei beiden Firmen sind dadurch sowohl die Produktivität der Mitarbeiter als auch der Gewinn gestiegen. Das zeigt, dass der Sechs-Stunden-Arbeitstag auch für Firmen geeignet ist, die komerzielle Erfolge vorweisen müssen.

und daniel bernmar, stellvertretender bürgermeister von göteborg fasst zusammen:

„Weniger Krankenstände, weniger Überstunden, größere Zufriedenheit: Das sind die Ergebnisse des Pilotprojekts „Sechs-Stunden-Arbeitstag“

 

angesichts dieser aussagen stellt sich die gretchenfrage:

ist die generelle arbeitszeitverkürzung auf 30 wochenstunden der stein der weisen und die lösung des problems?

 

nur bedingt.

 

Ingrid Kurz-Scherf, emeritierte Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Marburg meint etwa:

„Es stelle sich die Frage, ob das Konzept der „Arbeitszeitverkürzung“ nicht schon längst von einer von der Wirtschaft diktierten reinen Diskussion über „Flexibilisierung“ abgelöst worden sei. (anmerkung: siehe mitterlehner)

Sei es, verkürzt gesagt, die Idee der Industrialisierung gewesen, mit immer weniger Arbeit immer mehr Wohlstand zu erreichen, habe man dieses „große Versprechen der Moderne aufgegeben“. Heute werde es als „Fluch“, nicht als „Privileg“ gesehen, keine Arbeit zu haben. In der Industrie 4.0 werde die „Digitalisierung als Maßstab des Fortschritts“ genommen –jene Digitalisierung, die Arbeit, wie wir sie bis jetzt kennen, weitgehend unnötig machen könnte. Nur dort, wo „sich gekümmert“ werde, also im Pflege- und Bildungsbereich, entstünden überhaupt noch neue Jobs“.

 

eine offene, aber wesentliche frage im zusammenhang mit einer generellen arbeitszeitverkürzung betrifft nun teilzeitbeschäftigte (und somit fast 30 % aller beschäftigten), und wie sich dies auf deren arbeitszeiten und verdienst auswirken könnte.

 

das durchschnittliche bruttoeinkommen von vollzeitbeschäftigten ergibt unter berücksichtigung von sonderzahlungen einen stundenlohn von € 16,80.

teilzeitbeschäftigte (bei einer annahme einer wöchentlichen arbeitszeit von 21 std.) erhalten einen durschnittlichen stundenlohn von nur € 10,57.

 

würde sich ein „voller lohnausgleich“ bei einer arbeitszeitverkürzung auch auf teilzeitkräfte dementsprechend auswirken und deren situation verbessern?

 

und da stellt sich jetzt – und besonders in bezug auf die veränderungen durch die digitalisierung – die generelle frage, ob die „regelarbeitszeit zu grossen teilen ohnehin nur mehr auf dem papier besteht?

vor allem dann, wenn man davon ausgeht, dass ca. 2/3 aller vollzeitbeschäftigten (mit zunehmenden ausmass pauschaliert) überstunden leistet. insgesamt also weniger als ein viertel aller arbeitnehmer eine 40-stunden-woche absolviert.

 

angesichts dieser fakten muss die lösung „arbeitszeitverkürzung“ wohl deutlich in frage gestellt werden.

 

und was machen wir jetzt?

 

ohne jetzt auf neue alternative formen der verteilung von produktivitätsgewinnen wie das BGE (welches von mir nicht als utopie, sondern als notwendigkeit gesehen wird) einzugehen und um im klassischen, auch kurzfristig wirksamen „verteilungskampf“ zwischen arbeitgebern und arbeitnehmern lösungen anzubieten, erscheint ein mindestlohn in der höhe von € 15,-/stunde als lösungsmöglichkeit.

 

beispielgebend dafür wären gesetzliche regelungen, die in den „kapitalistischen“ vereinigten staaten beschlossen wurden.

bis zum jahr 2020 werden in den bundesstaaten new york und kalifornien die mindestlöhne schrittweise auf $ 15,-/stunde erhöht.

 

gerade auch im zusammenhang mit der gerade geführten diskussion um die mindestsicherung ist festzuhalten:

nicht die mindestsicherung ist zu hoch – die löhne sind zu niedrig!

 

in diesem sinne:

bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

und passt´s auf eich auf!

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