weil da ist mir doch ganz zufällig unlängst ein foto in die hände gefallen.

ein ziemlich altes.

das klassenfoto aus meiner ersten klasse volksschule aus dem jahre neunzehnhundertzweiundsechzig.

da steht hinten drauf „echte photographie“.

und vorn drauf sieht man neunundzwanzig sechsjährige und einen der freiwillig viel länger in die schule gegangen ist.

wobei mir aber sehr leid tut, dass da dieser lehrer drauf ist. weil der ist nur zufällig drauf.

weil eigentlich sollte da meine volksschullehrerin drauf sein. die frau fischer. aber die war gerade krank.

und das tut mir leid. weil die hab ich gemocht die frau fischer. und ich denk sie mich auch. was bei lehrern dann in weiterer folge nicht mehr vorgekommen ist. mögen und gemocht werden.

 

das ganze ist symetrisch angeordnet. in der mitte der lehrer mit einem buben und einem mädl vor sich.

links und rechts je zwei reihen schüler und schülerinnen und davor eine reihe auf sesseln.

die in der ersten reihe sitzen ganz brav auf ihren sesseln und alle haben die hände im schoß verschränkt.

alle schauen in die kamera und grinsen dümmlich.

der fotograf war ein echter künstler.

aber das interessante ist ja eigentlich nicht das foto selbst, sondern die geschichten die so ein foto erzählen kann.

was ist aus wem geworden.

und war das schon in der ersten klasse zu erahnen was da wird?

 

also bei einigen ganz sicher.

da ist z.b. der dürr walter.

der schaut schon auf dem taferlklassenfoto mehr wie ein lehrer aus wie ein lehrer nur aussehen kann. der war dann auch vorzugschüler. immer nur lauter einser. und wie er einmal keinen einser sondern einen zweier auf ein diktat bekommen hat, ist er in tränen ausgebrochen. der walter ist dann auch als einziger bub aus unserer klasse ins gymnasium gegangen und ist auch wirklich lehrer geworden. in der zwischenzeit hat er es zum direktor einer hauptschule gebracht und ist öaab-personalvertreter.

dafür hat er nicht fussballspielen können. nicht einmal fürs tor hat er getaugt.

 

ganz anders ist es dem scheu helmut gegangen.

sein vater war polizist. ein ganz ein strenger. mit den einsern war es aber trotzdem nichts. aber der „hömerl“ hat tierischen stress gekriegt, wenn in der schule nicht alles so gelaufen ist wie der papa das wollte. und natürlich hätte der helmut polizist werden sollen.

ist er natürlich nicht. der scheu ist mit mir dann auch noch in die hauptschule gegangen. hat sich ganz passabel geschlagen. hat eine automechanikerlehre begonnen und war einer der ersten bei uns am platz der eine mc5 gehabt hat. aber da hat er schon gekifft. und die lehre hat er auch nicht fertiggemacht. sein geld hat er dann mit dealen verdient. aber nicht lang. in marokko hat er sich den goldenen schuss gesetzt. was sein polizistenvater dazu gesagt hat weiß ich nicht.

 

oder da ist dann noch der nidetzky peter.

das „opfer“. ein bisserl sprachstörungen und mit den zahlen hat er es auch nicht so gehabt. heute weiß ich, dass das typische zeichen für legastheniker sind. damals war der nur einfach „deppat“. und von zuhaus ist da auch nichts gekommen, dass ihm geholfen hätte. die haare zur stoppelglatze geschert. die kleidung eher ein bisserl schmuddelig. und nie ein wurstbrot. beim fussballspielen hätt er sich mit dem dürr auf ein packerl hauen können, wenn der das gewollt hätte. hat er aber nicht. so sind die beiden dann immer jeder für sich irgendwo herumgestanden. heut steht der klassendepp alles andere als deppat da. maurer ist er geworden. und in der firma wo er gearbeitet hat war er der verlässlichste und beste den der chef je gehabt hat. aber kinder hat er keine gehabt der chef. und einen narren hat er gefressen am peter. und dann hat er in adoptiert. und heute ist er der chef von einer riesen baufirma.

 

interessant ist auch die geschichte vom strobach heinzi.

der war in der schule eher so einer von den unauffälligen. er war halt immer dabei. irgendwie. nach der hauptschule hat er koch/kellner gelernt. im sacher. und kaum war er mit der lehre fertig ist er weg. auf ein schiff. da war er auch dann eine zeitlang. und heute ist er direktor vom besten hotel in san francisco. auch net schlecht.

 

und dann die mädels.

da ist einmal meine erste große liebe. aber nicht nur die meine. fast alle knaben in der klasse haben sie zur favoritin erkoren.

die köpf brigitte.

sie war eine ganz eine putzige braunhaarige und -äugige die immer viel gelacht hat. und fünfmal hab ich anrand genommen um ihr das erste busserl reinzudrucken. und zum glück haben sich unsere mütter ganz gut verstanden und so haben wir auch ausserhalb der schule kontakt gehabt. wir haben auch manchmal allein miteinander gespielt. vater, mutter, kind. onkel doktor. so hab ich meine ersten sexuellen erfahrungen gemacht.

nach der volksschule hab ich sie erst einmal aus den augen verloren. und heute tät ich mich in sie sicher nicht mehr verlieben. sie ist eine ganz biedere hausfrau mit drei kindern geworden. mindestens 30 kilo übergewicht und ein gesicht das zehn jahre älter ausschaut als sie ist. einen mann der sie hinten und vorne betrügt – zwar nicht schlägt – aber ihr das haushaltsgeld nach bedarf kürzt um es mit huren durchzubringen. ihr größtes glück ist es, wenn sie beim millionenquiz eine frage weiß und die mallakoff-torte bei der aida im sonderangebot ist.

 

noch eine brigitte. die dirsch.

die hat mir ins stammbuch geschrieben, mach es wie die sonnenuhr, zähl die heiteren stunden nur. eigentlich wär sie prädistiniert gewesen für eine karriere wie der dürr walter. auch lauter einser. die brigitte hat dann aber medizin studiert und dann ein stipendium in amerika bekommen. und dann dort ihre große liebe gefunden und lebt jetzt auf der anderen seite des teiches. und gut soviel ich weiß.

 

ganz schlimm hat es die eva erwischt.

von der weiß ich den nachnamen aber nicht mehr.

die war immer so eine kleine quirlige, die everybodys darling sein wollte. in frühpubertären zeiten war es auch die eva die von den frühreifen buberln immer „ausgegriffen“ wurde. das war schon was, in der garderobe der eva unter den rock greifen. das ist das onanieren daheim unter der decke dann viel besser gegangen.

und irgendwann einmal haben ihr halt nicht nur wir buben unter den rock gegriffen, sondern auch schon männer. und zuerst nur für zuckerln oder schokolade und dann für geld.

gelandet ist sie dann zuerst am gürtel und dann im prater.

 

und wenn ich so zurückdenk, war es halt in der ersten klasse nicht zu ahnen was da wird.

und wissen tu ich es auch heut nicht.

weil ich weiß bloss von dreien auf dem foto was aus ihnen geworden ist.

und von denen findet sich keiner da oben wieder.

es könnt durchaus sein, dass der hölmerl polizeioffizier ist und der nidetzky als sandler dahinvegitiert. nur beim dürr bin ich mir ziemlich sicher. aber wetten tät ich da auch nicht.

ich denk mir halt nur, dass das hätte gut so passieren können.

oder auch nicht.

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