Wer hats gesagt: Kurz oder Orban?

„Jeder trägt Verantwortung, jeder muss seinen Beitrag leisten. Statt Streit und Sticheleien ist jetzt die Zeit des Zusammenhalts gekommen!“

Es war Orban – aber dieser Satz könnte wohl von jedem der grossen „Staatenlenker“ kommen. Von Trump über Johnson bis eben zu Kurz, der mit seinem „Team Österreich“ ja schon vorgemacht hat, wie gesamtgesellschaftliche Solidarität für eigene  Parteiinteressen umfunktioniert wird.

Die Notwendigkeit des nationalen „Schulterschluss“ ist das Totschlagargument um jede Kritik im Keim zu ersticken.

Wer auch nur leiseste Kritik übt ist mindestens Nestbeschmutzer, wenn nicht gar Landesverräter.

Da hat einer erkannt, wie er seinen geliebten Macchiavelli bis zur Perfektion ins reale Leben transerfiert.

Die nächste Nationalratswahl und die zu erreichende absolute Mehrheit als Ziel markiert und fest im Blick. Es wird vom „Volk“, von den „Bürgern und Bürgerinnen“ von den „Österreicherinnen und Österreichern“ eine Solidarität die nur in eine Richtung geht. Eine Solidiarität, die z.B. bei der Einführung des 12-Stunden-Tages oder bei der Reform der Sozialversicherung nicht zu erkennen war.

Lang hat z.B. His Masters Voice und Säckelwart Gernot seine Rolle als keynsianischer Allesversteher und Helfer in der Not auch für jene, dies wirklich notwendig haben, eh nicht durchgehalten.

Nix wird’s mit dem Ende des Neoliberalismus.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hat schon klargestellt, dass nach der Coronavirus-Krise wieder gespart werden muss.

Da wird’s dann wohl auch nix werden, mit Gehaltserhöhungen oder zumindest Sonderprämien für jetzt ganz besonders belastete „Systemerhalter“ wie Spitals- und Pflegepersonal, den Beschäftigten im Lebensmittelbereich – von der Produktion (was besonders jetzt bei den Erntehelfern spannend werden könnte) über die Logistik bis hin zur Kassa – oder den Reinigungskräften und der Müllabfuhr.

Einen dementsprechenden Antrag auf einen „Corona-Bonus“ haben ÖVP, Grüne und NEOS im Parlament abgelehnt. Genauso werden Sie nach der Krise jegliche Gehaltserhöhungen ablehnen – weil es muss ja, siehe oben – wieder gespart werden. Der Gürtel wird wohl sehr eng geschnallt werden müssen. Aber keine Angst eh nicht für alle. Es wird schon wieder welche geben, die gleicher sind als gleich – oder wie heissts in der Werbung so schön: Reicher als Reich!

Derweilen übt man sich im Verpfuschen und Vertuschen.

Das „Team Ischgl“ als Vorbild.

In nur 10 Tagen von „alles in bester Ordnung und keine Gefahr“ bis zur völligen Quarantäne Tirols.

Die Hotelerie und Seilbahnbetreiber als Masterminds der Krisenbewältigung.

Kann man sich vorstellen, dass Kurz und seine „Schnöseltruppe“ von all dem so gar nichts gewusst haben?

Dafür verlautet aus dem AKH aus gewöhnlich gut informierten Kreisen, dass man sich auf einen Ansturm auf die Intensivbetten vorbereitet.

Es darf davon ausgegangen werden, dass diese nicht von den inzwischen immerhin 28 erkrankten Polizisten benötigt werden.

Nachdem also die von der Polizei ursprünglich gewählte Strategie zur Überwachung der Ausgangssperren zu mehr kranken Beamten führt, wird nun auf Drohnen und Verkehrskameras  umgestellt. Big Brother lässt grüssen.

So haben die verbliebenen gesunden Sicherheitsorgane auch mehr Zeit sich dem dringend notwendigen Verbreiten von Durchhalteparolen in Form der Ersatzhymne „I am from Austria“ zu widmen.

Eh gut, weil dann kommen sie gar nicht erst in die Versuchung ihre Kompetenzen zu überschreiten.

Das würde ein Wiener Polizist ja ohnehin nie machen – oder?

Für die wirklich wichtigen Aufgaben hat man dann ohnehin das Bundesheer.

So erfährt man in der ZiB2, dass „ein Konvoi die Schutzausrüstung unter militärischem Schutz nach Tirol bringt“.

Das ist ganz sicher wegen der räuberischen Verbrecherbanden zu Dürnstein, die dort hinter den Gebüschen lauern und mit der geraubten Ware Schutzgeld erpressen wollen. Hat ja vor Jahrhunderten schon einmal funktioniert.

