Mütter haben manchmal was ziemlich nerviges.

Komm nicht zu spät nach Hause – trink nicht zuviel – lern was Ordentliches – hast du die Hausaufgaben schon gemacht – räum dein Zimmer zusammen – und und und …

Mütter haben oft ganz andere Vorstellungen von unserem Leben als wir selbst. Sie meinen es aber  immer nur gut mit uns. Manchmal zu gut.

Und trotzdem lieben wir unsere Mütter – meistens.

Und wir wissen, dass wir von unseren Müttern geliebt werden.

Was wir wirklich an ihnen haben, wissen wir meist erst, wenn sie einmal nicht mehr da sind.

Angela Merkel hat sich den Spitznamen „Mutti“ wirklich redlich verdient.

Und ich denke, die Deutschen und wir alle in Europa werden erst wissen, was wir an ihr hatten, wenn sie sich völlig zurückgezogen hat.

 

Am 22. November sind es exakt 13 Jahre, dass sie als Bundeskanzlerin angelobt wurde.

Zur Erinnerung:

2005 stirbt Johannes Paul II und Deutschland wird Papst. Bayern München wird deutscher Fussballmeister, war Nokia weltgrößer Handyhersteller, Apple brachte den I-Pod auf den Markt und Sebastian Kurz war gerade einmal 19 Jahre alt.

13 Jahre, die schlechter hätten sein können.  Viele können sich an ein Deutschland ohne Merkel auch gar nicht mehr erinnern. In Ihre Amtszeit fällt typischerweise der 4. deutsche Fussballweltmeistertitel ebenso wie das frühzeitige Ausscheiden in der Vorrunde der letzten Weltmeisterschaft oder der oftmalige Titel Export-Weltmeister.

 

Ihr „Wir schaffen das“ wird in die Geschichtsbücher eingehen. So wie Gorbatschows „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ oder Kennedys Ich bin ein Berliner“.

 

Gefallen ist dieser Satz im Jahr 2015.

Angesichts einer der grössten Herausforderungen der sich Deutschland und Europa im neuen Jahrtausend zu stellen hatten. Vergleichbar mit dem Mauerfall und wahrscheinlich auch den Erfahrungen geschuldet, die Angela Merkel in diesen schwierigen Zeiten machte.

 

Merkel ist und war Zeit ihres Lebens eine Pastorentochter. Im positiven wie im negativen. Sie hatte die Finanzkrise im Jahr 2008 zu meistern und Deutschland wirtschaftlich und politisch als Stabilitätsfaktor in der EU und weltweit etabliert. Gleichzeitig muss man aber kritisieren, dass sie nichts gegen den wachsenden Niedriglohnsektor und die wachsende Altersarmut unternommen hat. Sie war/ist die personifizierte „schwäbische Hausfrau“ – sparsam und sorgfältig.

 

Menschlichkeit, Bescheidenheit, Anständigkeit, Ehrbarkeit, Pflichtbewusstsein.

Eigenschaften, die ebenfalls zur schwäbischen Hausfrauen gehören.

Eigenschaften, die ihr Handeln im Zuge der grossen Fluchtbewegung 2015 prägten und ihr nun von ihren politischen Gegnern negativ ausgelegt werden.

Vor allem von jenen, die sich auf die christliche Tradition und die „deutschen“ Werte berufen.

Bei aller Kritik, und es lassen sich in 13 Jahren Amtszeit je nach Standpunkt mehr oder weniger Kritikpunkte finden, ist festzuhalten, dass Angela Merkel das Bild, dass die Welt von Deutschland hatte, ins positive verändert hat. Sie ist das freundliche, biedere und vor allem menschlichere Gesicht das Deutschland auch zu bieten hat.

 

Mit der nun gewählten Vorgangsweise, nicht noch einmal für den Vorsitz der CDU zu kandidieren, bereitet sie den Weg für eine geordnete Übergabe. Das passt zu ihr. Rechtschaffen und um Ordnung bemüht.

 

Wie so oft wird auch bei ihr gelten:

Es kommt nix bessers nach!

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