Nationalfeiertag

 

Den wenigsten ist eigentlich bewusst, was heute gefeiert wird.

Es heisst Nationalfeiertag.

Als ich in die Schule ging, hiess es noch Tag der Fahne. Irgendwann in den 70ern wurde daraus Fit mach Mit und der Nationale Wandertag.

Hauptsache Feiertag und die Möglichkeit eine Herbsturlaub zu geniessen.

Das deckt sich auch mit den Gründen für das Datum dieses Feiertages.

 

Es hätte nämlich viele andere, plausiblere Möglichkeiten für einen Nationalfeiertag gegeben.

Den 8. Mai, an dem die Naziherrschaft kapituliert hat. Oder den 15. Mai, den Tag der Staatsvertragsunterzeichnung.

Aber der Mai war aufgrund der ohnehin vielen Feiertage eher unerwünscht.

Irgendwas im Herbst.

So hat man sich auf den 26. Oktober geeinigt. Lange hielt sich die Legende, dass das mit dem Abzug der letzten Befreiungssoldaten begründet ist.

Das stimmt nur bedingt.

Es ist der Tag der Unterzeichnung des (erzwungenen/erpressten) Neutralitätsgesetzes.

Erzwungen/erpresst deshalb, weil es ohne diese Neutralität keine Zustimmung der Sowjetunion zum Staatsvertrag gegeben hätte.

 

Diese „immerwährende“ Neutralität ist in den 63 Jahren seit diesem Beschluss ganz fest ins „Nationalbewusstsein“ von Herrn und Frau Österreicher eingesickert.

Gleich nach der wunderschönen Landschaft und den Erfolgen unserer SkifahrerInnen kommt unsere Neutralität in der Aufzählung für die Gründe des Nationalstolzes.

Wir sind neutral!

Alle bei uns sind neutral! (also fast – nur die NEOS tanzen da ein bissl aus der Reihe)

Wir sind alle ein Neutron!

Wir sind so neutral, dass sich diese Neutralität von ganz rechts bis ganz links erstreckt.

In der Neutralität sind sich sogar FPÖ und KPÖ einig.

Dabei ist es völlig egal, ob diese Neutralität noch besteht (was nach dem EU-Beitritt stark bezweifelt werden muss) und ob es sinnvoll ist neutral zu sein.

Aber die vom Staat Österreich gelebte Neutralität, passt irgendwie auch gut zur Mentalität grosser Teile der Bevölkerung.

Wir tun oft neutral, auch wenn wir in Wirklichkeit nur feig sind.

Wir ergreifen nicht Partei für eine Seite

Wir sind nicht links und nicht rechts.

 

Zumindest wird das oft so argumentiert.

Aber natürlich ist die tatsächliche Verhaltensweise NICHT neutral.

Ganz im Gegenteil.

Es wird immer Partei ergriffen.

Für oder gegen „Flüchtlinge“

Für oder gegen Sozialabbau.

Für oder gegen Klimaschutz.

Für oder gegen.

Frei nach Watzlawick: Man kann nicht nicht Partei ergreifen.

 

Wobei ich an diesem Punkt eingestehe, dass gerade die Wiener Mentalität eine nahezu buddhistische Bewusstseinserweiterung verinnerlicht hat

MIA IS WUASCHD

Das ist mir bekanntermassen sehr sympathisch, ist aber was anderes als Neutralität.

 

 

 

Wir feiern heute also eigentlich nicht die Nation sondern die Neutralität – oder so halt.

Aber wir tun so, als ob wir die Nation Österreich feiern würden.

Weil warum würds sonst Nationalfeiertag heissen?

Eh wuaschd – weil wir sind ja neutral.

 

Da werden dann von diversesten Würdenträgern salbungsvolle Reden gehalten und unser Bundesheer hält am Heldenplatz eine Leistungsschau.

Wir regen uns auf, wenn jemand von einer „Nazion“ schreibt.

Gerade jene, die irgendwann einmal von der Missgeburt der Nation Österreichs gesprochen haben, gebieren sich in Rot-Weiss-Rot, auch wenn sie bei diversen Anlässen mit Rot-Schwarz-Gold auf der Brust durch die Gegend stolzieren.

Wahrscheinlich auch, weil sie neutral sind.

 

Und ich nehm mir das Recht heraus, diesem Feiertag ganz neutral gegenüber zu stehen. Mehr noch:

Mia is a wuaschd!

 

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Und passt´s auf eich auf

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