Jetzt stellt euch einmal vor, jemand wie ich schreibt einen derartigen Brief:

An unsere wohlhabenden Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Das Coronavirus breitet sich weltweit aus. Ihr könntet einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. Nein, ihr seid nicht diejenigen, die sich in Intensivstationen um die Kranken kümmern. Ihr fahrt nicht die Rettungsautos, die Patienten zu den Krankenhäusern bringen. Ihr füllt nicht die Regale in den Supermärkten auf und ihr liefert auch kein Essen aus. Aber ihr habt Geld. Viel davon. Geld, das jetzt und in den nächsten Jahren dringend gebraucht wird.

Wir– das sind genau jene, die den angesprochenen Beitrag in der Krise leisten – fordern unsere Regierungen auf, die Steuer für Menschen mit viel Geld zu erhöhen. Sofort. Deutlich. Dauerhaft.

Die Auswirkungen dieser Krise werden für Jahrzente zu spüren sein. Sie könnte mehr als eine halbe Milliarde Menschen in die Armut treiben. Hunderte Millionen Menschen verlieren ihre Jobs, weil Unternehmen zusperren, manche dauerhaft. Schon jetzt sind fast eine Milliarde Kinder nicht in den Schulen.

Wir müssen unsere Welt neu ausbalancieren, bevor es zu spät ist. Wir werden keine zweite Chance dafür bekommen.

Also bitte. Besteuert die Reichen. Besteuert die Reichen. Besteuert die Reichen.

Es ist der richtige Weg. Es ist der einzige Weg.

Die Menschheit ist wichtiger als euer Geld.

Welches Geschrei würde da seitens der Verteidiger der Leistungsträger anheben. Neiddebatte wäre wohl noch das Gelindeste. Als Kommunisten (!) würde man mich beschimpfen.

Ich hab diesen Brief nicht geschrieben. Ich hab ihn nur ganz klein wenig geändert.

Geschrieben und unterzeichnet wurden er von 83 Millionären der Initiative „Millionäre für die Menschheit“.

Aus unterschiedlichsten Ländern.

Aus Österreich findet sich niemand auf dieser Liste.

Noch nicht?

Hier der Originalwortlaut:

To Our Fellow Global Citizens:

As Covid-19 strikes the world, millionaires like us have a critical role to play in healing our world. No, we are not the ones caring for the sick in intensive care wards. We are not driving the ambulances that will bring the ill to hospitals. We are not restocking grocery store shelves or delivering food door to door. But we do have money, lots of it. Money that is desperately needed now and will continue to be needed in the years ahead, as our world recovers from this crisis.

Today, we, the undersigned millionaires, ask our governments to raise taxes on people like us. Immediately. Substantially. Permanently.

The impact of this crisis will last for decades. It could push half a billion more people into poverty. Hundreds of millions of people will lose their jobs as businesses close, some permanently. Already, there are nearly a billion children out of school, many with no access to the resources they need to continue their learning. And of course the absence of hospital beds, protective masks, and ventilators is a painful, daily reminder of the inadequate investment made in public health systems across the world.

The problems caused by, and revealed by, Covid-19 can’t be solved with charity, no matter how generous. Government leaders must take the responsibility for raising the funds we need and spending them fairly. We can ensure we adequately fund our health systems, schools, and security through a permanent tax increase on the wealthiest people on the planet, people like us.

We owe a huge debt to the people working on the frontlines of this global battle. Most essential workers are grossly underpaid for the burden they carry. At the vanguard of this fight are our health care workers, 70 percent of whom are women. They confront the deadly virus each day at work, while bearing the majority of responsibility for unpaid work at home. The risks these brave people willingly embrace every day in order to care for the rest of us requires us to establish a new, real commitment to each other and to what really matters.

Our interconnectedness has never been more clear. We must rebalance our world before it is too late. There will not be another chance to get this right.

Unlike tens of millions of people around the world, we do not have to worry about losing our jobs, our homes, or our ability to support our families. We are not fighting on the frontlines of this emergency and we are much less likely to be its victims.

So please. Tax us. Tax us. Tax us. It is the right choice. It is the only choice.

Humanity is more important than our money.

The Signers

Ich finde diese Position der Unterzeichner auch deshalb bemerkenswert und richtig, weil es sich dabei nicht um „Wohltätigkeit“ handelt, sondern um handfeste rechtliche dauerhafte Veränderungen im Gesellschaftsgefüge.

Es würden damit nicht nur jene Reichen zur Kassa gebeten, die ohnehin freiwillig ihren Teil beitragen wollen, sondern auch jene, die sich mit allen rechtlichen und oft auch illegalen Möglichkeiten nutzen um ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Ich fürchte, bei vielen Regierungen dieser Welt (natürlich auch bei unserer neoliberalen türkisen und grünen Koalition) wird dieser Brief als Ressonanz maximal ein Lippenbekenntnis hervorrufen.

Trump, Bosonaro, Johnson, Orban und natürlich Kurz werden deswegen nicht einmal mit der Wimper zucken.

Manche werden vielleicht schöne Worte finden und danach wieder zur Tagesordnung übergehen.

Der Umverteilung von unten nach oben. Dem Raubzug der Reichen und Superreichen an den Einkommen der Mittel- und Geringverdiener.

Bereits im Jahr 2014 gab es einen ähnlichen Brief von Amazon-Mitgründer Nick Hanauer an seine Mitmilliardäre.

Er schrieb unter anderem:

In der gesamten Menschheitsgeschichte gibt es kein Beispiel dafür, dass sich Reichtum so anhäufte und nicht irgendwann die Mistgabeln rausgeholt wurden.

Seit 2014 hat sich diese Ungleichheit noch deutlich vergrössert.

Und so wie es aussieht rückt der Tag – auch durch die von Covid19 ausgelöste Wirtschaftskrise – näher, an dem die Menschen ihre Mistgabeln hervorholen werden.

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