Gestern, am 1. April, verkündete die GPA-djp voller Stolz den Kollektivvertragsabschluss für die Sozialwirtschaft

Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA-djp: „Es handelt sich um einen guten Abschluss mit Verantwortung.“

Nein, das ist KEIN Aprilscherz.

Also eine Arbeitszeitverkürzung in 2 Jahren von der derzeit geltenden Normalarbeitszeit pro Woche von 38 Stunden auf 37 Stunden.

EINE Stunde Arbeitszeitverkürzung!!!

Statt der geforderten und berechtigten 35-Stunden-Woche.

Überwältigend!

Was bedeuten die 2,7 % Lohnerhöhung?

Diplomierte Pflegefachkräfte erhalten ein Durchschnittsgehalt von brutto € 35.900,-/jährlich (mtl. netto € 1.782,87)

Als Altenpfleger/in in Vollzeit-Anstellung verdient man in Österreich in der Regel zwischen brutto € 1.587,– (netto 1.276,79) und € 2.645,– (netto 1.825,82) 

Das ergibt also eine durchschnittliche Lohnerhöhung zwischen € 41,85 und € 71,42 brutto.

Ergibt netto 1.302,89 bzw. 1.863,83 und somit eine spürbare Lohnerhöhung zwischen € 26,10 und € 38,01 monatlich.

Ungefähr 20 Monate arbeiten, um sich einmal den Friseur von Bundeskanzler Kurz leisten zu können.

Und die „CORONA-Prämie“ in der Höhe von € 500,- als Belohnung für zusätzlichen Arbeitsstress und erhöhtes Ansteckungsrisiko erscheint angesichts der tatsächlichen Belastungen für Arbeitnehmer*innen auch nicht gerade als angemessen.

Ist doch auch zu beachten, dass diese Prämie ebenfalls durch Sozialversicherungsabgaben und dem Sondersteuersatz für das Jahressechstel verringert wird.

Ein zusätzliches Monatsgehalt wäre als mindeste Abgeltung für diese „Systemerhalter“ angebracht.

Die GPA schreibt:

Wir bleiben aber bei unserer Forderung nach einer 35-Stunden-Woche und sie wird als Forderung in die Verhandlungen 2022 Eingang finden. Unser Dank gilt den tausenden Beschäftigten, die sich an den Streiks und Maßnahmen beteiligt haben und ohne die dieser Abschluss nicht zustande gekommen wäre.

Die GLB (Gewerkschaftlicher Linksblock in ÖGB und AK) zeigt sich ob dieses Abschlusses verärgert.

„Verantwortungsbewusst gegenüber sich selbst und ihrer Klient*innen Gesundheit haben sie ohne großes Aufsehen und Murren an 10. März die Verhandlungen und Proteste auf Nach-Corona unterbrochen. Jetzt dankt man´s ihnen mit einem Drei-Jahresabschluss, mit geringen finanziellen Brosamen und einer lächerlichen Arbeitsverkürzung in drei Jahren. Dass viele betroffene Kolleginnen und Kollegen enttäuscht sind und sich geneppt fühlen ist mehr als verständlich“

Ausserdem wird die Forderung nach einer Urbastimmung gestellt.

„Urabstimmung! Damit sichtbar wird, ob die aus den unterschiedlichsten Bereichen kampfbereiten Kolleginnen und Kollegen das Ergebnis mittragen oder ein Zurück zum Arbeitskampf verlangen.“

Eine Forderung, die nur allzu verständlich ist.

Verantwortungsbewusstsein in schwierigen Zeiten ist selbstverständlich angebracht und niemand wird aktuell auf Streiks beharren.

Dieser überfallsartige Kollektivvertragsabschluss steht aber gegen die Interessen der Beschäftigten und war derzeit nicht notwendig.

Wer braucht eine Gewerkschaft, die gegen die Interessen ihrer Mitglieder handelt?

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