irgendwie is es ja schon a bissl skurril.

aber irgendwie is es ja auch spannend.

ich war bei der fashion-show vom giorgio armani. in mailand. just for one day.

ich mein, ein bissl deppad muss ich schon sein – da krieg ich nicht einmal einen anruf, sondern nur eine textmessage und ich lass alles stehen und liegen und setz mich in bewegung.

„u want me to ask for a guest list for the show on the 19th?“

einer meiner ex schützlinge vom squash, der gut, sogar sehr gut war, aber halt nicht weltklasse, hatte vor einigen jahren beschlossen, dass er mit dem, was er am besten kann, nämlich schön sein, in zukunft sein geld verdient. mit durchschlagendem erfolg. gehört er jetzt doch schon regelmässig zu den gesichtern von armani.

und irgendwann hab ich ihm so beiläufig erzählt, dass ich mir so eine show schon gern einmal anschauen tät.

weil es die karten für so eine show ned neinfach zum kaufen gibt und es weltweit ein gedränge um die einladungen gibt, ist das halt nicht so einfach und hat bis jetzt nicht geklappt,

bis halt zum freitag abend.

und nach meinem yes dann am samstag die definitive nachricht:

„u r in – show starts monday at 12.00“

na dann

sofort hab ich gecheckt wie ich denn rechtzeitig nach mailand komm.

mit dem auto 1.000 km? klar geht – ist aber schon sehr mühsam.

der gipfel der dekadenz wär fliegen – es gibt sicher ganz zeitig einen flug – auch preislich halbwegs erträglich – trotzdem nein.

also mit der guten alten eisenbahn. der check ergibt, dass es einen nachtzug mit ankuft 9.10 in mailand gibt – perfekt. und retour am montag um 20.40 ankunft 8.46 in wien – weil ich muss ja auch was arbeiten und das ist kein urlaub.

und das ganze dann noch sparschiene.

mein schlechtes gewissen über meine jet-set-allüren verflüchtigt sich wieder ein bissl

die montagtermine sind schnell verschoben und die vorbereitungen beginnen.

wobei – ich brauch ja eigentlich nix mitnehmen – wozu?

also ja hut und sonnenbrille.

und a zahnbürstel.

vielleicht noch ein 2 t-shirt damit ich nach der bahnfahrt ned ganz so zerknittert ausschau.

pass, kreditkarte, zigaretten.

aber was zieh ich an? was zieht mann dort an?

hätt ich einen armani-anzug im kasten wärs einfach – hab ich aber nicht.

und überhaupt – einen anzug tragen dort sicher nur die securities.

ausserdem hat man mir mitgeteilt, dass es in mailand ziemlich heiss ist 35°

am besten short und t-shirt.

short?

männer in shorts schauen mitunter ziemlich peinlich aus – also keinesfalls shorts.

die abgefuckteste zerrissenste in meinem besitz befindliche jean wär eine möglichkeit.

oder meine 501er – mit der is ma immer und überall korrekt gekleidet.

nach reiflicher abwägung der möglichen zu erwartenden situation entscheid ich mich dann für schlichtes schwarz an den beinen, dazu ein schwarzes t-shirt und die chucks.

 

der sonntag abend war dann schnell da und ich am bahnhof.

ich fahr ja eher selten zug, war aber wunderbar – nahezu ausgeschlafen empfing mich mailand.

ab in die metro – auch eine seltene erfahrung für mich – richtung via bergognone 59 und da ich noch jede menge zeit hatte ein erster stop um mir einen originalen italienischen espresso macchiato einzuverleiben.

der erste von mehreren an diesem tag. und alle meinen erwartungen entsprechend. und jeder um nur € 1,-. offensichtlich gibt’s in mailand ein espressokartell.

ich kündige meine ankunft an und ersuche um weitere instruktionen.

ich soll um halb zwölf vor dem eingang sein – und wenns los geht, einfach meinen namen sagen.

gesagt getan.

und was soll ich sagen – irgendwie wie im fernsehen.

die strasse von der polizei abgesperrt.

menschen hinter diesen absperrungen.

luxusautos fahren nacheinander vor.

