Heut gehts amal nicht um Politik. Und auch nicht – wie der Titel vielleicht vermuten liesse – um Musik. Ich widme mich heut einem mir beruflich nahestehendem Thema – dem Sport.

Und um genau zu sein, dem Fussball. Und um ganz genau zu sein, dem Erfolg von Red Bull Salzburg in der Euro-League.

 

Prolog – zum Verständnis

Natürlich hab ich als Bub Fussball gespielt. Wie damals üblich im „Käfig“. Bei der räumlich nahegelegenen Vienna auf der Hohen Warte hab ich für die Schülermannschaft ein Training absolviert. Mit vernachlässigbarem Erfolg. Ich war eindeutig nicht talentiert genug. Im Gegensatz zu einigen meiner Mitschüler. Einer davon hat es dann sogar bis in die Nationalmannschaft geschafft (Peter Meister). Ein anderer immerhin bis in die Kampfmannschaft der Austria. Ich bin dann leistungsmässig bei der Jugend von Semperit in „da Gruam“ (Hochstädtplatz) als „Aussenpracker“ gelandet. Später dann in der ersten Klasse Nord/West in Niederösterreich. Insgesamt wurde in den von mir bespielten Ligen eher eine rustikale Form des Kickens gepflogen. Ziel war, wenn schon nicht den Ball, dann zumindest den Gegner zu treffen.

Eine Meniskusoperation (und im Jahr 1977 hiess das noch 10 Tage Krankenhausaufenthalt, eine 10 cm Narbe am Knie und keine Garantie eines erfolgreichen Ausgangs) später war dann Schluss mit der ohnehin nicht sehr aussichtsreichen Karriere als Möchte-Gern-Fussballstar. Trotz oder wegen des zum Glück erfolgreichen Eingriffs (im, von der AUVA betriebenen, Lorenz-Böhler-Krankenhaus) an meinem linken Knie.

 

Neben Familienplanung und dem Streben auch eine ökonomisch erfolgreiche Berufskarriere hinzukriegen, suchte ich also auch eine neue sportliche Herausforderung. Die fand ich dann innerhalb der damals noch üblichen 4 Mauern eines Squashcourts. Vorerst noch ohne besondere Ambitonen. Das sollte sich aber binnen weniger Jahre ändern. Weil wenn ich einmal Blut geleckt habe, kann ich ein ziemlich sturer Hund sein. Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt hab, kann die Mauer durch die ich mit diesem durch will, gar nicht dick genug sein. Das kann dann zwar auch mit einer blutigen Nase oder einer dicken Beule enden, aber manchmal auch damit, dass in der Mauer ein derart grosses Loch entsteht, durch das ich dann durch kann. So auch in diesem Falle. Die Zeugen meiner Hartnäckigkeit (Staatsmeisterschaftsmedaillen, Pokale usw.) lagern heute in einer IKEA-Tasche in meinem Keller.

 

Ich erkannte dann aber sehr bald, dass mein grösstes Talent nicht in der, auch durch das fortschreitende Alter begrenzten, physischen Leistungsfähigkeit liegt, sondern vor allem im taktischen und technischen Bereich. Und meiner Fähigkeit nicht nur mich selbst, sondern auch andere zu motivieren und mitzureissen. Fast zwangsläufig entwickelte sich daraus eine Trainer- und Coachingtätigkeit, die in einem Fulltime-Job endete. Eine viersemestrige staatliche Trainerausbildung und mit einem dementsprechenden Diplom ausgestattet liess dies auch ganz hochoffiziell werden. Und um auch ein bissl pathetisch zu werden: Nicht ohne Stolz blicke ich auf eine lange erfolgreiche Trainerkarriere zurück. Mehr als 10 österreichische Staatsmeistertitel, Jugendtitel, Nationaltrainer in Österreich und Kroatien, Teilnahme an mehreren Welt- und Europameisterschaften, Trainerausbilder für den europäischen Verband, Entwicklungshelfer in Litauen, Weissrussland, Ukraine und vor allem Kroatien, auf weltweiter Tour mit Squashprofis.

Die schönsten Momente waren immer jene, wenn junge Sportler*innen, die ich sozusagen aus der Krabbelstube zum Erfolg begleiten durfte.

Genug der Selbstbeweihräucherung.

Jetzt zum eigentlichen Thema.

Der gestrige Fussballabend in Salzburg.

 

Ja, ich weiss, der moderne Fussball präsentiert sich oft von einer ziemlich unsympathischen Seite. Mehr als 100 Millionen Euro Ablöse für einen Fussballer sind angesichts armer oder gar verhungernder Kinder in aller Welt mehr als nur unappetitlich. Das Scouting-System wie es heute betrieben wird, hat mehr mit Menschenhandel zu tun als mit Talenteförderung. Die Vergabe von Fussball-Grossveranstaltungen sind ein Musterbeispiel für Korruption und Geschäftemacherei, von der auch Lichtgestalten wie der „Kaiser“ betroffen sind. Ungustiöse Selbstdarsteller wie FIFA-Chef Blatter oder der eine oder andere auffällige „Präsident“ eines Vereines nutzen den Fussball als Bühne.