Und genau damit das nicht passiert, werden jetzt 3000 Milizsoldaten aktiviert. Weil wenn die Polizei entweder im Krankenstand, hinter den Bildschirmen der Drohnenübertragung oder am Singen ist, braucht dieses Land Soldaten auf der Strasse.

Bei allem Verständnis für die notwendigen rigiden Massnahmen und das Virus und dessen Folgen unter Kontrolle zu bringen (was wahrscheinlich ohnehin nicht zu 100 % gelingen kann) – das gefällt mir überhaupt nicht.

Ein Binnen-Einsatz von Militär, selbst in einer Situation wie der jetztigen, ist ziemlich bedenklich. Ich fühl mich unwohl, wenn auf den Strassen das Bundesheer patroulliert. Vor allem auch, wenn man sich zu Gemüte führt, worauf sich die Befehlshaber vorbereiten.

Wie weit ist es dann noch bis zu dem Schritt den Ungarn gerade geht?

Wann wird das Militär die Befehlsgewalt über private „systemrelevante“ Unternehmen übernehmen. Wo hört das auf? Eine Entwicklung, die sehr bedenklich ist.

So wie diese Krise auch viel Gutes zum Vorschein bringt – grosse Solidarität, Nachbarschaftshilfe, Kreativität die sich in diversen Beiträgen in den SocialMedia zeigt – kommen ebenso viele niedrige Instinkte zum Vorschein.

Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der auf den griechischen Inseln gestandeten Menschen. Auch in dieser schwierigen Lage dürfen wir jene nicht vergessen, denen es sogar noch schlechter geht und die derzeit völlig aus dem Focus der öffentlichen Diskussion verschwunden sind. Die Situation in den Lagern auf den griechischen Inseln oder an der türkisch/griechischen Grenze ist unverändert und diesen Menschen muss geholfen werden.

Leider sehen das aber viele völlig anders.

Sie agieren nach dem Florianiprinzip:

„Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“

Kommentare zu Zeitungsartikeln die auf die Umstände hinweisen sind grössteils wirklich erschütternd. Von Menschlichkeit oder gar Solidarität und darüberhinaus keine Spur. Das Hirn dieser sich entblössenden Menschen reicht offensich maximal bis zum eigenen Tellerrand. Ich möchte gar nicht wissen, was passiert, wenns wirklich ganz schlimm kommt. Wenn also z.B. auch die Infrastruktur wie Strom oder Wasser ausfallen.

Da findet sich dann der „Feind“ nicht erst hinter der Staats- oder EU-Aussengrenze, sondern bereits in jedem, der sich mit der Nase über den eigene Schrebergartenzaun wagt. Und weil dann kein Frontex, weder Bundesheer oder Polizei zur stelle ist, greift man dann wahrscheinlich selber zum Schiesseisen.

Nicht ganz unwahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Waffen in privater Hand im letzten Jahr gestiegen ist. Mittlerweile sind in Österreich über eine Million Waffen in Privatbesitz registriert. Und es ist sogar noch schlimmer: die Schätzungen, wie viele Schusswaffen in Österreich illegal besessen werden, gehen bis zu zwei Millionen. „Österreich ist der Shooting-Star bei illegalen Schusswaffen“, sagt ein Experte

Womit wir bei den Amis sind. Und zum Schluss bei was – fast – Lustigem.

US-Amerikaner decken sich mit Waffen und Munition ein.

Kann man einen Virus erschiessen?

Da werden sicher auch einige dabei sein, die glauben, man kann den Virus mit einer Pumpgun erledigen. Und wenn das mit dem Virus nicht geht, dann muss halt der Überträger dran glauben. Ähnliches gilt sicher auch für manch österreichischen Waffenbesitzer.

Aber apropos eindecken und lustig sein.

Was die Bevölkerung diverser Nationen in der Krise so für die schweren Zeiten hamstert.

Wie wir jetzt schon wissen – die Amis Waffen und Munition.

Wie manche aus der Erfahrung des eigenen Hamsterkaufes wissen – die Österreicher – und Deutsche – mit Toilettepapier.

Die Holländer sind wegen ihrer notwendigen Vorräte an Marihuana vor den Coffee-Shops Schlange gestanden.

Die Italiener haben die Regale mit Rotwein und Nudeln leergeräumt.

Und in Frankreich wurden Unmengen an Kondomen auf Vorrat gekauft.

Ich überleg jetzt ernsthaft, ob ich nicht bei mir daheim in der Quarantäne eine niederländisch, französisch, italienische Enklave eröffnen soll.

In diesem Sinne:

Bleibt´s gsund und losst´s eich nix gfoin!

Passt´s auf eich auf und wehrt´s eich!

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