Soko Chemnitz

 

Vor einem Jahr hat die Gruppe Politicalbeauty direkt vor dem thüringischen Anwesen von AfD-Landeschef Björn Höcke 24 Betonstelen enthüllt – in Anlehnung an das Berliner Holocaust-Mahnmal, das der Politiker als „Mahnmal der Schande“ bezeichnet hatte.

 

Jetzt sorgt ein neues Projekt für viel Aufregung.

 

Während normale Menschen arbeiten, triben tausende Arbeitnehmer oder Staatsdiener Ausländer durch Chemnitz, attackieren Presse und Polizeibeamte und grüßen Hitler.

So steht das in der Headline

Das Schönste an dieser Aktion ist die Hilflosigkeit des Publikums.

„Das ist Satire! “

„Nein, Kunst!“

„Nein, Denunziation! Nazi-Methoden!“

„Nein, Stalinismus!“

„Nein, Genialität! “

„Nein, Aufklärung!“

 

Danke für die Möglichkeit, irritiert zu sein!

 

Keineswegs gehe es dem ZPS (Zentrum für politische Schönheit) um eine Diskreditierung aller Demonstrierenden von Chemnitz, so die Verantwortlichen, sondern darum, die echten Neonazis darunter zu identifizieren – um der Legendenbildung vorzubeugen, hier wären durchschnittliche Deutsche marschiert.

 

Das Zentrum für politische Schönheit provoziert mit diesem Online-Pranger gegen Rechtsradikale.

Der rechte Mob schäumt vor Wut.

Und der sächsische Innenminister sieht sogar die Gesellschaft gefährdet.

Nicht etwa: die Atmosphäre der Einschüchterung und Dominanz der Rechtsextremen Ende August gefährden den Zusammenhalt in Sachsen, sondern die Aktion „Soko-Chemnitz“

Darf Kunst soetwas, um gesellschaftliche Probleme sichtbar zu machen?

 

Grundsätzlich darf Kunst alles!

So, wie Satire alles darf.

 

Hier wird zugespitzt und auf die Spitze getrieben. Ohne Zweifel.

Aktionen, mit denen Menschen kreativ auf eine Veränderung der Verhältnisse hinwirken, hat Joseph Beuys einst selbst als Kunstform bezeichnet, als Soziale Plastik.

 

Wenn man bedenkt, dass die AfD zur Denunziation von Lehrern auf ihren Portalen aufruft, dann ist der Aufschrei der Rechten und Rechtsradikalen mehr als nur scheinheilig. Das ist an Doppelmoral kaum zu überbieten.

 

Ganz offensichtlich sind derartige Provokationen notwendig.

 

Mitglieder des Zentrums für politische Schönheit waren selbst auf der Todesliste des Bundeswehrsoldaten Franco A. verzeichnet. Wie kann es also sein, dass es kaum Berichte über eine bestehende „Schattenarmee“ innerhalb der Bundeswehr gibt und es jetzt gleichzeitig einen Sturm der Entrüstung?

 

Wie kann es sein, dass sich, trotz Haftbefehlen, 467 gesuchte Neonazis auf freiem Fuss befinden?

99 Personen werden wegen eines oder mehrerer Gewaltdelikte gesucht, 108 wegen politischer Delikte.

Die Behörden gehen davon aus, dass sie in Zukunft ähnliche Straftaten begehen.

Die Zahl der gesuchten Neonazis ist deutlich gestiegen: von 253 auf jetzt 467.

 

Auch darum:

Der Zeit ihre Kunst – der Kunst ihre Freiheit.

 

P.S.:

Die Protestaktion des Berliner Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) gegen umstrittene Holocaust-Aussagen des AfD-Politikers Björn Höcke hat vorerst keine juristischen Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen stellte das Ermittlungsverfahren gegen einzelne Mitglieder der Künstlergruppe wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlich begangenen versuchten Nötigung ein. Es bestehe dafür kein hinreichender Tatverdacht, sagte ein Sprecher dem Evangelischen Pressedienst.

 

AKTUALISIERUNG 5.12.2018 – 16.20 Uhr:

IT WAS A HONEYPOT

Danke liebe Nazis

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