Da sitz ich so unschuldig und nichtsahnend beim Frühstück, stierl online ein bissl in den digitalen News und muss lesen, dass heute „Welterschöpfungstag“ ist. Erschöpft bin ich auch, denk ich mir. Weil das Kasperltheater, dass uns die innenpolitische Bühne grad liefert, kann schon ermüdend sein. Aber wie ich dann weiterles, stell ich fest, ich bin gar nicht gemeint.

Erschöpft ist die ganze Welt.

Es gibt ja für alles mögliche einen „Welttag“.

Den Fat-Cat-Day, den Equal-Pay-Day, den Frauentag, den Muttertag, den Vatertag, den Tag der Arbeit, den Staatsfeiertag, den Welttierschutztag, aber auch so einiges kurioses, wie z.B. den „Welt-Tag der Jogginghose“.

Warum also nicht auch einen „Earth Overshoot Day “?

Aber was ist das überhaupt?

Das ist der Tag des Jahres, an dem der menschliche Rohstoffverbrauch nicht mehr durch die Bildung neuer Ressourcen gedeckt werden kann. Ab da geht’s an die Substanz. Wir verbrauchen als mehr als wir haben.

Wie wird der Overshoot-Day berechnet?

Mathis Wackernagel, Gründer des «Global Footprint Networks» erklärt das so:#

Diese Rechnung kann jeder Mittelschüler machen. Wie viel Weizen, Kartoffeln, Energie, etc. konsumieren wir? Wieviel Fläche braucht es dafür? Also für alles: Essen, Fasern, CO2 von der Fossilenergie aufnehmen, Platz für unsere Strassen und Häuser? Das ist unser Footprint. Den können wir mit der Biokapazität vergleichen: die produktive Fläche, die uns zur Verfügung steht.

Weltweit gesehen passierte das zum ersten Mal im Jahr 1970.

Aber wie so vieles in dieser Welt ist da einiges ungleich verteilt.

Spitzenreiter in der Liste, der im Verbrauch der Ressourcen führenden Staaten, ist Quatar. Da war heuer am 10. Feber schon Schluss mit Lustig. Wahrscheinlich veranstalten wir deswegen dort dieses Jahr (21.November bis 18.Dezember) noch eine Fussball-Weltermeisterschaft. Weils eh scho wuaschd is.

Unmittelbar dahinter, am 14.2., folgt Europas Spitzenreiter Luxembourg.

Wir schaffens nicht ganz unter die TopTen.

Aber ein 11. Platz is ja auch nicht schlecht.

In Österreich erreichten wir diesen „Point of no return“ heuer am 6.4. Deutschland am 4.5 und in Jamaica ist es am 20. Dezember so weit. In Afghanistan, Bangladesh oder Zambia dagegen wird dieser Punkt des „Overshoot“ gar nicht erreicht.

Es zeigt sich deutlich:

Je ärmer umso weniger wird verbraucht.

Insgesamt weltweit und auch innerhalb der unterschiedlichen Gesellschaften.

Eh kloa.


Wär ich zynisch, tät ich sagen:

Armut schafft Nachhaltigkeit

Kleine Wohnungen, Sparsamkeit bei Energie und Lebensmitteln, wenig bis keine Flugreisen oder Urlaube auf Kreuzfahrtschiffen, nicht immer die aktuellsten technischen Gimmicks oder die neuesten, gerade angesagten Fetzen (vulgo Mode).

Nicht ganz freiwillig allerdings.

Im Gegensatz dazu die unfassbaren Gewinne von fossilen Konzernen im vergleichbaren Zeitraum:

  • 2.800.000.000 US-Dollar.
  • Pro Tag.
  • Seit 50 Jahren.

Da denk ich mir dann, es ist nicht nur „Mutter Erde“ erschöpft, sondern auch der Grossteil der auf ihr existierenden Menschen.

Für eine zukunftsfähige Gesellschaft sind neben einem „gesunden“ Planeten, mit dem wir sorgsam umgehen müssen, auch soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Gleichstellung der Geschlechter, Respekt vor Minderheiten und Demokratie notwendig.

Dazu ein Zitat von Chico Mendes (Gewerkschafter der Landarbeiter*innen – 1988 von Grossgrundbesitern ermordet):

„Ohne sozialen Kampf ist Ökologie nur Gartenpflege“

Zum Schluss hab ich noch eine Mitteilung für die „Gstopften“:

there is no money on a dead planet

Also auch keine Aktiendepots, keine Zweit- oder Drittvillen, keine Superyachten, keine Red-Carpets, keine Privat-Jets, keine Bentleys oder Ferraris, kein Kaviar, Champagner oder Trüffel und keine Gourmet-Tempel.

Da is dann nix mehr. Gar nix mehr.

Da gibts auch keine Gstopften mehr.

Also reissts eich a bissl zsam.

Kuriose Feiertage im März

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Passt´s auf eich auf und wehrt´s eich!

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2 thoughts on “there is no life on a dead planet

  1. „Earth Overshoot Day ?
    Das ist der Tag des Jahres, an dem der menschliche Rohstoffverbrauch nicht mehr
    durch die Bildung neuer Ressourcen gedeckt werden kann.“

    Der Hauptaspekt, die Hauptursache, der einzige Hauptansatz für eine Lösung
    ist in einer grün-roten Zeit noch verboten zu benennen :
    Die große Mehrheit der menschlichen zivilisationsunfähigen Charaktertypen lassen
    dies nicht zu.
    Und ein Aussortieren – egal wie – führt immer zu Missbrauch durch die Aussortierer.

  2. „Ich denke, also bin ich.“

    Schwer dieses Sein zu verwalten mit einem Gehirn, dass auf das Vergessen und Verdrängen spezialisiert ist.

    „Ich handle, also werde ich sein.“? Klingt etwas zu utopisch.
    „Das wird nichts mehr, also ist es egal.“ Dafür braucht man keine Philosophie.

    Wie müsste er lauten, der kleine Satz, der die Philosophie begründet, die unser Sein sein lässt, angesichts der drohenden Überbeanspruchung unserer Ressourcen in der modernen Zeit?

    „Verstellen sie mir bitte etwas die Sonne?“ Ach, nein…

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