Das Fussball-Buisness ist eine entlarvende Fratze unserer neoliberalen kapitalistenschen Gesellschaftsordnung.

Kein Brot (für alle) – nur Spiele!

 

Auch in Österreich.

Ich erinnere mit Schaudern an „nochamoi“ Stronach bei der Wiener Austria und zwielichtige Gestalten bei Traditionsvereinen wie der Vienna oder Sturm Graz.

Auch die „Dosenbrause“ hat mit dem Engagement im Fussball sicher keine altruistischen Hintergedanken.

Fussball als Geschäftsmodell.

Der Versuch dem zu entgehen endet – wie zb beim Wiener Sportklub – in einer der unteren Leistungsstufen.

 

Jetzt bin ich zwar blond und blauäugig, aber nicht so blöd um nicht zu verstehen, dass ohne ausreichende finanzielle Ausstattung erfolgreicher Leistungssport nur sehr bedingt und nur unter Aufbringung grosser persönlicher Entbehrungen möglich ist. Vor allem in Randsportarten. Den wenigen Erfolgreichen stehen Armeen an Gescheiterten gegenüber.

Gerade in Mannschafts-Spielsportarten ist aber sportlicher Erfolg trotz grosszügigster Geldmittel  nicht garantiert.

Geld schiesst keine Tore!

Das mussten auch die Salzburger Fussballer in den letzten 10 Jahren mit den vielen vergeblichen Anläufen zur Champions-League zur Kenntnis nehmen.

Düdelingen lässt grüssen!

Alle nationalen Erfolge der Bullen in letzten Jahren verblassten angesichts dieses Umstandes.

 

Bis gestern.

Der vorläufige Höhepunkt einer aussergewöhnlichen Entwicklung.

Eine Entwicklung, die meines Erachtens bereits im vorigen Jahr begann und die auch mit dem Glücksfall der Abwerbung des „Erfolgstrainers“ Oscar Garcias vor Saisonbeginn zu tun hat.

Erst dadurch konnte der erfolgreiche Nachwuchstrainer Marco Rose zum Cheftrainer aufsteigen.

Mit ihm wurde die UEFA-Youth-League gewonnen. Ein Erfolg, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ergebnis seiner erfolgreichen Arbeit, von der er jetzt, nach dem üblichen Abgang einiger Leistungsträger (Laimer, Lazarro) profitiert, auf die er aufbaut und die er fortführt. Einige der neuen Helden kommen direkt aus dieser erfolgreichen Mannschaft. Betonung auf Mannschaft.

Schon vor dem gestrigen Spiel zeigte sich zb auch gegen Borussia Dortmund, dass sich hier etwas Besonderes abzeichnet.

Marco Rose hat offensichtlich nicht nur besondere fachliche Fähigkeiten und das notwendige „Gspür“ für die Zusammensetzung von Trainerteam und Mannschaft, sondern auch das Glück (des Tüchtigen) auf seiner Seite.

Die gestrigen Bilder vom Spiel und anschliessend aus der Kabine lassen mein Trainerherz höher schlagen.

Für diese kurzen Momente war Fussball wieder Sport und Spiel und nicht Buisness!

Möge dieser Zustand noch oft wiederkehren.

Auch in Marseille oder gar Lyon.

 

 

Epilog

 

Noch einige besondere Schmankerl bzw Gedankengänge zum gestrigen Spiel:

 

Salzburg gewinnt gegen Lazio – Lazio liegt in der italienischen Meisterschaft vor AS Roma – Roma hat den FC Barcelona im Semifinale der Championsleague ausgeschalten – also ist Salzburg besser als Barcelona.

 

Der „grosse Bruder“ aus Leipzig hat ja im Viertelfinale verloren – mit insgesamt sechs ehemaligen Salzburg-Spielern

Peter Gulascsi, Dayot Upamecano, Naby Keita, Konrad Laimer, Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker.

 

Ironie wäre, wenn der durch die internationalen Erfolge der Salzburger gesicherte Fixplatz in der Königsklasse in der Saison 2019/20 an Rapid, Sturm oder Austria gehen würde.

 

Und ganz zum Schluss kann ich mir folgendes nicht verkneifen:

Ich bin mir fast sicher, dass da einige, die jetzt dieser Mannschaft zujubeln nicht begreifen, dass es sich dabei um ein Musterbeispiel von Internationalität handelt. Nur 3 (!) Spieler sind autochtone Österreicher – der Rest inkl. Trainer lauter „Ausländer“!

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

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