Am heissesten Tag des Jahres schafft es der Uralthit „Schifoan“ aus dem Jahr 1976 von Wolfgang Ambros an die Spitze der Charts in Österreich.

 

Das ist in vielerlei Hinsicht interessant, skurril und bezeichnend.

 

Die Ironie, sozusagen am Höhepunkt der den Klimawandel symbolisierenden Hitzewelle einen Song über die Lieblingstätigkeit der/s Österreicher*innen, die Schnee und Kälte erfordert und es absehbar immer weniger Gelegenheiten und Möglichkeiten dafür geben wird, an die Spitze zu pushen, ist irgendwie typisch österreichisch. Aber auch unbeabsichtigt.

 

Ausschlaggebend für diesen „Charterfolg“ ist ein Interview in der „Süddeutschen“, in dem er sagt:

„Bin mir sicher, dass es viele braune Haufen in der FPÖ gibt“

Die darauf folgenden Reaktionen der sich betroffen fühlenden Politiker, aber auch des bekennenden Fussvolkes sprechen Bände. Man ist beleidigt, sagt sich los vom Volkstroubadour und vernichtet die gehorteten Tonträger. Die darauf erfolgende Solidarisierungswelle führt in Direttissima zur Nr. 1.

 

Jetzt ist die politische Haltung „unseres Wolferls“ ja nicht unbedingt was neues und daher auch nicht überraschend. Er befindet sich damit in Gesellschaft mit seinen Hawaran Fendrich und Danzer, wie überhaupt vielen Stars des Austropop.

Viele seiner/ihrer Songs sind durchaus politisch und zeigen seine/ihre Antipathie für rechtes Gedankengut.

 

Bemerkenswert ist allerdings in diesem Zusammenhang, dass es nicht die Oppositionsparteien sind, die diese Solidarisierung des „anderen“ Österreichs zustande bringen. Auch, wenn sich da jetzt einige als Trittbrettfahrer des Protesterfolges betätigen.

Ambros hat mit seiner Kritik mehr Authenzität und Glaubwürdigkeit als Kern, Pilz und die Neos gemeinsam je haben werden.

 

Musterbeispiel für diese abhanden gekommene Glaubwürdigkeit ist die SPÖ und ihr neues Parteiprogramm.

Die SPÖ will sich als Verfechter einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft positionieren und setzt dabei auch auf eigentlich Grüne Kernkompetenzen wie den Klimaschutz.

Vergessen sind die Zustimmung zu CETA und der 12-Stunden-Tag im Plan A.

Vergessen sind das Bestehen auf dem Lobautunnel oder die Zustimmung zur 3. Piste in Schwechat.

Vergessen auch, das alles andere als tolerante und weltoffene Alkoholverbot am Praterstern oder die verfehlte Wohnbaupolitik in Wien.

Ein bisserl gesellschaftsliberal und ein Auftritt auf der Regenbogenparade reichen aber bei weitem nicht.

„Das Herz der Sozialdemokratie schlägt nicht am Ballhausplatz, sondern an den Ziegelteichen am Wienerberg“, formulierte Kern und beweist damit, dass er ganz offensichtlich keine Ahnung hat, was die Menschen am Wienerberg bewegt.

 

Bezeichnend auch, dass aus dem Burgenland sofort konterkariert wird.

„Wir dürfen keine grün-linke Fundi-Politik betreiben. Da schaffen wir uns selbst ab.“ lässt Doskozil seinem Parteivorsitzenden via Kronen Zeitung (!) ausrichten.

Klimaschutz als „grün-linke Fundipolitik“?

Ob er auch weiss, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Neusiedler See hat?

Die Änderung der Jahresmitteltemperatur in Neusiedl für 2020 beträgt 1.9 °C und für 2040 2.5 °C , wobei die Erwärmung im Winter und im Sommer etwas stärker ausgeprägt ist als in den Übergangsjahreszeiten. Aber bereits die Periode 1991 bis 2004 war im Jahresmittel um 0.7 °C wärmer als die Klimanormalperiode. Zusätzlich war in dieser Periode die Jahresniederschlagssumme um rund 6 Prozent geringer als in der Klimanormalperiode.

Zum Beispiel würde der See bei einer ständigen Aufeinanderfolge des extrem trockenen Jahres 2003 (ca. 60% weniger Jahresniederschlag als im Mittel 1961-1990) nach 4-6 Jahren weitgehend austrocknen.

 

Da überrascht es dann auch nicht mehr, wenn im Kapitel 4 des Zukunftsprogramms, dass unter dem Titel „Gute Arbeit für alle“ firmiert, der Geist des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts weht.

Vollbeschäftigung schaffen durch ein Recht auf gute Arbeit für alle.

Der Götze „strukturelle Erwerbsarbeit“ bleibt unangetastet. Alle Erwartungen bzw. Befürchtungen über den Wegfall von Arbeitsplätzen durch Robotic und Digitalisierung scheint es nicht zu geben.

Arbeitszeitverkürzung läuft unter:

Die Arbeitszeit soll den Bedürfnissen des jeweiligen Lebensabschnitts, den gesundheitlichen Voraussetzungen sowie den sich wandelnden unterschiedlichen Lebensweisen entsprechen.

Schwammiger geht nicht.

Konkrete Aussagen über Arbeitszeitverkürzungen oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen fehlen.

Selbst Alt-ÖGB-Präsident Foglar erscheint da fortschrittlicher. Er sagt zur Frage BGE in der Pressestunde vom 9.7.:

Wir müssen uns rasch diesem Thema widmen.

Wir haben immer die technische Entwicklung und Innovation im Auge aber nie, dass wir eine soziale Innovation brauchen.

Wir haben einen viel zu eng definierten Begriff von Arbeit.

Wir brauchen den Start dieser Diskussion und sollten als Gesellschaft gemeinsam solche Modelle entwickeln.

 

Und ich könnt da noch eine zeitlang so weiterschreiben was die fehlende Glaubwürdigkeit der SPÖ betrifft.

 

Es ist also nicht allein die „Lichtgestalt“ Kurz, oder die Unverfrorenheit von Strache & Co die dafür sorgt, dass unsere Gesellschaft immer repressiver und ungleicher wird. Es liegt auch am fehlenden Gegenentwurf einer solidarischen, gerechten Gesellschaft. Es wäre die Aufgabe der SPÖ als grösster Oppositionspartei diese Alternative zu skizzieren.

Dazu ist sie offensichtlich nicht mehr in der Lage.

Gut also, dass es „abgehalfterte“ Menschen wie Wolfgang Ambros gibt.

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf!

 

PS: am 2. Platz der Charts findet sich übrigens mit Bella Ciao eine Hymne der anarchistischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Bewegung.

Das lässt hoffen, dass noch nicht alles verloren ist.

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