in der SZ argumentiert Alexandra Borchardt nicht ganz unpolemisch:

 

„Dieses Paradies könnte allerdings eine Falle sein. Denn ein Einkommen zementiert die soziale Schichtung. Ein Anreiz entfällt, sich aus eigener Kraft von den Fesseln der Staatsstütze zu befreien, etwas zu wagen, zu gründen, sich zu bilden, seinen Kindern eine bessere Zukunft zu erkämpfen. Warum dafür ins Zeug legen, wenn es sich doch auch so bescheiden leben lässt?“

 

sie übersieht dabei (ob absichtlich oder unabsichtlich lass ich dahingestellt), dass die einzementierung in soziale schichten in unseren derzeitigen systemen (harzIV in deutschland, die mindestsicherung in österreich) nicht nur eine passive, sondern durch repressalien eine aktive ist.

die vorhandenen kraftressourcen werden für den täglichen kampf ums überleben aufgebraucht.

behördenschikanen, niedriglöhne (working poor) und soziale ausgrenzung nehmen diesen menschen jede freiheit und kraft, sich verstärkt um die befreiung aus ihrer existenzbedrohenden situation anzunehmen.

der kampf ums tägliche leben steht für die meisten dominant im vordergrund und verdrängt alles andere zur nebensache.

 

erst das bedingungslose grundeinkommen schafft auch für diese menschen die möglichkeit sich vermehrt mit der „sozialen einzementierung“ auseinander zu setzen.

 

warum fragt sich die autorin nicht, ob arbeitsloses einkommen, wie es im fall des oberen 1 % der gesellschaft fraglos in grossem ausmass vorhanden ist, zur degeneration und antriebslosigkeit führt?

oder sieht sie in dieser gruppe die gefahr des müssiggangs nicht oder es gar als erstrebenswerte lebensart?

 

der artikel zeigt durchgehend eine sicht aus einem privilegierten zugang zu beruf, bildung und gesellschaft, der von der lebensrealität vieler menschen keine ahnung hat.

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1 thought on “ist das grundeinkommen nur ein märchen?

  1. behördenschikanen, niedriglöhne (working poor) und soziale ausgrenzung nehmen diesen menschen jede freiheit und kraft, sich verstärkt um die befreiung aus ihrer existenzbedrohenden situation anzunehmen.

    A: so es Behördenschikanen in Ö wirklich gibt, treffen diese alle gleich. Keinen Zugang zum Golfclub zu haben oder anderen Dingen der obersten 10% sind wohl nicht als soziale Ausgrenzung zu verstehen. In Österreich gibt es kaum unverschuldete Existenz-bedrohende Verhältnisse. Diese überzeichnete Darstellung ist genau das Problem; wenn jemand jahrelang 60-80/ Woche arbeitet, bleibt ihm keine Zeit zur Weiterentwicklung; aber bei 40h/ Woche dh 8-16h Mo-Fr, mit 18-22h tgl frei und WE ebenso, kann man innerhalb einiger Jahre einiges bewerkstelligen !

    der kampf ums tägliche leben steht für die meisten dominant im vordergrund und verdrängt alles andere zur nebensache..

    A: der „Kampf“ um das tägliche Leben von eingen Menschen, die sich das antun, zahlt den Großteil der Steuern für die, die sich das nicht antun wollen/können.
    Ich habe jetzt seit dem Studium ca 40-60h / Woche gearbeitet, um mir eine akademische Karriere aufzubauen; habeVieles in meiner Freizeit unbezahlt gemacht, konnte keine Familie gründen. Das war hart, aber ich bereue es nicht. Ich habe in frühen Jahren entschieden, dass das Leben großteils einfach anstrengend ist, daran kann man nur reifen, und lernt, sich so auch an kleinen Dingen freuen. Das Geld, das ich heute verdiene, ist schön, aber ich habe gelernt, dass die Dinge, auf die ich stolz bin, über die ich mich freue, andere sind. Ich kann bis heute Fernsehen und Alkohol nicht ohne schlechtes Gewissen konsumieren, da die wenige Freizeit so kostbar ist.

    Die Idee, dass jemand der von klein auf fleißig in Schule und Arbeit ist, gesund und anständig lebt, sich in Ö nichts aufbauen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Dies gesagt, möchte ich der Idee des BGE jedoch nicht widersprechen, da sie richtig umgesetzt sicher eine sinnvolle Alternative zum heutigen „Transferdschungel“ darstellt.

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