promis steigen aus.

fotografen und kamerateams lauern auf bilder, interviews werden geführt.

und wie erwartet – die komplette staff inkl. security in schwarzen anzügen, schwarzen hemden und schwarzen krawatten.

fast – weil einige sind gleicher und dürfen weisse hemden tragen.

ich verdrück mich irgendwo an die seite und lass das alles ein bissl wirken.

die reichen und die schönen.

und ich.

dann geht’s los und die mit den weissen hemden machen den cerberus und sieben aus der menge jene, die auf der „liste“ stehen.

ich merk aber schnell, dass es da drei unterschiedliche klassen von besuchern gibt.

die celebreties – die gehen einfach über den imaginären roten teppich rein, wie sie grad kommen.

dann gibt’s welche mit persönlichen einladungen. ich vermute grossteils einkäufer aus allen herren länder – zumindest schliess ich das aus dem aussehen.

und zum schluss solchene wie mich.

die aus irgendwelchen gründen grad noch auf die gästeliste gerutscht sind.

alles miteinander sehr bunt, sehr schräg, sehr dekadent.

was mir aber jetzt ziemlich egal ist.

ich bin dabei.

ich stolziere durch die schaulustigen in die heiligen hallen der männermodewelt.

und es sind wirklich hallen.

das theatro armani ist gefüllt bis auf den letzten winkel.

irgendwo oben auf dem juchee krieg ich dann ein platzerl.

dann wird’s finster.

nach knapp 20 minuten ist der spuk auch schon wieder vorbei.

 

wirklich beeindruckend an der gschicht ist der aufwand der da betrieben wird und die professionalität mit der alles abläuft.

da wird nichts dem zufall überlassen.

die frage, ob der aufwand gerechtfertigt ist und wie sich das mit meinen „werten“ verträgt, verdräng ich tunlichst. meine neugier und auch meine eitelkeit wollen schliesslich auch irgendwie befriedigt werden.

 

beim rausgehen dann wieder die schaulustigen und die paparazzi.

es wird geknipst, was der auslöser hergibt.

wobei eh einE jedeR der/die da rauskommt, abgebildelt wird.

sogar ich.

my minute of fame!

 

gleich ums eck in der via tortone gibt’s eine bar, wo nur die nichtitaliener draussen sitzen.

also ich.

ein tramezzini, minerale con gas und dann der obligate espresso macchiato.

und ein haufen von den leuten, die diese bar frequentieren oder auch nur auf der strasse umherlaufen schauen aus, als ob sie grad vom laufsteg gesprungen wären.

 

ich ergeb mich den eindrücken und wart auf auf meinen ex-schützling.

der muss noch ein paar „shootings“ machen.

und irgendwann kommt er dann angerannt.

verschwitzt – weils ja heiss und schwül ist.

und wie wir da so sitzen hab ich dann die nächsten „aha-erlebnisse“

da passierts tatsächlich, dass leute die vorbeigehen um ein foto mit dem „star“ bitten.

also nicht mit mir – mit ihm.

aber noch ärger ist, als er sich das verschwitzte t-shirt auszieht und er dann mit nacktem oberkörper herumsitzt.

der „cola-light-man-effekt“

da drücken sich doch glatt einige mädels an den fenstern des gegenüberliegenden bürogebäudes die nasen platt.

irgendwie kann ich das alles nicht glauben.

ich hab wirklich geglaubt, dass gibt’s alles nur im fernsehen.

 

wir haben uns dann an einen weniger prominenten ort verzogen, den nachmittag mit viel plaudern über vergangene zeiten und übers modell- und modebuisness verbracht.

er fliegt am nächsten tag für eine woche nach new york zu einem booking und dann nach istanbul.

gekommen ist er aus kapstadt.

da gabs aufnahmen fürs cover von mens-health.

 

ich bin dann wieder zum bahnhof.

sparschiene nach wien.

heim in meine welt.

 

es war spannend, es war aufregend, es war interessant.

ich täts wieder machen.

also nur, wenn ichs nicht eh schon gemacht hätte.

jetzt, da ich das kenn, muss ich es nimmer haben.

einmal reicht.

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