Es war einmal …

Stellt euch vor, ein Staat steckt in einer tiefen Krise. Eine gefährliche höchst ansteckende Pandemie hat sich ausgebreitet. Die Menschen werden dazu angehalten ihre sozialen Kontakte einzuschränken bzw. überhaupt zuhause zu bleiben. Nur jene, die die Notwendigkeiten des Systems am Laufen halten dürfen hinaus. Die Polizei kontrolliert Zuwiderhandeln streng und es werden auch hohe Strafen verhängt. Viele viele Tote wurden vorhergesagt. Die Menschen hatten Angst vor der Krankheit und vor dem Tod.

Die sich aus diesem „shut down“ ergebende Wirtschaftskrise bringt viele – vor allem Einzelpersonenunternehmen und andere Klein- und Mittelbetriebe – an den Rand ihrer Existenz. Die Gasthäuser und Hotels müssen mangels Gästen ebenso um ihre Zukunft bangen wie viele freischaffende Künstler*innen und Kulturbetriebe. Das gesamte gesellschaftliche Leben, wie Hochzeitsfeierlichkeiten, Sport- oder Feuerwehrfeste aber die Trauer um die Verstorbenen kam fast ganz zum Erliegen.

Die ganze Hoffnung von vielen dieser Menschen lag nun auf den Schultern des geliebten und allseits verehrten, jungen und strahlenden Anführers dieses Landes, der ohne Fehl und Tadel und völlig uneigennützig mit sicherer Hand sein Land durch diese Krise führte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute

Klingt wie ein Märchen?

Bis auf den letzten Absatz ist das leider die bittere Wahrheit.

Es stimmt leider, dass viele Menschen vor den Ruinen ihrer Existenz stehen, viele Angst haben um sich, ihre Kinder oder Eltern und die ganze Welt ist in einer Krise steckt.

Leider stimmt aber auch, dass Österreichs Bundeskanzler nichts Anderes zu tun hat, als in Zeiten dieser Krisensituation Zeitungsredaktionen anzurufen, um sich über deren Berichterstattung über ihn  zu beschweren.

Der Chefredakteur der Kleinen Zeitung berichtet über telefonische Interventionen von Kanzler Kurz. „Dieser hat sich mehrmals am Telefon gemeldet, um energisch darzulegen, wie er den entglittenen Besuch im Kleinwalsertal wahrnahm, und dass die kritische Kommentierung und mediale Darstellung Zerrbilder seien.“

Hat der Kanzler himself auch in anderen Redaktionsstuben angerufen? Hat er vielleicht auch anderen Chefredakteuren geholfen einen objektiven Standpunkt zu erlangen? Hat Kurz gar mit Eigentümer*innen österreichischen Medien über die Lage der Medien in Zeiten der Krise in Österreich gesprochen? Hat er versucht, auf die Einladungspolitk von ORF, ATV, ServusTV oder Puls4 zu nehmen?

Hat er dabei unter Umständen auch Anspielungen über die schwierige Finanzierung in schlechten Zeiten gemacht? Die Presseförderung oder die Inseratschaltungen der öffentlichen Hand erwähnt? Wen und wie oft hat des Kanzlers Kettenhund, Gerald Fleischmann, seines Zeichens Medienbeauftragter im Bundeskanzleramt und bekanntermassen nicht zimperlich im Umgang mit Medien die seinem Herrn und Gebieter nicht wohlgesonnen sind, im Auftrag seines Herrn angerufen und um eine wohlgesonnenere Berichterstattung „gebeten“?

Angeblich und wahrscheinlich wahrhaft befindet sich Österreich in der schwierigsten Zeit seit dem 2. Weltkrieg. Aber der Bundeskanzler hat keine anderen Sorgen, als sich um die wohlgefällige Berichterstattung über seine Auftritte zu kümmern.

Wir erinnern uns daran, dass er auf die demokratipolitisch bedenklichen Vorgänge in Ungarn angesprochen wörtlich gesagt hat:

„Ich habe, ehrlich gesagt, nicht die Zeit, mich mit Ungarn auseinanderzusetzen“, denn: „Ich habe ganz andere Sorgen im Moment.“ 

Und diese Sorge heisst – wie man jetzt weiss – messagecontrol.

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