ich weiss, es gibt wichtigeres.

wenn sich allerdings pseudoliberale marktbefürworter darüber aufregen, dass der „markt“ nicht funktioniert, kann ich daran nicht kommentarlos vorbei gehen.

 

sepp schellhorn, seines zeichens nationalratsabgeordneter der NEOS und hotelier, bekennender anhänger des freien marktes, ist so einer.

 

die tourismusbranche freut sich über ein rekordsommerergebnis.

und arbeitet mit hochdruck in den schneekanonen an einem ebensolchen im kommenden winter.

ja wenn da nicht der angebliche fachkräftemangel wäre.

 

der arbeits“markt“ gibt also nicht her, was der tourismus“markt“ braucht.

 

angeblich fehlen allein in tirol 900 köche und insgesamt sind über 7.000 stellen unbesetzt.

und diese situation besteht nicht erst seit dem jahr 2017.

 

wenn ich jetzt den mechanismus des marktes richtig verstanden habe, dann regelt die nachfrage das angebot.

oder auch umgekehrt – irgendwie.

konkret: wenn die nachfrage nach köchen steigt, sollte dementsprechend das angebot an die vorhandenen arbeitskräfte steigen, um die offenen stellen zu besetzen.

immerhin sind etwa 60.000 arbeitssuchende im gastronomiebereich beim ams gemeldet.

ganz offensichtlich klafft da zwischen angebot und nachfrage eine lücke.

den gesetzen des marktes entsprechend müssten also löhne steigen und arbeitsbedingungen für köch*innen verbessert werden, um diese jobs für beschäftigte attraktiver zu machen.

dem ist aber nicht so.

im gegenteil. in kaum einer anderen branche sind löhne und arbeitsbedingungen so schlecht wie in der gastronomie.

und jener besagte neoliberale abgeordnete beklagt sich nun auf facebook über den mangel an personal, handelt aber nicht dem marktgesetzen entsprechend und verbessert das angebot für potentielle arbeitskräfte, sondern sucht die schuldigen für diese situation überall sonst, nur nicht bei den arbeitgebern.

 

so beklagt er sich über die 13 %ige MWSt auf nächtigungen, eine verlängerte AfA und die hohen lohnnebenkosten.

jetzt einmal abgesehen davon, dass wir alle auf fast alles 20 % MWSt bezahlen, ist es doch so, dass der tourismus auch deswegen so gut funktioniert, weil der staat, also wir alle, durch eine in österreich hervorragende infrastruktur und hohe sicherheitsstandards dafür sorgt, dass sich gäste wohl und sicher fühlen.

das kostet geld und muss auch von jemandem bezahlt werden.

da sollten auch die davon profitierenden ihren anteil dazu beitragen.

im konkreten fall eben die tourismusbranche.

 

der herr schellhorn weiss auch, wer an der misere schuld ist.

die gewerkschaft. aber nicht nur. auch die „schwarzen“ finanz- und wirtschaftsminister.

also eh alle ausser er selber.

 

aber er weiss, wie die misere zu lösen wäre.

Schon lange fordere ich ein Umdenken sowohl hinsichtlich des Arbeitsmarktes als auch bzgl. Öffnung der Türen in Richtung mehr Flexibilität.

und mit flexibilität meint er „Arbeitszeitflexibilisierung“.

und um präziser zu sein:

x Flexibilisierung der Kollektivverträge und Stärkung von Betriebsvereinbarungen,

x eine Tageshöchstarbeitszeit von max. 12h bei gleichbleibender Wochenhöchstarbeitszeit,

x das Schaffen von Jahresarbeitszeitmodellen, der Durchrechnungszeitraum für Überstunden soll auf ein Jahr ausgedehnt werden.

 

da braucht man nicht lange darüber nachdenken um zu erkennen, dass diese flexibilisierung auf kosten der arbeitnehmer*innen hinausläuft.

höhere tagesarbeitszeiten und weniger bezahlte überstunden.

 

irgendwie hab ich aber da den eindruck, dass das mit den gesetzen des marktes nicht ganz konform geht.

das personal soll noch mehr arbeiten und noch weniger bezahlt bekommen.

dabei müsste es doch, wie ich das gesetz von angebot und nachfrage verstehe, umgekehrt sein.

 

und ich frag mich:

wer hat da was falsch verstanden?

 

in diesem sinne:

bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

und passt´s auf eich auf!

hier das posting von sepp schellhorn im originalwortlaut:

Schön, wenn sich Wirtschaftsminister Mahrer heute noch darüber freut, dass „Österreich mit der hohen Qualität unserer Betriebe sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ im Ausland punktet, jedoch möchte ich ihm mitteilen: nicht mehr lange, lieber Herr Minister!

Jahrzehntelang haben die Gewerkschaften Tourismus-Bashing betrieben. Die ganze Branche wurde schlecht gemacht, der Köchemangel/Fachkräftemangel im Tourismus ist nun das Endprodukt dieses Schlechtmachens. Ich sage es immer und immer wieder und in aller Klarheit: ohne Nicht-Österreicher wird es nicht gehen, geht es schon längst nicht mehr!

Die Tourismusbranche in Österreich steht vor vielen Hürden, z.B. sind die Lohnnebenkosten zu hoch und auch die verlängerte AfA und die Erhöhung der Nächtigungs-MwSt auf 13 Prozent wurden immer von schwarzen Finanz- und Wirtschaftsministern mitgetragen beziehungsweise sogar vorangetrieben. Wirtschaftsminister Mahrer weiß also – theoretisch – was wirklich zu tun wäre.

Und ganz wichtig: Die Lehre muss insgesamt wieder „aufgewertet“ werden. Wir müssen die Tourismusbranche wieder attraktiv machen – dazu auch das Stichwort „Arbeitszeitflexibilisierung“.

Schon lange fordere ich ein Umdenken sowohl hinsichtlich des Arbeitsmarktes als auch bzgl. Öffnung der Türen in Richtung mehr Flexibilität. Ebenso muss die Vermarktung Österreichs neu gedacht werden – Tourismus und Landwirtschaft müssen endlich ihre Mittel bündeln.

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