heute erspar ich euch meine manchmal seltsamen schriftlichen hervorbringungen und lenke euer interesse auf ein essay, welches vor allem beim letzten zitierten absatz an aktualität nichts verloren hat.

in der abfolge ausschliesslich originalzitate, welche mein denken und handeln deutlich beeinflusst haben und noch beeinflussen.

Für die Furcht gilt ohne Wenn und Aber, dass sie so allgemein wie physiologisch ist. Sie ist eine sowohl geistige als auch körperliche Reaktion und sie befällt Tiere nicht weniger als Menschen.

Jeder erwachsene Mensch sollte in der Lage sein, ohne Furcht und Vorurteil so viele Entscheidungen über so viele Aspekte seines Lebens zu fällen, wie es mit der gleichen Freiheit eines jeden anderen Menschen vereinbar ist.

Der Liberalismus der Furcht betrachtet den Missbrauch öffentlicher Macht in allen Regimes mit dem gleichen Unbehagen. Ihn beunruhigen die Exzesse der offiziellen Funktionsträger auf allen Ebenen des Staates und er unterstellt ihnen die Neigung, Arme und Schwache besonders stark zu belasten; das wird nur allzu deutlich, vergleicht man die Geschichte der Armen mit der Geschichte der Eliten. Jedes Blatt im Buch er politischen Geschichte rechtfertigt die Annahme zur Genüge, dass es immer Vertreter staatlicher Behörden geben wird, die sich im Grossen wie im Kleinen regelmässig gesetzwidrig und brutal verhalten werden, wenn man sie nicht daran hindert.

Der Liberalismus der Furcht geht von einem summum malum aus, das wir alle kennen und nach Möglichkeit zu vermeiden trachten Dieses Übel ist die Grausamkeit und die Furcht, die sie hervorruft, und schliesslich die Furcht vor der Furcht selbst.

Systematische Furcht macht Freiheit unmöglich und nichts ist furchterregender als die Erwartung institutionalisierter Grausamkeit.

Die Grenze zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten ist ganz offensichtlich alles andere als fix. Das gilt besonders dann, wenn man die Macht nicht vergisst die Wirtschaftsunternehmen auf sich vereinen, die ja im Grunde öffentliche Organisationen sind. Ihren Charakter und ihre Macht erhalten sie aus Gesetzen und nur dem Namen nach sind sie nichtöffentlich. Sie mit einem beliebigen Einzelhandelsgeschäft zu vergleichen, ist es nicht wert, ernsthaft diskutiert zu werden.

Wenn Bürger, zumal in einer Demokratie, einzeln und vereint handeln sollen, um gegen staatliches Unrechttun und Machtmissbrauch zu protestieren und ihm entgegenzutreten, braucht sie ein gehöriges Mass an Selbstvertrauen, Sturheit und moralischem Mut, um sich wirksam behaupten zu können.

Die Sorge um die Freiheit des Menschen kann nicht bei den Bedürfnissen der eigenen Gesellschaft oder des eigenen Clans haltmachen.

Die Rechtsstaatlichkeit ist das wichtigste Werkzeug, um Regierungen in ihre Schranken zu verweisen. Die Repressionsmittel haben mit der technischen Entwicklung Schritt gehalten. Wir haben von Folter und Verfolgung heute genauso viel zu befürchten wie zu allen anderen Zeiten.

Man muss die Grausamkeit an erste Stelle setzen, die Furcht vor der Furcht verstehen und in der Lage sein, beides überall zu erkennen. Rücksichtslose „Bestrafung“ und die staatliche Verweigerung der grundlegendsten Mittel zum Überleben, ob nun bei uns oder anderswo, sollten uns dazu bewegen, den Praktiken aller staatlichen Funktionsträger nicht weniger kritische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als den Kriegsgefahren hier und überall.

Sollte ich mich wie Cesare Beccaria anhören oder wie irgendein anderer Flüchtling aus dem 18. Jahrhundert, ist es gut möglich, dass ich die gleiche Art von Berichten über die Methoden von Regierungen gelesen habe wie sie. Die Auslandsnachrichten der New York Times genügen vollauf, ebenso wie die Beschreibungen der überall ungebrochenen Vorherrschaft von Rassismus, Xenophobie und systematischer Regierungsbrutalität. Es ist mir unverständlich, wie politische Theoretiker oder politisch wachsame Bürger solches ignorieren können und nicht dagegen Einspruch erheben.

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